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Pestizide

Was dann, Herr Pappalardo?

Mals und die Pestizide: Ein Thema, das Südtirol nicht loslässt – ob in renommierten ausländischen Medien oder bei den Toblacher Gesprächen.
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Die Zeiten, in denen sich konventionelle Obstbauern und Pestizid-Gegner in den heimischen Medien verbale Schlachten liefern, mögen vorbei sein. Doch das Pestizid-Thema ist damit noch lange nicht vom Tisch. Das zeigte sich erst Ende vergangener Woche im renommierten Blatt Neue Zürcher Zeitung (NZZ). „Ein Dorf kämpft gegen die Agrochemie“, war dort ein umfangreicher Artikel aus Mals übertitelt, mit dem weder die heimische Obstwirtschaft noch die Südtirol Marketing Gesellschaft große Freude haben dürften. Denn es bleibt nicht viel übrig von Südtirols Qualitätsprodukten, wenn wie hier erst einmal alle bekannten Namen aus dem Lager der Pestizidgegner ihre Bedenken geäußert haben. Und erst recht nicht, wenn die NZZ selbst dann auch noch am Ende des Artikels darüber informiert, dass „die Region Trient-Südtirol beim Chemieeinsatz in der Landwirtschaft, gemessen in Kilogramm pro Hektar, von allen Regionen Italiens an der Spitze liegt“. Umso besser steigen die Malser selbst aus:

„Die «pestizidfreie Gemeinde» ist vermutlich eine Premiere in Europa, wenn nicht sogar weltweit, und sie findet Beachtung. Journalisten aus dem übrigen Italien und aus dem Ausland reisen an, Vogelschützer aus halb Europa, und letztes Jahr erhielt Mals den Europäischen Dorferneuerungspreis. Eine Studiengruppe einer amerikanischen Universität hat hier ein Forschungsprojekt, und ein japanisches Fernsehteam kam zum Alpabtrieb.“

Wie lange kann die Südtirol Marketing Gesellschaft angesichts solcher Berichte noch untätig bleiben? Eine Frage, die sich bei der Lektüre wohl oder übel aufdrängt. Netterweise hat sie der umtriebige Markus Lobis an diesem Wochenende bereits direkt an SMG-Geschäftsführer Marco Pappalardo gerichtet. Bei den Toblacher Gesprächen nahm der Brixner Kommunikationsexperte, Blogger und Gemeinderat die „blumigen, werbesprechigen und wortreichen Ausführung Papparardos zur Marke Südtirol“ zum Anlass zu fragen, was die SMG unternehmen wird, wenn zum ersten Mal aus einem Hotel in Schenna die Nachricht kommt, dass Gäste abgereist sind, weil rund um’s Haus Pestizide versprüht wurden. „Habe noch wörtlich drangehängt: “… außer einem Filmemacher keine Aufträge mehr zu geben, der von Pestizidtirol gesprochen hatte“, schreibt Lobis auf seinem Blog Zigorimedia.

„Pappalardos Antwort war weniger wortreich als sein schwelgerischer Vortrag. Man beobachte das und werde handeln, wenn der Apfel nicht mehr zu den zentralen Botschaftern Südtirols gezählt werden kann“, erzählt Lobis dort. Sein Tipp an die SMG: Marketing sei nicht nur Kommunikation, sondern zuallererst Produktentwicklung. „Hier hat die SMG gute Möglichkeiten, segensreichen Einfluss zu nehmen. Wie cool wäre es, eine Bio-Region zu kommunizieren…“. 

Statt dessen kommuniziert der demos-Gemeindepolitiker erst einmal, dass sich auch das ZDF erst am Wochenende in einer Dokumentation mit der Rolle der Neonicotinoide auseinandergesetzt hat, die in vielen Pestiziden eine prominente Rolle spielen. „Das Gift tötet nicht nur Schädlinge, sondern bedroht in Kleinstmengen auch Menschen“, schreibt das ZDF im Einleitungstext zur Doku. Nein, Mals lässt Südtirol nicht so schnell los.

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Kommentare

Bild des Benutzers Heinrich Tischler
Die Dokumentation im ZDF solltet ihr alle anschauen, diese halbe Stunde ist es wert! Eigentlich erschreckend, was da berichtet wird, kaum zu glauben. Es ist wirklich an der Zeit, sensibler auf dieses Thema zu reagieren, wie der Arzt aus St. Pölten sagt: wir scheinen nichts gelernt zu haben aus den Vorgängen der Vergangenheit, Beispiel DDT.
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