Hotel Palace
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Erinnerung

„Confortable, trop confortable!“

Saßen im Hotel Palace in Meran vier Männer zum Abendessen zusammen: Pietro Tosolini, Henri Chenot, Luis Durnwalder und Jacques Chirac. Ein wahres Geschichtchen.
Von
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Florian Kronbichler03.12.2020
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Weil es so nett ist, ein wahres Geschichtchen. Liegt schon einige Jahre zurück, aber die Chronik dieser Tage spült sie mir ins Gedächtnis zurück. Von gestern ist die Nachricht vom Tod des Meraner Gesundheitskönigs Henri Chenot. Heute lese ich vom Tod des ehemaligen Präsidenten von Frankreich, Valery Giscard d’Estaing. Zwei französische Legenden der Zeitgeschichte, wie konnte mir da nicht die Episode einfallen, von der mir der Bozner Multi-Unternehmer Pietro Tosolini, auch eine Legende seines Fachs, erzählt hat.

Es muss gewesen sein, als Prodi gerade noch Regierungschef war, also gegen 2008. In der Propstei Bozen wurde das Pfarrmuseum eröffnet. Unter den zahlreichen Gästen war auch Tosolini da, der Krösus, der sich bescheiden immer nur als Signor Geometra, Herr Geometer, ansprechen lässt. Sicher war er da, weil er das Museum gesponsert hat. Wir kamen ins Gespräch, übers Land und die Politik und überhaupt, und dabei erzählte er mir folgende Begebenheit von ein paar Tagen vorher.

Saßen im Hotel Palace in Meran, das Tosolini gehört, vier Männer zum Abendessen zusammen. Männer, als da waren: Pietro Tosolini, der Hausherr und Gastgeber selbst, sein Geschäftsführer und Magier Henri Chenot, Luis Durnwalder, damals Landeshauptmann, und – Jacques Chirac, von 1995 bis 2007 Präsident Frankreichs (2019 verstorben). Chirac ließ sich von Südtirol erzählen, und das Gespräch kam natürlich auch auf die Politik. Unvermeidlich traf es Durnwalder, dem hohen Gast die Lage der Nation zu erklären. Den Präsidenten interessierte dabei auch das Verhältnis Südtirols zum italienischen Staat. Er habe sich durchaus informiert gezeigt über Spannungen, die es in Vergangenheit gegeben habe. Wie es denn jetzt gehe, wollte er wissen. Da erklärte Durnwalder, und Chenot übersetzte (und Tosolini überbrachte es so wörtlich hinterher mir): „Questo governo si regge su due voti di maggioranza. E noi ne abbiamo tre.“

Präsident Chirac hat schallend gelacht: „Confortable, trop confortable!“ Zu kommod! Knapper, klarer, unwiderstehlicher ist Südtirolpolitik nie auf den Punkt gebracht worden. 

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Kommentare

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Hartmuth Staffler 03.12.2020, 22:13

Abgesehen davon, dass der verstorbene ex-Präsident nicht Giscard d’Estaigne, sondern Gisacard d'Estaing geheißen hat, ist das Geschichtchen nicht schlecht geschrieben.

Bild des Benutzers Hartmuth Staffler
Hartmuth Staffler 03.12.2020, 22:15

Korrektur des Tippfehlers: Giscard. Nicht nur der Florian haut manchmal daneben.

Bild des Benutzers Hartmuth Staffler
Hartmuth Staffler 04.12.2020, 23:23

"Gähn" ist ein interessanter, aussagekräftiger Kommentar. Nicht jeder ist im Stande, seine Interessenlosigkeit an einem bestimmten Thema so präzise mit einem Wort zu formulieren. Das verdienst Anerkennung und Respekt.

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