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FAIRweile bei Helmut Bachmayer im Fair-Trade-Shop "Die Ameisen - Le Formiche" in der Bozner Romstraße.
Ameisen - Formiche

Der Rastlose

Eine Bank muss gläsern sein. Dafür hat Helmut Bachmayer sein Arbeitsleben lang gekämpft.
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Als nationaler Bankengewerkschafter beobachtete Helmut Bachmayer viele Entwicklungen kritisch, mehrfach überlegte er auszusteigen. Es gelang den Verantwortlichen der Raiffeisenkasse Bozen, ihn über die soziale Schiene an die Bank zu binden. Ohne den heute 68-Jährigen gäbe es in Südtirol Ethical Banking nicht. Im Jahr 2000 in Bozen gegründet, schlossen sich die Raiffeisenkassen unseres Landes der Reihe nach an. Kundin und Kunde entscheiden, in welche Produktlinie sie ihr Geld investieren: in erneuerbare Energie, energetische Sanierung, in den Bäuerlichen Notstandsfond, in biologische Landwirtschaft in Südtirol oder den Fairen Handel im Globalen Süden. Faule Kredite gab es bis heute keine, die Rückzahlung der Kredite war stets gesichert, der Geldfluss transparent und jederzeit einsichtig.

Seit 1974 hat der in Algund aufgewachsene und jetzt in Tiers und Bozen lebende Helmut Bachmayer nach Arbeitserfahrungen in der Gastronomie und der Mittelschule in der Raika Bozen gearbeitet. Schon in den 90er-Jahren plädierte Helmut Bachmayer für die Aufhebung des Bankgeheimnisses. Als 2008 schwarze Wolken über das weltweite Bank- und Finanzwesen aufzogen und die große Vertrauenskrise hereinbrach, war Ethical Banking gefragter denn je. Helmut Bachmayer fühlte sich in seinem Einsatz und frühen Warnen bestätigt. Er stand von Anfang an in engem Kontakt mit ethischen Banken in Bochum und Padua. Das kleine aufstrebende Bozner Ethical Banking wurde Mitglied der Vereinigung der europäischen ethischen Banken.

Helmut Bachmayer kann keine Ruhe geben. Nach der Pensionierung vor acht Jahren ging es richtig los: Er wurde Vorsitzender des Fördervereins „Ethical Banking“ und ist landauf, landab mit Informationen über ethische Geldanlagen unterwegs. 2013 wurde er Mitglied der Bozner Sozialgenossenschaft „Le Formiche – die Ameisen“, die es seit 1995 gibt. Im vergangenen Jahr wurde er deren Vorsitzender. Drei Fair-Trade-Shops betreibt die Sozialgenossenschaft: in Bozen am Don-Bosco-Platz 7a und in der Romstraße 61, in Leifers in der Kennedystraße 110.

Fair und bio

Die Engros-Abteilung ist ihm ein besonderes Anliegen. Unbedingt möchte er in seiner Amtszeit den fairen Handel noch stärker in die Gastronomie bringen: „Unsere Produkte sind gut und fast durchwegs von biologischer Qualität“, sagt er. Es ist ihm wichtig, dass jedes Produkt bis zu seinem Ursprung zurückverfolgt werden kann. Lebensmittel müssten wieder mehr an Bedeutung und Wert gewinnen, sagt er. Und der faire Gedanke auch: Nicht nur Privathaushalte könnten täglich entscheiden, ob sie ihr Einkaufsgeld ausbeuterischen Weltkonzernen in den Rachen werfen, auch Gastronomen hätten jeden Tag die Wahl, sagt er. Vor kurzem Helmut Bachmayer die Mobilisierungskraft sozialer Medien entdeckt, mit Leidenschaft betreut er die Facebook-Seite der „Ameisen“, die ihren Namen an Ordnung und Fleiß der Tiere festgemacht haben. Als die erste Südtiroler Eisdiele – Innerhofer in Kaltern – vor zwei Monaten auf fairen Kakao umgestiegen ist, blitzte seine Freude auch auf Facebook auf. Noch mehr Kundenbetreuung sei notwendig, sagt er. In der Sozialgenossenschaft ist eine Mitarbeiterin in Teilzeit dafür zuständig. Zwei Mitarbeiterinnen arbeiten in der Buchhaltung und Leitung, die anderen 60 sind freiwillig tätig.

Was Helmut Bachmayer angeht, tut er ganz. Seine Augen leuchten, wenn er von den vielen kleinen Solaranlagen erzählt, die eine indigene Bevölkerungsgruppe in Ecuador auf 3.000 Metern Höhe mit Sparmitteln von Ethical Banking gebaut hat. Die Lebensqualität, Gesundheit und Hygiene der Menschen hat sich markant verbessert. Mit der Begeisterung steckte er auch seine Tochter an, die später zwei Jahre lang als Architektin dort arbeitete. Drei Kinder hat er insgesamt. Stolz erzählt er vom zweisprachigen Umfeld, in dem sie aufgewachsen sind: „Die Synapsen mehrsprachiger Kinder arbeiten schneller“, ist er überzeugt, auch wenn es in den 1970er-Jahren mahnende Fingerzeige aus der Schule gab. Er ließ sich nicht davon beirren. Genauso war es in der Bank: Solange es mit transparenten Dingen zugeht, ist er dabei.

(Maria Lobis)

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