The Trial of the Chicago 7
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The Trial of the Chicago 7

Dass die Academy, die jährlich die Oscars vergibt, filmischen Konservatismus liebt, zeigt sich gut am Beispiel von Aaron Sorkins zweiter Regiearbeit.
Von
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Christoph Waldboth06.04.2021
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Dies ist ein Gerichtsfilm der klassischen Art, so wie es sie in den 50er und 60er Jahren häufig im Kino gab. Symptomatisch für das Genre sind eine recht umfangreiche Besetzung mit namhaften Darsteller*innen, die Begrenzung auf den klar abgesteckten Raum des Gerichtsaals, viele Fragen und wenige Antworten, Verhörsituationen, Richtersprüche, staccato-artiges Hammerschlagen, und nicht zuletzt der Tumult. Der Hollywood-Drehbuchautor Aaron Sorkin, bekannt für seine geschliffenen Dialoge, verfilmt nach seinem Regiedebüt „Mollys Game“ (2017) nun die wahre Geschichte der „Chicago 7“, einer Gruppe von Aktivisten, die 1968 bei einer Großdemonstration anlässlich des Parteitags der Demokratischen Partei gegen den Vietnamkrieg protestierten. Was als friedliche Demonstration geplant war, eskalierte jedoch in einen gewalttätigen Kampf mit der Polizei. Jene sieben, die Köpfe hinter dem Protest, werden als Drahtzieher vor Gericht gestellt, und die Schuld an der Eskalation ihnen in die Schuhe geschoben. Dass die Polizei ihre Macht missbrauchte, will der Richter nicht hören, und ebenso wenig die Angeklagten selbst, so scheint es zumindest.

Sorkin erzählt in etwas über zwei Stunden die Geschichte dieser Gerichtsverhandlung. Dabei verlässt er anders als der klassische Justizfilm, der zumeist als reines Kammerspiel angelegt ist, den Gerichtsaal mit einiger Regelmäßigkeit, und er springt in die Vergangenheit und erzählt von den Zusammenkünften der sieben Männer, von ihren Gesprächen, Diskussionen, und hier und da wird das Publikum Zeuge von den tatsächlichen Geschehnissen am Tag der Demonstration. Die Bilder erinnern nicht zufällig an die Gegenwart, an zeitgenössische Proteste gegen Polizeigewalt, gegen die Willkür der Staatsmacht, gegen den Rassismus und den allgemeinen Rechtsruck der Polizei. Es scheint sich seit dem Jahr ´68 nicht viel geändert zu haben.

 

The Trial of the Chicago 7 | Official Trailer | Netflix Film

 

Anders als seine Protagonisten verhält sich der Film selbst aber alles andere als radikal, alles andere als aufmüpfig und rebellisch. Vielmehr zeigt sich Sorkin als Freund des klassischen Hollywood, der Spielberg´schen Inszenierung, und dementsprechend konservativ wird man über die gesamte Lauflänge des Films wie auf Schienen durch die Erzählung geleitet. Es gibt keine Abzweigungen, keine Überraschungen dramaturgischer oder inszenatorischer Art, nein, es ist alles so, wie man es sich von einem Film dieser Art erwarten würde. Dass die Darsteller*innen dabei hervorragend gecastet sind, vor allem Sacha Baron Cohen in der Rolle des Abbie Hoffman, ist verschenkte Liebesmüh, denn trotz der Dialoglastigkeit und der hauptsächlichen Fokussierung auf engen Raum, erhalten die Schauspieler*innen herzlich wenig zu tun.

Die oft unverschämte Art von Sorkins Drehbüchern, auf die Spitze getrieben in der Fincher-Verfilmung „The Social Network“ (2010), fehlt in diesem Film komplett. Alles ist glattpoliert, alles ist geschliffen, Ausrutscher gibt es höchstens in Sachen Pathos. Sorkin verpasst es, der inhaltlichen Kompromisslosigkeit der Geschichte ein inszenatorisches Gegenstück zu geben. Denn die Lage der Angeklagten vor Gericht scheint angesichts des recht parteiischen Richters aussichtlos, es gibt Grund zur Sorge, und die Figuren müssen fürchten, tief zu fallen – anders als das Publikum, das weich gebettet in der Hand eines mutlosen Regisseurs liegt. Die Oscars lieben Filme wie „The Trial of the Chicago 7“, denn sie sind wie der Film selbst: Vorhersehbar, bequem und allergisch gegen cineastische Rebellion.

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