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Kommentar

Denken ist der Beginn

Salto arts blickt auf ein aktives Jahr zurück und freut sich auf neue Herausforderungen
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...einer Veränderung (M. Hinrich). Das alte Jahr ist vorbei, 2016 schon ein paar Tage jung - Zeit für einen Rückblick über den nun etwas mehr als ein Jahr aktiven Kunstblog salto arts und auch Zeit, um der Zukunft einen Besuch abzustatten. Als Departement für Kunst und Kultur auf dem Nachrichtenblog salto.bz ist salto arts Ende Oktober 2014 ins Leben gerufen worden; seitdem schreiben wir regelmäßig und unabhängig über kulturelle Erscheinungen im In- und Ausland von Glurns bis New York. Wir sind eine Gruppe von KulturarbeiterInnen, die in journalistischen, kuratorischen, forschenden, künstlerischen und gestaltenden Bereichen tätig sind.

Bloggen ist laut Nachdenken. Bloggen ist beobachten, Fragen stellen, informieren, recherchieren, Kritik üben. Also das, was jedeR BürgerIn einer Demokratie als Grundrecht in Anspruch nehmen kann. Bei Printmedien können die LeserInnen nur über Umwege, dem LeserInnenbrief, ihre Meinung zu den angebotenen Themen kundtun. Der Blog hingegen macht es möglich, unmittelbar nach der Lektüre einen Kommentar zu verfassen und zu veröffentlichen. Geht es um Kunst, scheint dabei eine gewisse Zurückhaltung vorzuherrschen. Liegt das in Südtirol vielleicht ein wenig daran, dass jede jeden kennt und deshalb lieber nur im kleinen Kreis frei diskutiert wird?

Salto arts who?
Paolo Zucconi hat immer die Architektur im Visier, anhand dessen er sozialen, historischen und politischen Fakten nachspürt. Vor allem hat er 2015 vermehrt in einigen Artikeln zur Flüchtlingsthematik geforscht. Marion Oberhofer hat die Kunstszene in Südtirol und den Nachbarländern im Auge, die sie kulturtheoretisch analysiert oder live und direkt interviewt. Giorgia Lazzaretto ist in Meran und Bozen unterwegs, um frische Geschichten aus der Kunstwelt zu servieren. Nadia Marconi hat aufmerksam eine Reihe an Ausstellungen zwischen Bozen und Rovereto besucht und besprochen, mit einem Schwerpunkt in Malerei und Fotografie. Kara Okes Themen tauchen auf Reisen und auch in Südtirol auf, sind genreunabhängig und meistens recht kritisch formuliert.

Bloggen heißt, sich in Bewegung setzen, unterwegs sein, teilnehmen und teilhaben lassen. In 100 Beiträgen haben wir uns die zeitgenössische Kunst- und Kulturszene in Südtirol und Italien sowie punktuell im Ausland angeschaut. Wir sind in Bozen, Eppan, Ritten, Glurns, Klausen, Meran, Franzensfeste, Brixen, Gröden, Dro, Trento, Rovereto, Innsbruck, München, Hamburg, Berlin, Wien, Paris, Tel Aviv und New York gewesen, und haben uns dortigen kulturellen Events und Erscheinungen gewidmet: wir haben von Großereignissen wie der 14. Istanbul Biennale und der 56. Biennale in Venedig, aber ebenso von vielen neuen lokalen Initiativen wie BAU, Hotel Amazonas, Kunsthalle Bozen, Akrat und Rorhof berichtet. In Interviews wurden Persönlichkeiten und deren Programme aus dem nationalen und internationalen Kunstgeschehen wie Martino Gamper, Lisa Mazza, Heimo Perkmann, Andrei Siclodi und Okwui Enwezor vorgestellt. 2015 haben wir uns monatlich einem Thema gewidmet, und so sind umfassend recherchierte Editorials zu Design, der KünstlerInnenresidenz, Krieg und Kunst, dem Verhältnis von Kunst und Geschichte, Kunst und Geld und dem KünstlerInnenkollektiv erschienen. Im April konnten wir die in London ansässige Künstlerin, Kuratorin und Forscherin Valeria Graziano für ein kollaboratives Schreibprojekt gewinnen, bei dem sie in drei Folgen zusammen mit dem Kollektiv Brave New Alps, Paolo Plotegher und Caterina Giuliani über kollektive Arbeitsweisen nachdenkt.
Salto arts steht nicht nur, aber auch für eine queer-feministische Ausrichtung, daher wurden die Arbeiten und Projekte einiger Künstlerinnen/Gruppen wie Cosima von Bonin, Muriel Senoner, Cornelia Lochmann, Julia Bornefeld, Pussy Riot, Francesca Woodman und Birgit Jürgenssen präsentiert.

Ein Blog ist ein Medium, das durch die Potenzialität des Internets sehr weitreichend ist. Unser Wunsch für 2016 ist es, dass Kunst vermehrt und auch öffentlich diskutiert wird, dass sich nicht nur die LeserInnen einmischen, sondern auch die Institutionen. Kultur wird im besten Fall nicht nur einseitig von legitimierten ProduzentInnen hergestellt und dann stillschweigend konsumiert, sondern sollte ein lebendiger Prozess zwischen allen Ebenen und Mitgliedern einer Gesellschaft sein. Gerade das offene Format eines Blogs lädt dazu ein.
Außerdem wollen wir weiterhin und vermehrt Kulturakteure zum Gespräch einladen. Von was lassen sie sich inspirieren? Mit was beschäftigen sie sich? Was sind die wichtigen aktuellen Themen? Auf diese Art wollen wir weiterhin ein Ideenpool, ein Treffpunkt, ein Spielplatz, manchmal ein Hörsaal und ein kritisches Organ in Südtirols Medien- und Kulturwelt bleiben.

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