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Mobilität
Ich war nie voll überzeugt über die Idee des Überetscher „Metrobus“. Hier ein paar Fragen: was ist es und an was hat man sich inspiriert? Und dann die Antriebswahl...
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Nun, der angewendete Name scheint unangemessen. Viel wurde über Nantes gesprochen. Eine Land-Gemeinden-Delegation war dort im März 2012, und bereits damals habe ich mich gefragt, was zum Teufel sie sahen. Hier der offizielle Bericht der Reise. Na ja, vielleicht gab es sogar keine Notwendigkeit für einen Besuch vor Ort. Ganz einfach: Computer an, Google Maps anklicken und man konnte bereits damals die Route der Linie 4 der Tan online sehen über Google Street View (hier unten das Foto der Endstation Foch-Cathédrale aus GSV) Ausgangspunkt. In Nantes wird es ist nicht als Metrobus sondern als „BusWay“bezeichnet.

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Die Endstation Foch-Cathédrale der Linie 4 BusWay in Nantes (Google Street View)

Das, was man als sogenannten „Metrobus“ für den Überetsch nennt, hat fast nichts mit dem zu tun, was es in Nantes gibt. Die Definitionen haben immerhin ihr eigenes Gewicht. In Nantes hat der Bus eine fixe Vorzugsspur in jeder Fahrtrichtung, mit dem Zweck diejenigen, die das eigene Auto auf den Park + Ride-Parkplätze entlang der Linie parken, in das Stadtzentrum zu befördern wo man sich dann mit der Straßenbahn und den Stadtbussen fortbewegen kann.

Man hat die Eigenschaften des „BusWay“ von Nantes in der Vorstellung des Landes vom 19.11.2013 präsentiert aber für eine ganz anderen Trasse gegenüber jene der französischen Stadt (zur Erinnerung, exklusiv der Busse gewidmet). In der Pressekonferenz vom 22.12.2014 war in der Vorstellung für die Medien von den vielen gepriesenen französischen Eigenschaften fast keine Spur mehr da mit Ausnahme der gewidmeten Ampeln.

Apropos Busse: 18-Meter-Busse mit Erdgasantrieb mit Sonderanfertigung jene des „BusWay“ von Nantes, Besonderheit, die die Land-Gemeinden-Delegation offensichtlich gar nicht bemerkt hat. Hingegen einfache 18-Meter-Dieselbusse, die vom damaligen LR Widmann gekauft wurden. Eine Entscheidung, die bis heute nie erklärt wurde, wahrscheinlich wegen der sehr wohl bekannten Antierdgas-Besessenheit des Landes, die das letzte Jahrzehnt charakterisiert. Thema, worüber ich bereits ausführlich in der Vergangenheit berichtet habe.

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Der "BusWay" in Nantes mit Vorzugsspur und Erdgasantrieb. (Mercedes Benz)

Übrigens die gekauften Busse mit dem Logo "Überetsch Oltradige Express" sehe ich regelmäßig im Dienst zwischen Meran und Bozen ... es wird eine Frage der Abwechselung des Rollmaterials sein, aber das gibt mir zu denken.

Wenn der "Metrobus" à la sudtirolaise nicht mit Begrenzungsmaßnahmen des Bozner Verkehrs verbunden wird - in erster Linie die Schließung des Pendlerverkehrs in die Hauptstadt, Bau von Pendler-Parkplätzen in der Vorstadt, neue Bustaktverbindungen und somit Anschaffung von neuen Bussen zzgl. Straßenbenutzungsgebühren laut des Buchanan-Projeks, das in einer Schublade des Rathauses ruht, aber immer noch sehr aktuell ist … -, kann man alles als eine eher wenig sinnvolle Maßnahme betrachten, wenn man bedenkt, dass diese bereits beträchtliche Geldbeträge in Anspruch nimmt mit Zeitplanung und Anfangs-Kostenvoranschläge, die bereits weit übertroffen wurden (man lese die Pressemitteilung von 30.8.2016).

Sicher könnte man über die Straßenbahnprojekte reden - das bekannte Problem ist, dass dafür beträchtliche Ressourcen erforderlich sind aber dann würde sich die Straßenbahn im Verkehrschaos in Bozen befinden… - oder über andere mögliche Lösungen, wie zum Beispiel die 24 Meter-Zweigelenkbusse verwenden, die in Nantes zukünftig verkehren werden, aber die wahrscheinlich bei uns eine separate Trasse benötigen würden.

Letztendlich, den „Metrobus“ als solchen zu bezeichnen was es wirklich nicht ist, ist ein bisschen fragwürdig und in der Zwischenzeit ist das Verkehrsproblem bei weitem nicht gelöst, wie die Eingangsvorzugsspur Richtung Bozen, die wohlgemerkt bis jetzt nur in einem zentralen Abschnitt der Drususallee realisiert wurde (was ich nicht verstehe aber so wurde es geplant...), aber nicht in Richtung Überetsch. Niemand hat vielleicht den ausgehenden Verkehr am späten Nachmittag/Abends gemerkt?

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