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Pollo der Woche

La xenofobia nel cuore?

Alessandro Urzì und Maurizio Vezzali versuchen wortgewaltig, eine indiskutable Aktion einer Parteikameradin zu verteidigen. Es ist ein irritierendes Schauspiel.
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„È successo, ci si è scusati, caso chiuso“, ist Alessandro Urzís recht einfache Erklärung. Für den Chef der Partei „L´ Alto Adige nel cuore“ hat die Bozner Stadtviertelrätin Barbara Pegoraro eine „leggerezza“, eine Leichtfertigkeit, begangen.
Es kommt einem unwillkürlich die unerträgliche Leichtigkeit des Schweins in den Sinn, die bei allzu großer Hitze bei manchem durchzubrechen scheint.
Nur so lässt sich eine Aktion der Bozner Stadtviertelrätin der Urzì-Partei erklären. Aber auch das Verhalten zweier gestandener Politiker: Alessandro Urzì und Maurizio Vezzali. Dass der amtierende Landtagsabgeordnete und der ehemalige Landtagspräsident die Amtsverteidigung einer Parteikameradin übernehmen, dürfte zum Korpsgeist gehören. Wie sie es aber tun, ist gelinde gesagt zum Grausen.
Nachdem Salto.bz eine unglaubliche Aktion öffentlich gemacht hat, versuchen Alessandro Urzì und Maurizio Vezzali den Spieß umzudrehen. Sie machen die Täter zu Opfern.
In mehreren Posts auf Facebook beschuldigen sie Salto offen der „Lynchjustiz“.„Si accusa di linciaggio ....linciando“, kommentiert Maurizio Vezzali die Berichterstattung. Alessandro Urzì kann für die „Leichtfertigkeit“ seiner Stadtviertelrätin väterliches Mitgefühl aufbringen, nicht aber für das, was diese Onlineportal verbrochen haben soll. Urzì schreibt: „ Tranne per il linciaggio mediatico. E qui non c'è leggerezza, c'è consapevolezza di voler far male.“

 

Es kommt einem unwillkürlich die unerträgliche Leichtigkeit des Schweins in den Sinn, die bei allzu großer Hitze, bei manchen durchzubrechen scheint.
 
Um diese Anschuldigungen zu verstehen, bedarf es eines kurzen Resümees.
Domenico Nunzianta, ein junger, engagierter Bozner Maturant, der derzeit als Praktikant in der Salto-Redaktion arbeitet, zeichnete diese Woche in einem Artikel mit dem Titel „Linciaggio di destra a Bolzano“ eine fast unglaubliche Geschichte nach.
Barbara Pegoraro, die für „L´ Alto Adige nel cuore“ im Stadtviertelrat Bozen Zentrum sitzt, veröffentlicht am 30. Juli in ihrem Facebook-Profil folgenden Post.
 
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Der Zufall will es, dass der junge Mann auf dem Foto kein mittelloser Flüchtling ist, sondern ein Migrant, der seit über zehn Jahren in Südtirol lebt und sich als "Putzmann" und Helfer für einige Lokale in der Bozner Innenstadt seinen Lebensunterhalt verdient. Der auf dem Foto dargestellte Bier-Einkauf dürfte dann auch für einen seiner Arbeitgeber erfolgt sein.
Nachdem ein Kommentator die Urzì-Anhängerin Pegoraro auf mögliche rechtliche Konsequenzen hinweist, löscht sie den Facebook-Eintrag wieder und spricht selbst halbherzig von einer "leggerezza".
Damit ist es getan, wie Alessandro Urzì meint. Es war ja nur ein lässlicher Ausrutscher.
Basta, Schluss also? 
 
Keineswegs.
Denn hinter dieser Aktion steht nicht ein unüberlegter Satz oder ein zu schnell hingeworfenes Urteil. Nein, dieses Vorgehen ist Fremdenfeindlichkeit in Reinkultur. Rassismus pur.
Ausgangspunkt ist das Foto. Man muss sich vorstellen:Da geht jemand an einem Sonntagmorgen einkaufen und sieht dabei einen Farbigen mit einem Einkaufswagen voller Bier. Allein der Anblick suggeriert eine Straftat, die natürlich sofort dokumentiert werden muss. Man hält die Szene und den mutmaßlichen Delinquenten umgehend fotografisch fest.
Hätte ein schmerbäuchiger Südtiroler oder waschechter Schanghaiolo (ich entschuldige mich bei den Bewohnern von Neugries) die Heineken-Kiste gekauft, wäre das nicht aufgefallen.
Aber ein Farbiger, ein mutmaßlicher Flüchtling? Nein, die dürfen kein Bier trinken. Die sollen Wasser saufen. Wenn überhaupt.
Allein dass jemand dieses Foto heimlich aufnimmt, zeigt wie alltäglich Fremdenfeindlichkeit in diesem Land inzwischen ist. Dass jemand diese Aufnahme dann auch noch ungeniert auf Facebook veröffentlicht, mit der Frage, „woher die das Geld nehmen“, ist politische Propaganda in bester "Stürmer"-Manier.
 
Südtirol hat längst eine bessere Stasi als sie die DDR jemals gehabt hat. Hunderte Bürgerinnen und Bürger sind stolz darauf freiwillige IM´s zu sein und nehmen mit ihrem Handy fleißig andere Menschen auf.
 
Früher wurden Menschen an den Pranger gestellt. Heute macht man es elektronisch mit dem Handy. Südtirol hat längst eine bessere Stasi, als sie die DDR jemals gehabt hat. Hunderte Bürgerinnen und Bürger sind stolz darauf, freiwillige IMs zu sein und nehmen mit ihrem Handy fleißig andere Menschen auf, um die Filme dann auf Facebook zu stellen oder gewissen Medien zuzuspielen.
Das reicht vom SMS-schreibenden Busfahrer über Falschparker bis hin zu dem Einkaufwagen voller Bier. Es lebe das Denunziantentum der feigen Sitten- und rechten Moralwächter. Man redet nicht, sondern filmt und fotografiert.
Mir jedenfalls graut es vor einem Land, in dem Menschen andere heimlich beim Einkaufen fotografieren und dann die Aufnahmen auch noch als Beweis für ihre menschenfeindlichen Überzeugungen im Internet veröffentlichen.
Aber noch mehr graut es mir vor Politkern, die das Tun dieser rassistischen Voyeure einfach als „leggerezza“ abtun.
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Kommentare

Bild des Benutzers Hartmuth Staffler

Ich bin hier erst vor kurzem scharf kritisiert worden, weil ich zwischen Migranten und Flüchtlingen unterschieden habe. Anscheinend darf man das doch, zumindest wenn man Christoph Franceschini heißt. Im Übrigen bin ich mit allen Biertrinkern, ob schmerbäuchig oder "farbig", wie Franceschini zu sagen beliebt, solidarisch, allerdings verabscheue ich Heineken fast noch mehr als Forst.

+1-12
Bild des Benutzers kurt duschek

....ich bevorzuge Bitburger!

Bild des Benutzers Stefan Wedra

Abends Bit,
morgens fit!

Bild des Benutzers tebarmat tebarmat

Certo è sbagliato classificarla come leggerezza, purtroppo però è un dato di fatto che a Bolzano e soprattutto in certi quartieri la gente è stufa di vivere in mezzo al degrado e vedere che molti, siano essi migranti o meno sfruttano l'assistenzialismo provinciale/statale.
Per questo poi nascono queste "leggerezze".
È troppo semplice pontificare dalle colline di San Paolo.
Quando a Bolzano, nel quartiere Shangai e in pochi altri limitrofi, viene concentrata la popolazione che avrebbe diritto ai numerosi aiuti e contributi pubblici.
Proviamo a distribuire in ogni comune del Sudtirolo le quote di migranti e o aventi diritto a molteplici ammortizzatori sociali, vediamo poi come reagiscono la popolazione e i polituci locali.
Certe cose bisogna viverle, Bolzano è da anni che chiede di essere vista e ascoltata, ma niente.

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