Gesellschaft | Ernährung

Designer Food und Functional Food

Functional Food wie etwa A-C-E-Säfte versprechen in vielen Fällen, besonders gesund zu sein. Sie sind aber kein Ersatz für vielseitiges und hochwertiges Essen.
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Foto: (c) unsplash

Functional Food, wie schon der Name sagt, muss (bzw. sollte) eine Funktion haben. Es muss (sollte) dem menschlichen Organismus etwas bringen. Der Nutzen kann daraus bestehen, dass es sich positiver auf die Gesundheit des Organismus auswirkt, als dies ein vergleichbares natürliches Lebensmittel täte oder aber, dass es ein Krankheitsrisiko reduziert.

Functional Food sind also Lebensmittel, bei denen entweder unerwünschte Komponenten entfernt oder erwünschte Komponenten hinzugefügt bzw. deren Anteil erhöht wurde.

Im Gegensatz zu Novel Food gibt es bis heute in Deutschland, in der EU und in den USA noch keine gesetzliche Regelung zu dieser Produktkategorie. Einziges Land, dass für Functional oder Designer Food, wie es auch genannt wird, eine gesetzliche Verankerung hat, ist Japan. Es ist auch das Land, wo der Markt für diese Lebensmittel im globalen Vergleich am weitesten entwickelt ist. In Japan nennt man Functional Food FOSHU, das sich aus den Wörtern Foods for specified health use zusammensetzt.

Functional Food sind Lebensmittel, bei denen entweder bestimmte Inhaltsstoffe entfernt wurden bzw. nicht enthalten sind, weil Menschen darauf allergisch reagieren oder eine Intoleranz haben. Zu dieser Gruppe gehören glutenfreien Lebensmittel für Menschen die Zölliakie haben oder laktosefreie Milchprodukte für Menschen mit einer Laktoseintoleranz.

Oder es handelt sich um Lebensmittel, die mit bestimmten Inhaltsstoffen angereichert wurden. Beispielsweise sollen mit Phytosterinen angereicherte Lebensmittel den Cholesterinspiegel senken. Auch der Verzehr von Functional Food mit extra erhöhtem Ballaststoffanteil soll zu einer Senkung des Cholesterinspiegels führen.

Des Weiteren gibt es Fruchtsäfte, sogenannte A-C-E-Säfte, die mit den Vitaminen A, C und E angereichert sind. Auch probiotische Milcherzeugnisse gehören zur Gruppe Functional Food.

Halten diese Lebensmittel, was sie versprechen?

Bei den Lebensmitteln, bei denen bestimmte allergene Inhaltsstoffe entfernt wurden, muss das Lebensmittel „sein Versprechen“ halten. Die Folgen könnten sonst sehr fatal sein. Stünde auf einer Packung beispielsweise „glutenfrei“ und es würde trotzdem Gluten enthalten, könnte das im schlimmsten Fall bei einer Person einen allergischen Schock auslösen. Hier kann man sich als Endverbraucher also auf das „Versprechen“ verlassen.

Bei den Lebensmitteln mit gesundheitsfördernden Zusatzstoffen sieht es etwas anders aus. Nehmen wir ein mit Vitaminen angereichertes Fruchtsaftgetränk. Wenn es sich um ein A-C-E-Fruchtsaftgetränk handelt, ist es mit den Vitaminen A, C und E angereichert. Die Funktion, die diesem Getränkt zugeschrieben wird, ist beispielsweise die Stärkung des Immunsystems.

Die Vitamine A und E gehören zu den fettlöslichen Vitaminen. Das heißt, dass zur Aufnahme dieser Vitamine Fett notwendig ist. Der Hauptbestandteil eines Fruchtsaftgetränkes, etwa 85 Prozent, ist Wasser. Der Rest sind Zucker (ca. 10-15 Prozent) und im Milligramm- oder Mikrogramm-Bereich verschiedene Mineralstoffe und eben Vitamine – aber kein Fett! Die fettlöslichen Vitamine, die zwar in dem Saft enthalten sind, können von unserem Verdauungssystem kaum aufgenommen werden. Es fehlt das Fett, dass die fettlöslichen Vitamine wie ein Taxi durch die Darmwand transportiert.

Vitamin C ist eine Form der Ascorbinsäure. Diese wird in vielen Lebensmitteln als Antioxidans verwendet und hat hier die Funktion als Konservierungs- beziehungsweise Umrötungshilfsmittel. Auf der Zutatenlisten findet man dieses Vitamin C auch unter der Nummer E 300.

Auch wenn das Vitamin C aus dem Fruchtsaftgetränk aufgenommen werden kann, ist es in unseren Breitengraden nicht notwendig, Lebensmittel mit extra viel Vitamin C zu konsumieren. Wir essen Ascorbinsäure, also Vitamin C, mit sehr vielen Lebensmitteln, in denen es als Antioxidans eingesetzt wird.

Das Functional Food-Getränk, das mit einer Extraportion Vitamine angereichert ist (und deshalb auch ein bisschen mehr kostet), kann man getrost im Regal stehen lassen. Trinken Sie Wasser und essen Sie Obst, so decken Sie Ihren Vitamin C -Bedarf. Das fettlösliche Vitamin A essen Sie besser in Form von Karotte mit etwas Öl. Und das Öl (Rapsöl, Leinsamenöl, Olivenöl) wirkt nicht nur als Transportmittel für das Vitamin A, sondern enthält gleichzeitig Vitamin E.

 

Was hat es mit den cholesterinsenkenden Lebensmitteln auf sich?

Hier handelt es sich in erster Linie um Margarine, die mit Phytosterinen angereichert ist. Tatsächlich konnte bei dieser Margarine eine Senkung des LDL-Cholesterins um bis zu 10 Prozent nachgewiesen werden. Aber das hat seinen Preis!

Unerwünschte Wirkungen dieser Phytosterine ist die Hemmung der Aufnahme von bestimmten fettlöslichen Vitaminen. Dazu kommt, dass man bereits weiß, dass sie sich im Blutplasma anreichern, man aber heute noch nicht sagen kann, was das für Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Und weil man das heute noch nicht weiß, sollen mit Phytosterinen angereicherte Lebensmittel NICHT von schwangeren oder stillenden Frauen und ebenfalls nicht von Kindern unter fünf Jahren verzehrt werden.

Bei erhöhten Cholesterinwerten ist es besser, sich seine Ernährung anhand eines Ernährungsprotokolls von einer Fachkraft genau anschauen zu lassen. Hier kann man erkennen, woher das viele Cholesterin kommt und entsprechend seine Ernährung umstellen. Eine cholesterinsenkende Wirkung haben beispielsweise Ballaststoffe. Essen Sie unter anderem Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse mit der Schale. So erhöhen Sie den Ballaststoffanteil und können so Ihren Cholesterinspiegel senken.

 

Abschließend kann man sagen, dass Lebensmitteln, denen extra etwas „Gutes“ zugefügt wird, in der Regel nur eines sind – teuer!

 

Wenn Sie sich vollwertig und abwechslungsreich ernähren, nehmen Sie mit dem Angebot, das wir in unseren Läden finden, von allem ausreichend zu sich! Essen Sie viel Obst und Gemüse und wechseln Sie die Sorten. Versuchen Sie vor allem Vollkornprodukte zu essen und essen Sie Fleisch und Fisch in Maßen. Am besten bevorzugen Sie Produkte aus der Region und von hoher (Bio-) Qualität.