Wirtschaft | Plose

"Ohne Seilbahn keine Hotels"

Können Hotelprojekte der Athesia-Gruppe oder der Gebrüder Sanoner Brixens Tourismus retten? Ein Beispiel für den Stimmenkampf in Brixens Seilbahn-Abstimmung.

Ohne Tourismus stirbt das Dorf, heißt es bei der  Seilbahnabstimmung in Meransen.  Ohne Seilbahn die Plose, in jener von Brixen. Und damit der ohnehin darniederliegende Tourismus der Bischofsstadt, argumentieren die Wirtschaftsvertreter des Bezirks, die in den letzten Tagen vor der Abstimmung am Sonntag noch einmal gemeinsam in den Stimmenkampf zogen. Rückendeckung für Verbände wie HGV und hds, die sich zuletzt in einer gemeinsamen Presskonferenz für das Ja zur Seilbahn stark machten, kam vom Geschäftsführer der Plose-Seilbahn Alessandro Marzola. „Bei einem Nein werden ab 2015 Lifte abgebaut“, stellt er den Brixnern die Rute ins Fenster, „und spätestens 2026, wenn die Kabinenbahn St- Andrä-Plose aufgrund der technischen Fälligkeit erneuert werden muss, würde der Betrieb der letzten Liftanlage eingestellt werden.“

Doch es ist sind nicht nur bestehende Liftanlagen, über die laut Marzola am Sonntag abgestimmt wird. Auf dem Spiel stünden auch Investitionen in die gesamte Tourismusbranche, die weit über 100 Millionen Euro betragen und sichere Arbeitsplätze schaffen würden. Darunter die drei geplanten Hotelanlagen im Mittelgebirge, die nur auf den Ausgang des Volksentscheids warten würden. Konkret: Ein Hotelprojekt der Athesia-Gruppe in St. Andrä, das geplante 5-Sterne-Haus der  Sanoner-Brüder auf den Kojawiesen sowie das Hotel Welcome von Tourismusvereins-Präsident und Gastronom (Grissino) Markus Huber. „Wird die Seilbahn nicht gebaut, werden auch die Hotels nicht gebaut“,  wurde der Plose-Geschäftsführer von RAI Südtirol zitiert.

"Ebners haben vorerst zurückgezogen"

Ein Aussage, die bei den Seilbahn-Gegnern nur ein müdes Lächeln hervorruft. „Das Projekt der Gebrüder Sanoner hat mit der Seilbahn überhaupt nichts zu tun“, sagt Klaus Vontavon vom Komitee ProAltVor. Denn der Standort des Hotels in Mellaun liege dafür zu weit von der Seilbahnstation entfernt; außerdem laufe gegen das Projekt immer noch ein Rekurs von Nachbarn. Auch die Familie Ebner habe einen Antrag auf Bauleitplanänderung vorerst zurückgezogen. Und Markus Haber habe zwar ein genehmigtes Projekt, aber zumindest derzeit eine verfallene Baugenehmigung. „Vor allem sehe ich aber nicht, dass Hotels dieser Klasse von einer Seilbahn abhängig sein sollen“, wirft Vontafon ein, „dort reisen die Gäste ohnehin mit dem eigenen PKW an“.

Die Hotelprojekte sind laut dem ProAltVor-Vertreter allerdings ein weiteres Beispiel dafür, wie wenig konkrete Information die BrixnerInnen über viele mit dem Seilbahnprojekt verbundene Fragen erhalten würden. „Wir wissen auch bis heute nicht, woher die zehn Millionen Euro kommen sollen, die angeblich ein Privater zur Finanzierung des Seilbahnprojekts beisteuern soll“, sagt er. Der ProAltVor-Vertreter ist inzwischen überzeugt, dass der starke Druck, die vorliegende Lösung durchzusetzen, aus einer ganz anderen Ecke kommt. „Die Plose ist nur ein Nebenschauplatz“, meint er.  Statt dessen spreche vieles dafür, dass  das Land noch eine Rechnung mit einem Seilbahnbauer offen hat.  „Und der braucht ein Vorzeigeprojekt im Alpenraum, in dem eine 3-S-Bahn eine Altstadt überfliegt“, so Klaus Vontavons Theorie.

Requalifizierung statt neue Betten

Auch der Landtagsabgeordneten der Grünen Hans Heiss sieht in neuen Hotelprojekten auf der Plose kein großen Potential, die Probleme der Brixner Tourismuswirtschaft zu lösen. „Brixen braucht nicht so sehr neue Betten, sondern eine Requalifizierung der bestehenden  Strukturen in der Stadt“, ist er überzeugt. Einzige Ausnahme seien rund 150 zusätzlich benötigte Betten für Kongresstouristen.  „Doch machen Betten auf der Plose dafür wenig Sinn “, meint Heiss.

Den Ruf nach einer Rettung des Brixner Tourismus kann der Landtagsabgeordnete aus einer Hoteliersfamilie nicht ganz nachvollziehen. Mit 550.000 Nächtigungen liege Brixen zwar unter den Top-15-Destinationen des Landes. „Doch wir sind ohnehin keine ausgesprochen Tourismusdestination, sondern haben eine differenzierte Wirtschaftsstruktur.“ Mindestens ebenso wichtig wäre deshalb zu überlegen, wie der Industrie- oder Kongresstandort Brixen belebt werden könne.

Mehr Pros & Contras zu diesem und anderen Streitpunkten der Brixner Volksabstimmung gibt es an den kommenden beiden Abenden: Am Donnerstag organisiert PRO Seilbahn Brixen ab 20 Uhr eine große Abschlussveranstaltung am Brixner Domplatz; am Freitag Abend will ProAltVor nicht zuletzt mit einem Fackelzug ein letztes Mal gegen das geplante Seilbahnprojekt mobilisieren.

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Willy Pöder Do., 18.09.2014 - 17:37

Ich komme da nicht ganz mit. "Bei einem Nein werden ab 2015 Lifte gebaut", wird Marzola zitiert. Und wenig später: „(...) spätestens 2026, wenn die Kabinenbahn St- Andrä-Plose aufgrund der technischen Fälligkeit erneuert werden muss, würde der Betrieb der letzten Liftanlage eingestellt werden.“ Also baut man 2015 noch Lifte, um dieselben dann wenige Jahre später einzustellen. Einmalige Strategie! Hoffe es handelt sich lediglich um einen Schreibfehler.

Do., 18.09.2014 - 17:37 Permalink
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Thomas Kobler Do., 18.09.2014 - 18:47

Antwort auf von Willy Pöder

Habe ich mir auch gerade gedacht. Und was bitte bedeutet dieser Satz? "Und damit der ohnehin darniederliegende Tourismus der Bischofsstadt, argumentieren die Wirtschaftsvertreter des Bezirks, die in den letzten Tagen vor der Abstimmung am Sonntag noch einmal gemeinsam in den Stimmenkampf zogen."

Müsste nach dem "damit" nicht noch etwas kommen?

Do., 18.09.2014 - 18:47 Permalink