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#alsodann

Rituale fürs Jenseits

Diese Woche ist die alte Rössl-Wirtin gestorben, kurz vorher die alte Grandi-Bäckin, gläubige Frauen. Da war's einfach.
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Gleich nach der Totenmesse sagt mir mein Mann, dass er das nicht so haben möchte. Ein Fest möchte er. Aha. Ich eigentlich auch. Aber wie bekommen wir das hin? Mit dem Licht des Herrn, das mich ins Paradies geleitet, kann ich wenig anfangen. Der Kirche stehe ich nicht wirklich nahe und deshalb möchte ich sie nicht für meine Zwecke nutzen, nur weil's kommod ist. Beim Heiraten war das kein Problem, aber das kommt ja auch nicht plötzlich und es gibt zig Alternativen.

Beim Ableben wird’s schwieriger. Alternativen haben wir keine. Dazu kommt, dass die kirchliche Dienstleistung jederzeit kostenfrei abgerufen werden kann, der geeignete Raum zur Verfügung steht, das Ritual vorgegeben ist. Alle Beteiligten wissen, wie's geht. Alles Vorteile. Alternativlösungen hingegen müssen erst erdacht werden. Das erfordert Planung, und die Planung Weitsicht. Dazu muss ich mich vorzeitig in den Sarg denken, muss zugeben, dass es auch mich erwischen wird.

Mit dem Licht des Herrn, das mich ins Paradies geleitet, kann ich wenig anfangen. Der Kirche stehe ich nicht wirklich nahe und deshalb möchte ich sie nicht für meine Zwecke nutzen, nur weil's kommod ist. 

Wenn ich diesen ersten Schritt geschafft habe, kann ich ein Foto suchen, wo ich mich halbwegs mag, ich kann das mit dem Verbrennen überlegen und kann bestimmen, ob jemand etwas über mich sagen darf und wer. Ich kann die Musik aussuchen, kann mir die Fete wünschen, die Stille oder doch die Kirche. Eine Bestattungsverfügung für nach der Patientenverfügung.

Weil es am Ende aber vor allem für die Hinterbliebenen schwierig ist, werde ich denen, die bleiben, sagen, sie sollen tun, was ihnen am leichtesten fällt. Und sie sollen mich nicht vergessen, wenn's grad leicht geht. Das wäre schon schön.

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