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FAIRweile bei Francesca Perin im Fair-Trade-Shop "Le Formiche - die Ameisen" in Leifers.
Fair Trade Leifers

Die Kommunikative

Die Entscheidung ihres Leben traf Francesca Perin im Wahllokal. Dort lernte die 54-Jährige vor 32 Jahren ihren Mann kennen.
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Der aus Riva del Garda stammende und in Leifers angesiedelte Carabiniere tat bei den Wahlen in ihrer Heimatstadt Vicenza Dienst als Wachmann. Francesca Perin war Wahlhelferin. Fünf Jahre führten die beiden eine Fernbeziehung. Francesca verabschiedete sich vom sicheren Arbeitsplatz, 1989 heirateten die beiden, 1994 und 1997 wurden ihre Söhne in Bozen geboren. Von da an widmete sie sich ganz der Familie.

2003 optierte sie wieder: Auf dem Spielplatz hatte sie sich mit Emanuela Fusaro angefreundet. Diese erzählte ihr, dass die Bozner Genossenschaft „Le Formiche – die Ameisen“ in Leifers einen Weltladen eröffne und Freiwillige suche. Seit 15 Jahren ist Francesca Perin seither jeden Donnerstagvormittag – in der Startzeit fast jeden Tag – im Weltladen der Ameisen in der Kennedystraße 110, räumt Produkte ein, kontrolliert Verfallsdaten und freut sich am Kunsthandwerk. Auch wenn sie nie bei Produzenten war, um die Menschen hinter dem Handwerk kennenzulernen, kann sie die Produkte wie kaum eine andere verkaufen. Ihre Begeisterung steckt an.

Von drei Schwestern ist Francesca Perin die mittlere. Sich respektvoll zu verhalten hat sie von klein auf gelernt. Ihr Vater arbeitete als Krankenpfleger in der Psychiatrie von Vicenza und kümmerte sich in der freien Zeit um sein Gemüse und Obst auf dem Bauernhof, ihre Mutter vor allem um die Erziehung der Kinder: „Akzeptiert die Menschen, wie sie sind“, sagte sie zu den Töchtern. „Ändern könnt ihr höchstens euch selbst.“ Die eingeforderte Empathie lebten die Eltern den Kindern vor. An einen Satz ihres Vaters erinnert sich Francesca häufig: „Verbrenn dir den kleinen Finger, aber nie die ganze Hand."

Von Auge zu Auge

Ihren beiden mittlerweile erwachsenen Söhnen hat Francesca Perin ähnliches gesagt: „Beobachtet genau und setzt kleine Schritte.“ Große würden Türen und Möglichkeiten verschließen. Im Umgang mit ihren Kindern war Francesca konsequent: Erst nach der Mittelschule bekamen sie beispielsweise ein Handy. Sie selbst besitzt seit zwei Jahren ein Smartphone. In ihren ersten 15 Lebensjahren gab es daheim in Vicenza kein Festnetz. Kommunikation von Mensch zu Mensch und verlässlicher Umgang mit Terminen sind ihr bis heute am liebsten.

Als Absolventin einer betriebswirtschaftlichen Oberschule interessiert sie sich für Zahlen und Kommastellen, bezeichnet sich als pedantisch genau. Gleichzeitig liebt sie das Chaos und die Kunst, mag Pinsel und Farben, zeichnet und malt. Ihre Gehirnhälften scheinen ausgewogen: Auf der einen Seite analytisch im Denken und sprachlich präzise, nimmt sie die Dinge wahr und ernst. Mit ihrer Intuition und Kreativität gewinnt sie die Menschen.

Das Treffen mit der Menschenrechtsaktivistin Ruth Fe Salditos von der philippinischen Frauen-Genossenschaft „PFTC“ vor zwei Jahren hat Francesca Perin geprägt. „PFTC“ wurde 1991 gegründet. Die Genossenschaft produziert Rohrzucker, Bananenchips und kandierten Ingwer für den fairen Handel in Europa, Südkorea und China. Viel Zeit hat die in Leifers Wohnhafte damals mit Salditos verbracht und Seelenverwandtschaft gefühlt. Ruth Fe Salditos führt auf den Philippinen einen harten Kampf um Frauenrechte und wirtschaftliche Teilhabe und saß dafür im Gefängnis. Ihr Vorgänger wurde auf offener Straße ermordet. Francesca Perin ist überzeugt, dass die Grundgedanken des fairen Handels wie fairer Lohn, Umweltschutz, Transparenz und Ethik sich wie Graswurzeln auf der Welt ausbreiten müssen. Nur dann habe der Frieden eine Chance.

Damals im Wahllokal entschied sich Francesca für die Liebe ihres Lebens. Heute lädt sie Konsumenten ein, sich mittels Einkaufskorb in letzter Konsequenz für das Überleben der Menschheit zu entscheiden.

(Maria Lobis)

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