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Süße Versprechungen

"Soziale Landwirtschaft"

Der Gesetzentwurf des LR Schuler bezweckt die Erschließung neuer Geldquellen für die Bauern. Warum wohl kurz vor den Wahlen?
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Rechtzeitig vor den Wahlen haben Schuler/ Kuenzer – nehme ich an!- was Schlaues herausgefunden: eine zusätzliche Einnahmequelle für „die Bauern“, mittels einer Fülle von „Tätigkeiten sozialer Landwirtschaft“ (Art. 4  des Gesetzentwurfs, vorgelegt von der Landesregierung am 9.2.18 auf Vorschlag des LR Schuler). Im Internet finden sich unter dem Stichwort „Multifunktionalität der Landwirtschaft“ jede Menge Literaturhinweise, beginnend im Weltagrarbericht. In Bayern gibt es Soziale Landwirtschaft schon lange bei privaten Vereinen und Genossenschaften, es ist allerdings im Rahmen von biologischer Landwirtschaft entstanden. Das ist bei diesem Gesetzentwurf aber untergegangen. Der Sinn scheint mir klar, die Schaffung eines weiteren, sicheren Standbeins, nämlich dem „sozialer“ Dienstleistungen mit Subventionen. 

Abgesehen vom Wahlkampfthema ist der Vorschlag sicher interessant für landwirtschaftliche Großbetriebe, die bestehende Bausubstanz an ihrer Produktionsstelle um eine „Sozialstation“ ergänzen zu dürfen, ärmeren Bauern dürfen hoffen auf einfache Weise ein paar Leute einquartieren oder etwas auskochen zu können u damit einen Zuerwerb zu bekommen, wobei sie allerdings gewisse hygienische und behindertengerechte Standards einhalten müssen. 

 

Es ist gut, wenn zuständige Stellen sich Gedanken machen um die Multifunktionalität der Landwirtschaft. Die liegt aber nicht unmittelbar im Bereich der Erschließung von Einnahmequellen, wenngleich auch der Weltagrarbericht die Erhöhung der Einnahmen für die Kleinbauern anstrebt! „Diese Multifunktionalität der Landwirtschaft wurde, so der Weltagrarbericht, von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch von Agrarunternehmen und den Landwirten selbst in den vergangenen Jahrzehnten häufig ignoriert und vernachlässigt. Allein Menge, Preis und Wirtschaftlichkeit der Produkte schienen zu zählen und waren über Jahrzehnte der alles beherrschende Gegenstand von Agrar- und Entwicklungspolitik, Forschung und Technologie. Viele der überlebenswichtigen Dienstleistungen und Güter, die die Landwirtschaft jenseits der Agrarproduktion erbringt und erhält – oder aber vernachlässigt und zerstört – sind von hohem Wert für die menschliche Gemeinschaft, vom Dorf bis zur Weltgemeinde. Weil sie aber nicht oder nur indirekt (z.B. Tourismus, Gesundheit) als Produkt gehandelt werden, bestimmt der Markt auch keinen Preis für sie.“

Durch die Industrialisierung/Monokulturbetriebe/ Reduzierung der Biodiversität wird diese positive Möglichkeit langfristig und in großem Maße verbaut! Wäre die soziale Verantwortung nicht am meisten gegeben durch die Schaffung gesunder – nicht pestizidhaltiger!- Landwirtschaftsprodukte und einer erholsamen Umwelt? Hat eine die Bodenfruchtbarkeit ruinierende und mit Jauche und Kraftfutter versetzte Umgebung eine Zukunft? Wäre es nicht nachhaltiger gewesen, statt diese goldene Ader zu verheißen in ethischer Verantwortung der Landwirtschaft gegenüber der Gesellschaft die ökologische Agrarwende einzuläuten? Warum wurde nicht schon längst ein umfassendes Gesetz für ein pestizidfreies Mals geschaffen? Sind die Einkommen der Malser Bauern nicht von Belang?

 

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