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Berglandwirtschaft

Milch-Strategie gesucht

In den vergangenen Tagen hat die 300-Euro-Prämie für Milchbauern für erhebliche Aufregung gesorgt. Salto.bz hat bei Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler nachgefragt.
Von
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Astrid Tötsch07.05.2022
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„Mich hat allein schon die Heftigkeit der Diskussion überrascht“, erklärt der Landwirtschaftslandesrat. In erster Linie sei dieser Beitrag nicht als eine Unterstützungsmaßnahme aufgrund der Mehrkosten, die schließlich jeder Betrieb zu tragen hat, zu sehen, sondern es geht um den Erhalt der Viehwirtschaft bzw. der Milchwirtschaft, wie Schuler betont. Die hohen Produktionskosten, der niedrige Milchpreis sowie die stark gestiegenen Futtermittel- und Energiekosten aufgrund der Ukrainekrise haben die Milchwirtschaft in zusätzliche Schwierigkeiten gebracht und erhöhen den ohnehin schon hohen Druck nun weiter. Die Höhe des Beitrages fußt dabei auf einer Berechnung des BRING (Beratungsring Berglandwirtschaft) zu den gestiegenen Futtermittelkosten. Auf Basis dieser Berechnung wurde der Betrag auf 300 Euro pro Milchkuh festgelegt, womit der Großteil der Preissteigerung abgedeckt werden kann.

 

Arnold Schuler
Arnold Schuler: „Mich hat allein schon die Heftigkeit der Diskussion überrascht.“ (Foto: Asp)

 

Aufgrund der derzeitigen Stimmung war zu befürchten, dass Betriebe in großer Zahl aufgegeben werden, „mit Folgen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte“. Im übergeordneten Interesse hat Finanzlandesrat Arno Kompatscher gemeinsam mit Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler deshalb diese Finanzhilfen zugesagt. „Hier handelt es sich auch nicht um laufende Unterstützungmaßnahmen, sondern um eine einmalige Beihilfe, mit der die größten Engpässe abgefedert werden können“, erklärt der Landwirtschaftslandesrat, der betont, dass man sich hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit dieser Betriebe Gedanken wird machen müssen. Dies betrifft vor allem das Einkommen aus der Produktion, das angehoben werden muss. „Nur mit Beiträgen, so notwendig sie auch sein mögen, werden wir die Vieh- und Milchwirtschaft nicht halten bzw. auch schwer rechtfertigen können“, erklärte dazu Schuler. Grundvoraussetzung für das Überleben eines Betriebes sei eine bestimmtes Einkommen aus der landwirtschaftlichen Tätigkeit.

 

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Arnold Schuler: „Der Auftrag an die Sennereien lautet, eine Milch-Strategie für die nächsten Jahre auszuarbeiten.“ (Foto: Suedtirol Foto/Helmuth Rier)

 

Bezüglich langfristige Strategien erklärte Landesrat Schuler, dass wohl ein Bündel an Maßnahmen notwendig sein wird. Bei einem kürzlich stattgefundenen Treffen der Milchhöfe wurde nicht nur das Thema Kostenreduzierung angesprochen, sondern auch eine verstärkte Zusammenarbeit. „Der Auftrag an die Sennereien lautet, eine Milch-Strategie für die nächsten Jahre auszuarbeiten“, so Schuler. Weiters werde man sich sicher Strategien überlegen müssen, wie man für Milch bzw. die daraus hergestellten Produkte einen höheren Preis erzielen kann. In den vergangenen Jahren blieb die Entwicklung des Milchpreises hinter den Kosten zurück, was in der Milchwirtschaft zu einer kritischen Situation geführt hat. „Die Preise für die Milch sind im Grunde genommen viel zu niedrig“, betont Landesrat Schuler. Aber auch wenn der Milchpreis steigen sollte, wäre eine Weiterführung eines berglandwirtschaftlichen Betriebes immer noch schwierig genug. Einen bestimmten Beitrag wird es deshalb immer gegeben müssen, ist Schuler überzeugt. „Es gehöre aber auch zum Stolz eines jeden Bauern und einer jeden Bäuerin, für das Lebensmittel, das sie produzieren,  ein gutes Entgelt zu erhalten. Ansonsten wird auch die Arbeit und die Freude in der Landwirtschaft infrage gestellt“, betont der Landwirtschaftslandesrat. Zumindest ein „fairer“ Preis sollte gewährleistet werden, damit sich die Milchwirtschaft in Südtirol insgesamt rentiert.

 

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Kommentare

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Klemens Riegler 07.05.2022, 19:59

Ein Bauer betreibt bekanntlich Land-Wirtschaft. Jeder andere Wirtschaftler muss schauen ertragreich oder gewinnbringend zu arbeiten. Wenn das mit Kuh-Milch nicht möglich ist, dann müssen andere Standbeine gesucht werden. Wer weiterhin auf "Kuhmilch" setzt, wird es auch mit 300 + 300 + 300 € nicht schaffen. Kuhmilch und alle Kuhmilch-Produkte (außer der Jogurt) haben keine Zukunft. Es gibt einfach zu viel von dem Zeug, das niemand braucht und keinen Zweck und Sinn hat. (CO2-Bilanz auch eher problematisch) Das weiß man doch schon lange.
Darum ist der Hinweis: "...Strategien überlegen müssen, wie man für Milch bzw. die daraus hergestellten Produkte einen höheren Preis erzielen kann" unsinnig.
P.s.; einen höheren Preis gibt es erst wenn (nicht nur in Südtirol), 30% bis 40% weniger Kuhmilch produziert wird und stattdessen für viel gesündere Milch wie jene von Ziegen, Schafen ... warum nicht Esel ... usw. geworben wird (IDM ... Südtirol Marketing). Oder eben auf andere, viel nachhaltiger, landwirtschaftliche Produkte. Palette ist groß bis riesig!

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Anna Planke 07.05.2022, 20:54

Wirtschafter... Kaufen und wälzen Kosten ab, erhöhen Preise.
Wirtschafter...würden nie unter solchen Bedingungen arbeiten, nicht mähen, nicht säen, nicht pflegen, nicht hegen. Nicht das Land ihrer Väter, nicht den Boden ihrer Vorfahren.
Bauer sein ist nicht (nur) Wirtschaft.
Ein Traum, von der Landwirtschaft leben zu können, den die globale Wirtschaft (!!) zerstört. Weil Werte fehlen. Weil alles billig sein muß.
Kleine Kreise, 0km, heimische Produkte, in Schulen, Altersheim und Krankenhausern... Fangt doch damit an.

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Dietmar Nußbaumer 07.05.2022, 21:06

Dass Milch nicht unbedingt zur Ernährung eines Erwachsenen gehört dürfte inzwischen bekannt sein. Rahm und Butter hingegen haben ihren Platz in der Ernährung, genauso wie Joghurt und Käse. Wenn man sieht, wie die Franzosen stolz sind auf ihrem Camembert, Brie und Roquefort, so ist das m.E. einfach nur nachahmenswert. Ziegenmilch könnte sicher auch eine interessante Nische sein. Jeder kann aber durch sein Kaufverhalten die heimischen Produzenten unterstützen. Auf der anderen Seite hat es wahrscheinlich wenig Sinn, mehr Milch zu produzieren als jene Menge, die zu entsprechenden Preisen absetzbar ist. Sicher ist auch über Alternativen zur Milchwirtschaft nachzudenken, so leicht wie das klingt ist eine solche Umstellung aber wahrscheinlich nicht umsetzbar.

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Sepp Bacher 08.05.2022, 10:52

Bezüglich Ziegenmilch: in manchen Tälern, speziell im Passeiertal, werden viele Berg-Ziegen gehalten, aber großteils nicht gemolken. Und das obwohl die Mila die Ziegenmilch getrennt einsammelt. Man verdient an den Osterkitzen und erhält wahrscheinlich grozügig Landesprämien? Das Melken sei zu aufwendig und könne bei der zu kleinen Herde der einzelnen Züchter nicht maschinell erfolgen. M. E. geht es den Züchtern zu gut, dass sie sich diesen Luxus leisten können, auf die Ziegenmilch in den Frühlings und Sommermonaten zu verzeichten.

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josef burgmann 10.05.2022, 09:48

Kompliment Frau Planke, es ist genauso, wie Sie es kommentieren.
Wie kann man wirtschaften, wenn die Abnehmer die Preise diktieren. Bauer sein, bedeutet Leidenschaft, Herzblut mit viel Liebe und Respekt für Tiere und Pflanzen.
Möchte denjenigen Wirtschaftsexperten kennenlernen, der, ausgehend von einer Minusbilanz, sich in ein weiteres wirtschaftliches Abenteuer stürzt.
Und trotzdem machen viele Bergbauer diesen ultimativen Schritt, um den Fortbestand des Hofes in irgendeiner Weise zu gewährleisten.
Bitte, alle die ihr diesen Artikeln folgt, schaut euch um, in Europa! Besonders in den südlichen Ländern!!
In Frankreich waren innerhalb eines Jahres 167 registrierte Selbstmorde von Bauern zu beklagen ????
Ich kenne nicht die Daten, aber ich glaube, dass Südtirol einen hohen Selbstversorgungsgrad an Lebensmitteln hat.
Was erhält uns am Leben: Handy, Markenbekleidung, Autos usw.?? .....oder doch vielleicht die von der Landwirtschaft erzeugten Nahrungsmittel?

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Dietmar Nußbaumer 10.05.2022, 22:05

Diese Zahlen habe ich nicht gekannt (es ist immer bitter, wenn einem die rosa Brille abgenommen wird). Es wäre höchst an der Zeit, dass Bauern einen fairen Preis für ihre Produkte verlangen. Da wenige Großeinkäufer den Preis festsetzen, wäre da mal auf europäischer Ebene das Kartellrecht zu durchforsten.

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Josef Fulterer 11.05.2022, 06:53

Vom erlösten Geld für die Milchprodukte sollten, nicht wie bei der BERGMILCH nur um die 50 % für die Mitglieder übrig bleiben.
Die übrigen Sennereien schaffen deutlich höhere %-Sätze, beziehungsweise verbrauchen weniger Geld um die Betriebe zu führen.

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Dietmar Nußbaumer 11.05.2022, 23:30

Herr Fulterer, Sie haben wohl auch Recht. Auf der Kostenseite ist sicher noch Potenziel zum Sparen vorhanden. Diese Kolchosen müssten auf Kostenseite auch überprüft werden.

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Herta Abram 12.05.2022, 08:25

"Die Sennereien sollen eine Milchstrategie für die nächsten Jahre finden, um einen höheren Preis zu erhalten". Wie? Weiter mit Tatsachenverdrehen, sich selbst zum Opfer machen, mit Marketing und Werbung, welche sich die Wahrheit zurechtlügt, und eine Gratwanderung an der Grenze zu Betrug ist (oder schon Betrug ist)?
Verantwortung für den Wandel übernehmen ist der WEG und deswegen MUSS ein LR fordern : "LandWIRtschaft 2030", das
Strategiepapier für die Südtiroler Landwirtschaft, als Grundlage, für Lösungssuche zu nehmen! Wieso fordern Sie das nicht entschlossen, Herr LR Schuler?!
https://www.provinz.bz.it/land-forstwirtschaft/landwirtschaft/landwirtsc...

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