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Ein Bio(land)-Pionier von Anfang an: Franz Egger mit seiner Tochter Magdalena, die Engagement und Passion für die Biolandwirtschaft genauso lebt wie er.
Ökologie

Wie ökologisiere ich mein Hagelnetz?

Landwirtschaft, die gleichzeitig Naturschutz ist. Dafür setzen sich einige ganz besonders ein, Landwirte die neue ökologische Wege gehen, wie Franz Egger aus Salurn.
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Landwirtschaft die gleichzeitig Naturschutz ist, dafür setzt sich Bioland ein. Biodiversität, Artenschutz und ökologische Vielfalt sind der Rahmen, in dem unsere Bäuerinnen und Bauern arbeiten. Derzeit laufen einige Projekte, um das Thema Ökologie in der Landwirtschaft noch einmal stärker bei den Produzierenden, aber auch in der Öffentlichkeit allgemein, zu verankern. Hier in Südtirol startete die Initiative "Erhebung der ökologischen Maßnahmen im Obstbau" für 350 Obstbauern im vorigen Jahr, mit der eine ökologische Aufwertung der Obstwiesen geschehen soll; landschaftliche Vielfalt, Nistmöglichkeiten, Hecken und Gehölze, Einsaaten und Blühstreifen oder der Einsatz von Nützlingen, all diese Kriterien werden gezählt, somit die Basis für eine Kriteriengewichtung geschaffen. Außerdem hat der große Biolandverband in Deutschland das Thema "Artenschutz" als erneutes starkes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Anbauweisen ausgerufen.

Wir stellen hier in einer Reihe jene LandwirtInnen mit ihren Betrieben und Höfen vor, die besonders vielfältig und biodivers innovativ arbeiten.

Franz Egger und Magdalena Egger, Salurn, Floribunda

Neben der Produktion von Tafeläpfeln haben sich Franz Egger und seine Tochter Magdalena auf die Herstellung von Holunderblüten-, Ingwer-, Quitten- und reinem Apfelcider spezialisiert. Die robusten bzw. schorfresistenten Sorten Topaz, Gold Rush und Pilot bilden heute den gut zweieinhalb Hektar großen Betrieb, wo ehemals auch die alten Hochstämme der Gravensteiner standen. Schon gegen Ende der 1980er Jahre machten die Eggers erste Versuche, den feinwürzigen Duft und die Frische dieser Gravensteiner als Apfelwein in die Flasche zu bringen. Die Bearbeitung nach Bioland-Richtlinien begann Franz Egger 1994 nach der schrittweisen Übernahme des elterlichen (konventionellen) Betriebs, welcher nach einer Flächenzusammenlegung von zwei Wassergräben und Hecken begrenzt wird. Seit jeher achtet Franz Egger auf Naturschutz und Förderung der Artenvielfalt, weshalb das nahegelegene Biotop "Adlermösel" ein willkommener Nachbar ist. "Durch meine Arbeit mit Bauern in Ecuador und auf den Kap Verden ist mir die Wichtigkeit unabhängigen und selbstbestimmten Handelns in der kleinstrukturierten Landwirtschaft bewusst geworden: Mehr Biodiversität und weniger Pflanzenschutz (und wenn, dann in der Natur vorkommende Wirkstoffe), mehr Einblick und Mitsprache bei der Vermarktung der eigenen Produkte. Gemeinsam mit anderen Querschädeln die Landwirtschaft der Zukunft gestalten." Erkenntnisse und Haltungen wie diese gibt Franz Egger auch seit Jahrzehnten an seine Schülerinnen und Schüler der Landwirtschaftsoberschule in Auer weiter.

Welche ökologischen Maßnahmen?

Durch ökologische Maßnahmen wie Einsaaten, Reduzierung der Mahd und der Spritzungen - also weniger Durchfahrten und so weniger Bodenverdichtung -, bunte Artenmischung in den Hecken, Steinhäufen, Nistkästen, Wildkatzen, Verzicht auf Oberkronenbewässerung, Einsatz von Tropfbewässerung und Förderung tiefwurzelnder Begleitpflanzen, entsteht am Betrieb eine „neue“ Flora und Fauna fast von alleine. 

Durch meine Arbeit mit Bauern in Ecuador und auf den Kap Verden ist mir die Wichtigkeit unabhängigen und selbstbestimmten Handelns in der kleinstrukturierten Landwirtschaft bewusst geworden.

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Die robusten bzw. schorfresistenten Sorten Topaz, Gold Rush und Pilot bilden heute den gut zweieinhalb Hektar großen Betrieb.

 

Nicht nur durch die Vielfalt an Insekten und weiteren Nützlingen erhalte die Arbeit mehr Sinn, auch am so entstandenen Produkt haben Vater und Tochter große Freude; schließlich ist die Erzeugung verschiedener Apfelcider auch ein Beitrag zu mehr Vielfalt und zu weniger Abhängigkeit von einem einzigen Produkt. Überhaupt sieht Franz Egger den biologischen Anbau als Schritt  zu einem selbstbestimmteren Arbeiten und Leben. Möglichkeiten zur weiteren ökologischen Entwicklung auf den Flächen und am Hof sind vorhanden, so möchte er eine Kelterei samt Fassadenbegrünung errichten, mehr Solitärbäume pflanzen, sowie die Arbeit durch verfeinerte Technik, z.B. alternierendes einseitiges Bürsten entlang der Baumreihen, erleichtern. 
Mut und Geduld seien gute Eigenschaften eines jeden Biobauern, so Franz Egger. Eine große Frage stellt er in den Raum: „Wie ökologisiere ich meine Apfelanlage unter dem Hagelnetz?“ Eine von vielen Anregungen, um Landwirtschaft im Sinne von Naturschutz weiterzudenken.

 

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Kommentare

Bild des Benutzers Günther Mayr

ja wie wird nun das hagelnetz "ökologisiert"?

Bild des Benutzers Bioland Südtirol

Lieber Herr Mayr,
das Hagelnetz an und für sich ist weder ökologisch noch ästhetisch, dafür aber existenzrettend für die Obstproduzenten. Franz Egger und andere machen sich laufend Gedanken darüber, wie man trotz Netz Artenvielfalt erhalten und auch fördern kann, beispielweise durch den Anbau von Begleitpflanzen (blühende Arten, Getreide, etc.) in den Fahrgassen und am Wiesenrand, sodass auch Insekten und andere Nutztiere davon profitieren; oder durch Einhaltung von Öffnungs -und Schließungszeiten des Hagelnetzes, auch durch die Anbringung in einer gewissen Höhe und den Verzicht auf die Vorhänge, also die Seitenwände, um größeren Vögeln den Durchflug zu ermöglichen. All diese Ausgleichsmaßnahmen sollen dafür sorgen, dass die Eingriffe in den Naturhaushalt trotz Hagelnetz auf das Mindestmaß begrenzt bleiben.

Bild des Benutzers Günther Mayr

Nun gut, der Titel ist irreführend.

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