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salto community

Das Wohnzimmer und der Hafen

Zuletzt haben sich auf salto Diskussionen entfacht, die durch Emotionalität, Polemik und leider auch durch persönlich untergriffige Kommentare gekennzeichnet sind.
Kolumne von
Bild des Benutzers Editorial Salto
Editorial Salto06.10.2014
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Es ist nicht das erste und wohl auch nicht das letzte Mal, dass so etwas vorkommt. Obwohl auf salto eine zwar kleine, aber sehr feine Community aktiv ist, die sich in Stil und Inhalten sehr vom Durchschnitt abhebt, den wir im Internet sonst beobachten können, ist auch auf unserer Plattform der Umgang mit bestimmten Reizthemen schwierig. Mit wachsendem Erfolg und somit steigender Zahl an LeserInnen wird voraussichtlich auch die Zahl der emotional geführten Diskussionen zunehmen.

Leider wird die Diskussion, wie so oft welche im öffentliche Raum, von einigen wenigen stark geprägt und negativ besetzt, die lauter und schriller schreien als alle anderen. Diese Tatsache ärgert zu Recht alle diejenigen, die mit einer leisen Stimme sprechen und die Kraft der Argumente gelten lassen wollen, nicht die Lautstärke mit der sie vorgebracht werden. Einigen wurde bzw. wird der öffentliche Raum, den salto zur Verfügung stellt, durch das Verhalten der krakeelenden Minderheit bereits komplett vergrault.

Vor diesem Hintergrund mehren sich die Stimmen, die von uns stärkere Eingriffe in die Diskussionen und eine striktere Regelung der Community fordern. Auch die Frage der Anonymität und des Umgangs mit Inhalten, die von anonymen UserInnen gepostet werden, steht immer wieder im Raum. Wir möchten dazu ein paar Dinge festhalten.

Jeder Ruf nach mehr Moderation bzw. Intervention beinhaltet letztlich immer auch, seine eigene Verantwortung an eine übergeordnete Instanz abzugeben. Wir übernehmen sie, um Entgleisungen abzuwenden. Umgekehrt aber geben wir jedeR UserIn den Spielraum, sich gleichermaßen gestaltend als auch verantwortungsvoll in die Diskussion einzubringen. Ihr kennt alle den Moment, in dem man mit sich hadert zu entscheiden, wieviel Provokation im eigenen Kommentar Platz haben darf. Wir erwarten uns auch von Euch, Achtsamkeit für nachhaltige Diskussionen auf salto. Denn selbst mit der intensivsten Moderation können Gräben zwischen Positionen nicht geschlossen werden. Überbrückt können unterschiedliche Meinungen aber werden, in dem jeder von uns respektvoll bleibt. Respekt der Sache gegenüber, Respekt auch den Anderen und deren Positionen gegenüber. Dazu zählt, Provokationen auch in eigenen Kommentaren zu erkennen und zu dosieren.

Auch das Thema Anonymität hat seine Tücken: Es gibt viele Gründe, weshalb UserInnen anonym bleiben wollen. Nicht alle davon sind schlecht (denken wir doch an die Situation, wo eine Person berufliche Probleme bekommt, wenn sie ihre Meinung offen preis gibt) und wir haben uns entschieden, Anonymität zu zulassen. Darüber hinaus ist es auch extrem schwierig bzw. sehr aufwändig, im Netz die Grenze zwischen Anonymität und Identität zu ziehen.

Wir haben uns bisher stark an unserer Netiquette orientiert und möchten sie auch in Zukunft als Richtschnur dafür verwenden, welche Inhalte auf salto nicht akzeptiert werden. Aber es ist klar, dass die Netiquette oft nur Orientierung geben kann. Neben Fällen, in denen ganz klar Grenzen überschritten wurden, bewegen sich zahlreiche Inhalte in einem Grenz- oder Graubereich. Sie sind nicht leicht zu handhaben und öffnen einen Spielraum, in dem es gilt pro und contra abzuwägen. Wir sind hier sicher nicht an der Weisheit letztem Schluss angelangt und werden uns weiter mit der Thematik auseinander setzen, um klarere interne Richtlinien und eine schnellere und effizientere Handhabe von problematischen Inhalten zu gewährleisten. Wir wissen, dass diese problematischen Beiträge und Verhaltensweisen letztendlich auf eine sehr kleine Gruppe von Userinnen zurück zu führen sind. Unsere Botschaft an sie: Wir sind uns dessen bewusst, dass „uneingeschränkte Toleranz mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz führt“ (K. Popper). Chi ha orecchi per intendere…

Gleichzeitig sollten wir, d.h. alle TeilnehmerInnen auf salto, einen weiteren Punkt nicht vergessen: salto kann nicht (nur) das gemütliche Wohnzimmer sein, in dem wir uns wie zu Hause fühlen, Freunde und Bekannte treffen und mit ihnen über die uns wichtigen Themen diskutieren. salto ist manchmal auch ein Hafen, in dem es feucht und windig ist, und wo sich viele Unbekannte einfinden, die Dinge sagen und sie auf eine Art und Weise sagen, die uns gar nicht passt.

Die Vision, aus der heraus salto geboren wurde, ist eine, in der im öffentlichen Raum (auch) die Begegnung mit Andersdenkenden stattfindet. Wo im öffentlichen Raum gegensätzliche Weltanschauungen aufeinander prallen. Und wo die Stärke der Gesellschaft, die sich dort trifft, auch daran gemessen werden kann, wie viel Meinungsfreiheit und Anderssein sie verkraftet.

Wir laden deshalb alle ein, durch ihr Verhalten und ihr Engagement zur Stärke unserer Community beizutragen. Auch indem wir vorzeigen, dass gute Argumente und das Rückführen auf die sachliche Ebene das beste Instrument darstellen, um Engstirnigkeit und Provokation zu entwaffnen.

 

In diesem Sinne gilt unser Dank an Euch alle für mehr Umsicht und Achtsamkeit.

Gruß

Demos2.0

 

 


 

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Kommentare

Bild des Benutzers andrew_catalano@alice.it
andrew_catalano@alice.it 06.10.2014, 21:46
"„uneingeschränkte Toleranz mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz führt“"---> lo dico sempre anche io. Questa moderna ideologia della "Tolleranza indiscriminata" é veramente folle.
Bild des Benutzers Jutta Kußtatscher
Jutta Kußtatscher 07.10.2014, 09:44
@Andrea Catalano. Sie legen einen Finger auf eine große Wunde. Wo hört die Toleranz auf, wo beginnt sie und wie weit reicht ihr Horizont? Es wäre eine schöne Diskussion dazu zu führen. Dafür bräuchte es auf einem Portal wie salto einen Grundkonsens, der einen Namen hat: konstruktiv zu sein. Sie verletzen in der Praxis diesen, offensichtlich. Doch Sie haben damit auch was erreicht: Sie haben die Grenze unserer Toleranz erreicht. Wir haben gestern Ihren Blog-Beitrag gelöscht, wir bitten Sie heute, salto als User zu verlassen, und werden Ihren Account sperren. Mit Bitte um Verständnis an die salto-Community Gruß Jutta Kußtatscher
Bild des Benutzers tante fanny
tante fanny 06.10.2014, 22:03
Ihr habt voellig recht, liebe salto-menschen. Niemand will menschenverachtende rassistische inhalte lesen aber wo ist die grenze fuer den einsatz des unschoenen mittels der zensur? Eine schwierige gratwanderung....es lebe die salto- community!
Bild des Benutzers andrew_catalano@alice.it
andrew_catalano@alice.it 06.10.2014, 23:49
Ad ogni modo la ingiustificata rimozione del mio articolo lo rende ancora piú di successo: http://www.salto.bz/en/comment/16714 ;-D
Bild des Benutzers Oskar Egger
Oskar Egger 07.10.2014, 06:58
Der Vergleich mit dem windigen Hafen ist gut, davon kann man zu neuen Gefilden aufbrechen. Alles Gute!
Bild des Benutzers Oskar Egger
Oskar Egger 07.10.2014, 07:10
Mir gefällt auch besonders das Zitat von Sir Popper, denn genau darin liegt ein Problem in der Demokratie: die falsch verstandene Tolleranz, die eigentlich gar nichts mit gegenseitiger Wertschätzung zu tun hat.
Bild des Benutzers Oliver H. (gesperrt)
Oliver H. (gesperrt) 07.10.2014, 08:52
Rufe nach Zensur sind ein Armutszeugnis. Trolle gab es immer und es wird sie immer geben. Argumente sprechen für sich und rhetoische Handgriffe kann man als solche offenlegen. Beleidigungen entlarven den Beleidigenden als Mensche ohne Manieren und Feingefühl. Wer mich beleidigt, schadet sich eigentlich nur selbst. Zensur ist keine Lösung, denn je mehr Spielraum ein Zensor hat, desto eher "züchtet" man sich als Betreiber ein spezielles Klientel. Ein Artikel, der nur "Herzlan" und zustimmende Kommentare erhält, trägt kaum zur intellektuellen Weiterbildung der Leser bei. Die Betreiber müssen sich also auch der Frage stellen, welches Klientel sie bedienen wollen und welches Ziel sie verfolgen.
Bild des Benutzers Klaus Griesser
Klaus Griesser 07.10.2014, 11:51
Endlich haben Sie eine Entscheidung gegen "Andrea Catalano" getroffen! Gegen einen unmöglichen Diskussionsstil hilft sonst kein Kraut.
Bild des Benutzers Sebastian Felderer
Sebastian Felderer 07.10.2014, 21:42
Geschätztes salto-Team! Ich habe heute meine 75. Beitrag abgeliefert. Die ersten 49 davon mit großer Begeisterung. Dann kam die Verbitterung, dann die Säuberung, dann die Versöhnung und dann folgten die restlichen 26 Beiträge. Ich hätte dies nicht erwähnt, stünde nicht genau heute wieder die Diskussion um Toleranz im Raum. Wohnzimmer oder Hafen, das ist nicht entscheidend. Klare Verhältnisse und mutige Entscheidungen sind gefragt, wenn salto ein Niveau haben soll, das sich vom Rest der Plattformen unterscheidet. Ihr habt es nun gezeigt, dass ihr dazu fähig seid. Bei meiner letzten Kritik "Aber nicht mit mir ..." habe ich neun Negativbewertungen einstecken müssen. Ich bin überzeugt, dass es heute weniger sein werden. Dies wäre schon ein Fortschritt.
Bild des Benutzers Editorial Salto
Editorial Salto 07.10.2014, 22:32
Danke für das Feedback, Sebastian. Es ist in der Tat nicht immer leicht, diese Entscheidungen zu treffen. Das hat nicht nur mit Mut zu tun, sondern auch mit den unterschiedlichen Zieldimensionen, die wir vor Augen haben (müssen). Wohnzimmer und Hafen sind auch Bilder dafür, dass wir es sicher nie allen gleichzeitig recht machen werden können. Aber wir bleiben dran, so wie hoffentlich du auch - für deine nächsten 75 Beiträge. Grüße
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