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55 Jahre Pestizide

"Der stumme Frühling"- die Dokumentation

ununterbrochener Kontroversen zum Schutz von Mensch und Natur vor Pestiziden und Pflanzenschutzmitteln. Es folgt die Zusammenfassung der wissenschaftlichen
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                  Abhandlung einer Studierendengruppe unter Univ.Prof. Heribert Insam (Hastik und Mitarbeiter, 2013)

Schon 1962 warnte eine Wissenschaftlerin, Rachel Carson in „Der stumme Frühling“ vor unabsehbaren Gefahren in Bezug auf die menschliche Gesundheit, Tiere und Umwelt durch den Einsatz von Pestiziden und Pflanzenschutzmitteln. Das führte schon damals zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Gesellschaft, der Wissenschaft, der Industrie und der Politik. Die damals verbreiteten Pestizide waren Dieldrin und DDT, welche heute in den meisten Ländern verboten sind, wobei DDT seit 1972 landwirtschaftlich nicht mehr eingesetzt werden darf, wohl aber nach wie vor zur Malariabekämpfung. Die von Carson aufgeworfene Warnung vor ungezügeltem, unverantwortlichem Einsatz gilt auch bei den gegenwärtig verbreiteten  Pestiziden, allen voran Glyphosat, das von Monsanto patentiert und als roundup auf den Markt geworfen wurde, aber auch bei anderen  wie den Neonicotinoiden. Scheinbar ist heute der Einsatz von Pestiziden zwecks Schutz von Mensch und Umwelt umfassend gesetzlich geregelt, so ist z.B. eine Pestizidanwendung auf öffentlichen Plätzen, Gewässern und Naturschutzgebieten verboten, muss jegliche  Produktwerbung Warnungen zur Toxizität enthalten. Das am häufigsten verwendete Herbizid Glyphosat wird zusammen mit Tensiden eingesetzt, welche die Benetzbarkeit der hydrophoben Oberfläche von Pflanzen für eine verbesserte Aufnahme des Herbizids erhöhen. Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine solche Kombination Auswirkungen auf Mensch und Tier haben kann. Den eigentlichen Durchbruch erreichte Glyphosat aber erst mit der Einführung gentechnisch veränderter Pflanzen (GV-Pflanzen). Monsanto, Weltmarktführer auf dem Gebiet, entdeckte u.a. in dem Bakterium Agrobacterium sp. ein Resistenzgen gegen Glyphosat; es gelang dieses in Soja, Mais, Raps und Baumwolle zu integrieren, wodurch die Unkrautbekämpfung bei diesen Pflanzen erleichtert wurde. Analog wurde in mehreren Nutzpflanzen Gene des Bakteriums Bacillus thuringiensis transferiert die durch Bildung eines Toxins   die Resistenz gegenüber  Insekten bewirken sollten. Der Anbau dieser GV-Pflanzen veränderte die Landwirtschaft enorm, allein wurde die in der Werbung versprochene Reduzierung des Pestizideinsatzes nicht erreicht und hat die massive Anwendung von Glyphosat zu Resistenzen von Unkraut und anderen Pflanzen geführt mit negativen Auswirkungen auf das Ökosystem und auf die Biodiversität. Monsanto hat in die Entwicklung von GV-Pflanzen investiert, da deren Einführung Patentgebühren bringt und den Absatz von Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmitteln fördert. Spritzmittel und Saatgut werden als Paket verkauft, was die Sache für die Bauern verteuert und in vielen Fällen bei Ernteausfällen zu Schuldenspiralen führte. Letztendlich dient der Einsatz der GV- Pflanzen der Förderung chemischer Spritzmittel.

Carsons Ausführungen über die möglichen Folgen der Gentechnik auf die menschliche Gesundheit wurden als „unwissenschaftlich“ diffamiert. Die meisten einschlägigen Studien mit Ratten in  kurzen Zeiträumen (90 Tage!) bestätigten die Unschädlichkeit der GV-Pflanzen. Zum Zeitpunkt der Verfassung der diesem Aufsatz zugrundeliegenden wissenschaftlichen Abhandlung waren nur 3 Versuche publiziert mit den gesundheitlichen Folgen über die gesamte Lebensspanne von Ratten, nur eine davon ergab: männliche Ratten erkrankten fünf Mal häufiger an Lebernekrose als die Kontrollgruppe, Nierenerkrankungen nahmen sowohl bei männlichen wie weiblichen Ratten zu, die Mortalität war bei den GV-Mais gefütterten Ratten höher. In der Kontrollgruppe starben 30% der männlichen und 20% der weiblichen Ratten frühzeitig, während in der GV-Gruppe 50% bzw.70% starben.

Im letzten Kapitel beschreibt Carson Strategien und Einsatzgebiete der biologischen Schädlingskontrolle. Diese sollen idealerweise neben hoher Effizienz gegenüber Schädlingen keinerlei Belastung für Mensch, Tier und Umwelt darstellen, jedoch ökonomisch betrieben werden. In erster Linie werden natürliche Antagonisten eingesetzt, um Schadorganismen zu bekämpfen. Neben Fressfeinden (Wirbeltiere und Wirbellose, hauptsächlich Insekten) werden hierbei Parasiten (Protozoen, Nematoden) sowie Pathogene (Bakterien, Pilze, Viren) eingesetzt; es werden auch natürlich vorkommende Populationen gefördert was langfristig geplant werden muss aber nachhaltig wirken soll. Andere Strategien sind Lockstoffe, Sterilisation durch Chemikalien, Bestrahlung oder Hormon- und Pheromonfallen, neuerdings Freisetzung gentechnisch veränderter Insektenmännchen, deren Nachkommen nicht lebensfähig sind.

Zusammenfassende Erkenntnis: Pestizide sind unvereinbar mit Nachhaltigkeit, insbesondere wenn der  Biodiversität eine angemessene Rolle zugesprochen wird.

Schon Carson hat darauf hingewiesen, welche Gefahren entstehen, wenn die Industrie die Führung in Wissenschaft und Forschung einnimmt, insbesondere bei der Abschätzung ökologischer Folgeschäden von Pestiziden.

Die bereits von Carson bedauerten Auswirkungen des stummen Frühlings durch die Pestizide haben sich drastisch verschärft. Der industriell betriebenen Landwirtschaft in Deutschland ist es „gelungen“, 80% der Insekten über dem Boden auszurotten. Das ist katastrophal.

Wir müssen uns fragen: Wollen wir die Natur nach unseren (ökonomischen) Wünschen umgestalten oder suchen wir nach alternativen Ansätzen, wie wir uns als Teil der Umwelt über Raum und Zeit adaptieren können?

Es gibt nur eine Antwort.

 

Ende der Zusammenfassung.

 

Nachtrag von KG:

Seit 2013 gibt es längerfristige Studien in ausreichender Anzahl, die verschiedene Gesundheitsrisiken bzgl. Glyphosat  belegen, wie Krebs für die Konsumenten, Parkinson für die spritzenden Bauern, negative Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung des werdenden Lebens bis hin zu den Kleinkindern. Ich verstehe nicht das Schweigen der Verantwortlichen unserer Gesundheitsbehörden und der Ärzteschaft über diese Risiken. Ein wissenschaftlich und juridisch hochdotiertes, internationales Tribunal klagt Monsanto des Ökozids an, ein Begriff den es juridisch dringend bräuchte, den es aber noch nicht gibt.

 

 

Bibliographie: Hastik R, Walter A, Rofner C, Probst M, Präg N, Moya L,  Fernández-Delgado Juárez M, Insam H (2013) Vom stummen Frühling zum langen Winter? 50 Jahre Kontroverse über die Verwendung von Pestiziden und deren Folgen für Mensch und Umwelt. GW Unterricht 130, 5-14

 

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