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Auf den Virgl bei Bozen

Der Virgl, eine mit Buschwald bestandene Kuppe aus Porphyr, die sich wie ein Riegel ins Stadtgebiet von Bozen schiebt, war einst ein beliebtes Ausflugsziel der Bozner.

Sogar eine Standseilbahn führte hinauf. Im Rahmen der Verwirklichung eines Großprojektes in der Stadt („Benko-Kaufhaus“) ist eine Wiedergewinnung des Virgl-Geländes und der Neubau einer Seilbahn im Gespräch. Vor wenigen Jahren wurde von der Gemeinde ein neuer Spazierweg angelegt, der in Verbindung mit alten Steigen eine Rundwanderung ermöglicht, auf der wir diese stadtnahe, besondere Landschaft kennenlernen. Die Nähe der Stadt, gemütliche Gasthäuser, eine Burg und ein tolles Panorama sind weitere Höhepunkte dieses Ausflugs. Sonnige Frühling- und Herbsttage sind dafür vornehmlich geeignet, auch schneearme Winter sind eine gute Zeit für diesen Weg, nur im Sommer ist es zu heiß.

Der Wegverlauf

Zugegeben, der Ausgangspunkt ist nicht gerade attraktiv: Wir starten an der Bozner Umfahrungsstraße (Innsbruckerstraße), dort, wo sie im Südwesten im Virgltunnel verschwindet, im Zwickel mit der Ausfahrt in die Trientstraße, bei der Tankstelle kann nach Rücksprache mit dem Tankwart geparkt werden.  Der markierte und ausgeschilderte Steig klettert sofort steil in die Höhe, geht an einem Tranformatorenhäuschen vorbei, holprige Wegstücke wechseln sich mit Stufen ab, bald überqueren wir die verwachsene Trasse der nach Bombenschäden im 2. Weltkrieg aufgelassenen Standseilbahn. Nach 20 Minuten Gehzeit ist die Aufwärtsplackerei vorerst beendet, der Stadtlärm bleibt hinter uns, wir treffen wir auf die kaum befahrene Asphaltstraße und folgen ihr kurz bis zum Gasthaus Kohlerhof. Beim Kohlerhof (462 m, 30 Minuten bis hierher) stärken wir uns, dann geht es auf dem mit 9 und kurz darauf mit 10 markierten Weg weiter, durch Kastanienwälder, an Weinbergen entlang, auf einem uralten Pflasterweg noch etwas bergauf, bis wir an einem Aussichtspunkt mit einer Ruhebank anlangen (536 m, 20 Minuten). Wir folgen dem Steig, der sich jetzt den Berghang und eine Felswand entlang schlängelt, sich durch großes Blockwerk in ein Tälchen senkt und es überquert. Dann steigen wir über eine breite, gut verankerte und mit Geländer gesicherte Leiter empor und treffen auf einen breiten Forstweg, folgen ihm und biegen in einen Waldsteig ein, der uns zügig bergab zur Haselburg (30 Minuten) bringt. Der weitere Weg geht als gekieste Promenade zwischen der Burg und dem romantischen kleinen Waldteich in Serpentinen bergab, führt an einem überwucherten Bunker aus der Kriegszeit vorbei, quert oberhalb der Dächer vom Stadtteil Haslach den Berghang und mündet bei der barocken Grabeskirche in die Zufahrtsstraße. 

Länge 6 km
Gehzeit: 2 h 30 m
Höhenmeter: 310
Schwierigkeit: mittel, kurze holprige und steile Steigstücke

 

Sehens- und Wissenswertes

Jahrhundertelang pilgerten Menschen von weither zu der in dominierender Lage aufragenden barocken Grabeskirche auf dem Virgl, auch Kalvarienkirche genannt. Die Kirche wurde renoviert, die Kreuzwegstationen am Weg von der Stadt herauf wurden saniert, neu eingedeckt, die bisher in der Kirche deponierten lebensgroßen geschnitzten Stauen wieder an ihren Platz gebracht, Glas und Gitter sichern den wertvollen Bestand. Die Kirche ist mittwochnachmittags geöffnet. In der Nähe der Kalvarienkirche befindet sich die ebenfalls sehenswerte romanische Vigiliuskirche mit wertvollen Fresken zur Vigiliuslegende und der Darstellung der Hochzeit Marias mit Josef. Infos zur Besichtigung: Verkehrsamt der Stadt Bozen, Tel. 0471 307000

 

Einkehren

Kohlerhof

Die verglaste, sonnige Veranda, die großen Sonnenterrasse oder der Gastgarten unter Bäumen sind der rechte Ort, um trotz Stadtnähe bei Hausmannskost, Eigenbauweinen und letzthin bei hausgebrautem Bier etwas Landluft schnuppern. Virgl, Bozen, Tel. 0471 971432. Samstag und Sonntag geöffnet.

Haselburg

Die alten Mauern aus dem 13. Jh. stecken voller Überraschungen, in den stilvoll renovierten, verwinkelten und Licht durchfluteten Sälen, Veranden und Terrassen oder im Gastgarten lässt es sich trefflich, auch nur zu Kuchen und Kaffee, einkehren oder schlemmen. Küepachweg 48, Bozen, Tel 0471 402130, www.haselburg.it. 12-14 und 19-22:00 Uhr. Ruhetag: Sonntag Abend und Montag

 

Autor: Oswald Stimpfl

www.folioverlag.it
www.stimpfl.info