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Renaturierung

Renaturierung möglich

Renaturierungen und Aufwertungen von Auen sind möglich und der Auwald in der Industriezone Brixen könnte weiter aufgewertet und vollständig renaturiert werden.
Community-Beitrag von Biodiversität und Naturschutz04.02.2020
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Drei Südtiroler Umweltschutzvereine (Dachverband für Natur und Umweltschutz, Umweltschutzgruppe Eisacktal, Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde) sind aktiv daran beteiligt, für die Rodung und restlose Zerstörung des letzten großen Auwaldes im Eisacktal eine Ausgleichsfläche zu finden, welche sie bei der Millander Au auch gefunden haben. Diese Au soll vergrößert werden und der Auwald in der Industriezone weichen.

Die Umweltschutzgruppe Eisacktal schreibt dazu in der letzten Presseaussendung: “Der ökologische Wert der neuen Flächen, in denen eine Renaturierung möglich ist und auch umgesetzt wird, ist im Vergleich zum bestehenden Wald in der Industriezone langfristig gesehen erheblich höher.”

Demgegenüber schrieben der WWF, Legambiente, “Gesellschaft für Biodverisität”, SOS Auwald und die Umweltaktivistin Magdalena Gschnitzer: „Die Wiese neben dem Auwald müsste renaturiert werden, indem Bäume gepflanzt werden und ein Teich angelegt wird.” (https://www.suedtirolnews.it/politik/gegen-die-zerstoerung-des-auwaldes-in-brixen).

Die Frage was oder wie renaturiert wird und eine kritische Auseinandersetzung mit der Renaturierungspraxis in Südtirol erfolgt von der Umweltgruppe Eisacktal und den anderen Vereinen wie dem Dachverband für Natur- und Umweltschutz oder der Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde nicht.

Den sogenannten “Renaturierungen” der Flüsse und Auen Südtirols ist gemeinsam, dass keine Zustandserfassung erfolgt, weder auf Art- noch auf Ökosystemebene. Die Studie zur Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol forderte im Jahr 2012 bei Renaturierungen eine Zustandserfassung vorzunehmen. Es erfolgt jedoch keine Erfassung wichtiger Parameter wie der Naturnähe und so kann es passieren, dass eine natürliche Fläche renaturiert wird, welche keine Renaturierung braucht.

Auch was renaturiert wird, wird nicht weiter in Frage gestellt. Im Brixner Raum wurde etwa der kleine Auwaldrest der Millander Au “renaturiert”, indem Auwald zu einer Feuchtwiese umgebaut wurde. Ein Auwald ist ein natürlicher Lebensraum und wurde “renaturiert”, indem eine Wiese an die Stelle des Waldes gesetzt wurde. An der Sinnhaftigkeit einer derartigen Renaturierung wird nicht gezweifelt.

Der Vorsitzender der Umweltgruppe Eisacktal Andreas Hilpold schrieb in einem Offenen Brief 2018 zum Auwald in der Industriezone: “Die kleinflächigen Auwaldreste sind daher kümmerliche Überbleibsel. Jegliche weitere Reduzierung dieser Flächen sollte im 21. Jahrhundert eigentlich Tabu sein. Die besagten Flächen sind von fundamentalem Wert für die heimische Flora und Fauna.” Der kleinflächige Auwaldrest der Millander Au ist durch die Renaturierung verkleinert worden und der Auwald in der Industriezone soll vollkommen weichen, geht es nach den Plänen einiger Umweltschutzvereine.

Anbindung von Auen

Die Millander Au und der Auwald in der Industriezone haben eines gemeinsam: durch den Bau des Dammes am Eisack sind sie von den Hochwässern des Eisacks abgeschnitten. Auen können unterteilt werden in rezente Auen, welche von Hochwässern regelmäßig überflutet werden oder Altauen, Auen die von den Hochwässern abgetrennt sind.

Die Millander Au und der Auwald in der Industriezone sind beides Altauen, auch wenn durch ein Extremereignis die Auen überschwemmt werden (episodische Überschwemmung, z.B. Jahrhundertereignis). Heute sind beide Auen durch den Damm von den alljährlich auftretenden Hochwässern des Eisacks entkoppelt und nur indirekt über den Grundwasserspiegel mit dem Eisack verbunden.

Auch ohne Rückbau des ganzen Dammes könnte der Auwald durch den Bau eines Verbindungsrohres zum Eisack hin wieder mit Wasser aus dem Eisack geflutet werden. Verschiedene Größen und Dimensierungen eines Rohres oder Dammdurchbruchs wären möglich und durch den Bau einer Hochwasserschutzmauer um dem Auwald könnte die Überflutung der Industriezone bei Spitzenhochwässern verhindert werden. Mit einem verschließbaren Zulauf vom Eisack zum Auwald könnte auf eine Hochwasserschutzmauer um den Auwald verzichtet werden. Die Anbindung des Auwaldes an das Hochwasserregime ist möglich und ebenso eine Renaturierung durch die Verbindung mit den Hochwässern des Eisacks. Aus der Altau würde eine rezente Au und ein Auwald, der die Funktion des Hochwasserrückhaltes erfüllt.

Anlage von Teichen

In der Studie zur Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol finden sich mehrere Projekte, bei denen Teiche als Renaturierung gebaut wurden und in der Millander Au wurden bereits Teiche und Tümpel gebaut.

Eine Aufwertung und Renaturierung des Auwaldes in der Industriezone Brixen durch die Anlage von Teichen ist sehr leicht möglich ist. Neben dem Auwald Brixen gibt es eine Wiese auf einer Fläche von etwas mehr als einen Hektar, in die ein Grundwasserteich gebaut werden könnte. Kein Stück des Auwaldes müsste gerodet werden, da auf der Wiese genügend Platz vorhanden ist. Mit dem Bau eines Teiches würden auentypische Lebensräume wie stehende Gewässer oder Tümpel geschaffen und die Au als Ganzes aufgewertet und weiter vergrößert. Der Auwald in der Industriezone ist im Gegensatz zur Millander Au nicht von landwirtschaflichen Flächen umgeben, wodurch die Gefahr von Stoffeinträgen aus der Landwirtschaft (Pestizide, Dünger) den Auenstandort nicht gefährden kann. Eine Renaturierung der Wiese zu einem Feuchtgebiet mit Teichen und Tümpeln wäre sinnvoller als in der Millander Au, die Gefährdung des Ökosystems durch Stoffeinträge aus der Landwirtschaft ist ausgeschlossen. Der Rest der Wiese könnte aufgeforstet werden und damit die Fläche des Auwaldes noch weiter vergrößert werden.

Die Umweltschutzgruppe Eisacktal schreibt in der Presseaussendung zum Auwald in der Industriezone: “Der ökologische Wert der neuen Flächen, in denen eine Renaturierung möglich ist und auch umgesetzt wird, ist im Vergleich zum bestehenden Wald in der Industriezone langfristig gesehen erheblich höher.” Eine Renaturierung mit dem Bau von Teichen und Tümpeln ist im Auwald in der Industriezone leicht möglich und ohne Zerstörung eines Auwaldrestes, wie in der Millander Au bereits geschehen.

Der Auwald in der Industriezone selbst wurde waldbaulich vor vier Jahren aufgewertet, nicht- standortgerechte Gehölze wurden vom Amt für Landschaftsökologie ausgewiesen und gefälllt. Das Vordringen von Nadelgehölzen in Auen ist ein Grund für Renaturierungen, wie in der Studie zur Renaturierung erklärt wird und im Auwald in der Industriezone wurden ausgewiesene Fichten und Föhren gefällt. Um einen möglichst naturnahen Auwaldbestand umzubauen und die Lebensraumbedingungen der auentypischen Flora und Fauna zu verbessern wurde im Rahmen des Projektes "Biotopvernetzungskonzept Flussraum Mittlerer Eisack" der Auwald aufgewertet, steht in einer Presseaussendung der Provinz Bozen.

Was soll man renaturieren und wie soll man renaturieren. Einige Umweltschutzvereine, welche in Renaturierungsprojekte involviert sind, legen keinen Wert auf eine Zustandserfassung, wie in der Studie 2012 gefordert und wollen den Auwald in der Industriezone zu Grabe tragen, da dort scheinbar keine Renaturierung möglich ist. Eine umfassende Renaturierung des Auwaldes in der Industriezone ist aber möglich und der Bau von Teichen und die Aufforstung wurden von einigen Umweltschutzvereinen bereits vorgeschlagen.

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