Politik | Debatte

Sollen die Bürger über Gebetszentrum entscheiden?

Die Lega Nord fordert ein Referendum über das geplante islamische Kultzentrum. "Gravierend und kontraproduktiv", schießt Luigi Gallo dagegen. Der Wahlkampf ist eröffnet.

Die Bozner Lega Nord hat ihr Thema für den Wahlkampfauftakt gefunden: das geplante Gebetszentrum für die Südtiroler Muslime in der Bozner Industriezone. Noch ist gar nichts fix und das Gebäude in der Negrellistraße nur eines unter mehreren, welches sich der islamische Verein “Il Dialogo” als zukünftige Gebets- und Kultstätte vorstellen könnte. Und doch haben sich Exponenten der Lega Nord am Dienstag vor dem Haus mit der Nummer 13/c versammelt, um ihre Forderung kundzutun: Ein Referendum, in dem die Bozner entscheiden, ob das angedachte Gebetszentrum überhaupt geöffnet werden soll. So der Vorschlag vom Bürgermeisterkandidaten der Lega Nord, Carlo Vettori, und weiteren Parteifunktionären. Als “kontraproduktiv” bezeichnet Luigi Gallo den Vorstoß der Lega: “Es ist gravierend, dass jemand ein Referendum darüber abhalten will, ob ein Teil der Bevölkerung seine Religion ausüben darf oder nicht.”

Ob es vom gesetzlichen Standpunkt her möglich wäre, über einen Gebetsraum abzustimmen, daran zweifelt Gallo. Am Mittwoch Morgen ist der Stadtrat für Bürgerbeteiligung nicht erreichbar, er ist in einer Stadtratsitzung. Doch verspricht er: “Ich werde überprüfen, ob es überhaupt die Möglichkeit gäbe, ein solches Referendum abzuhalten.”

UPDATE:

Die Gemeindesatzung der Stadt Bozen verbietet die Durchführung von Referenden in religiösen Fragen. Stadtrat Luigi Gallo verweist auf den entsprechenden Artikel in der Satzung:

Art. 59, Punkt 4:
Die Volksabstimmung muss aufgrund von einer odermehreren klaren und eindeutig formuliertenFragen erfolgen und darf nur Maßnahmen von allgemeinem Interesse betreffen. Davon ausgeschlossen sind: (...) d) religiöse Angelegenheiten (...)

Einverstanden ist Gallo hingegen mit einem weiteren Vorschlag der Lega Nord. Neben einer Volksbefragung fordert diese, dass die Herkunft der Gelder, die für den Kauf von Immobilien verwendet werden, kontrolliert wird. “Dafür sind aber bereits die Sicherheitskräfte zuständig”, präzisiert Gallo. Dass Ankauf eines geeigneten Gebäudes ausschließlich von privaten Geldquellen finanziert wird, bestätigt der Präsident von “Il Dialogo” Yahia Hammam. Der Verein habe seit seinem Bestehen noch nie öffentliche Zuschüsse bekommen.