Schafherde
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Impfung

Thommy und die Herdenimmunität

Viele Hoffnungen auf ein Ende der Pandemie stützen sich auf die Herdenimmunität gegen SARS-CoV-2. Der Gesundheitslandesrat hat dabei ein klares Ziel vor Augen.
Community-Beitrag von Linda Bauer08.07.2021
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In der Ausgabe der Neuen Südtiroler Tageszeitung vom 6. Juli 2021 lobt der Gesundheitslandesrat Thomas Widmann die ersten Erfolge der Südtiroler Impfbusse. In den Ortschaften, in welchen der Nadelstich per Bus gekommen ist, konnten teilweise bis zu 10% der Dorfbevölkerung geimpft werden. Wenn man diese Impfraten landesweit erreichen würde, also zusätzlich ca. 50.000 Personen durch den Einsatz der Busse zur Impfung bewegen könnte, wäre man der Herdenimmunität ganz nah, so die Aussage von Widmann. Doch wie schaut es mit der Herdenimmunität beim SARS-CoV-2-Virus wirklich aus?

Von einer Herdenimmunität oder einem Gemeinschaftsschutz spricht man, wenn eine Gruppe von Lebewesen davor geschützt ist, dass aus der Infektion von wenigen die Ansteckung von vielen weiteren Individuen erfolgt. Sie kann erreicht werden, wenn ein ausreichend hoher Anteil einer Gruppe durch Impfung oder frühere Erkrankung immunisiert ist und somit jede Infektionskette schnell wieder abbricht. So kann sich eine Krankheit nicht ausbreiten und auch Nicht-Immunisierte sind vor der Ansteckung geschützt.

Wie hoch der Anteil der immunisierten Personen sein muss, hängt von der Krankheit ab. Beim Masernvirus braucht es z.B. eine Immunisierung von ca. 95% der Bevölkerung. Bei SARS-COV-2 gibt es bisher keine genauen Erkenntnisse zu diesem Schwellenwert. Anfänglich ging die Fachwelt von 60 bis 70% aus, mittlerweile gilt dieser Wert als überholt. Im Gegensatz zum Masernvirus mutiert das Coronavirus ständig, wodurch sich auch die Infektiosität verändert. Die derzeit sich verbreitende Delta-Variante gilt als deutlich ansteckender als die bisherigen Stämme, eine Abschätzung bezüglich Herdenimmunität wird dadurch erheblich schwieriger. Zudem bieten die derzeitigen Impfstoffe laut aktuellen Erkenntnissen keine sterile Immunität, d.h. eine geimpfte Person kann sich weiterhin mit dem Virus infizieren und dieses auch weitergeben. Das RKI fordert in seinem letzten Epidemiologischen Bulletin eine Impfquote von 85% der Bevölkerung ab einem Alter von 12 Jahren, um eine neue Welle im Herbst zu vermeiden. Andere Experten, wie die Virologin und Direktorin des Instituts für Virologie an der TU München Ulrike Protzer halten die Herdenimmunität aufgrund der ansteckenderen Varianten für fast nicht mehr erreichbar.

Tatsache ist, dass hinter der Herdenimmunität bei SARS-CoV-2 noch ein großes Fragezeichen steht. Ein ständiges Mutieren des Virus, die nicht sterile Immunität durch die Impfung und die zeitlich begrenzte Immunität machen Vorhersagen sehr schwierig. Ab welcher Durchimpfungsrate eine Herdenimmunität erreicht wird oder ob sie überhaupt möglich ist, kann derzeit offensichtlich von niemandem mit Sicherheit beantwortet werden. Wie unser Gesundheitslandesrat zu seinen Einschätzungen kommt, weiß vermutlich nur er selbst. Jedenfalls bestätigt seine Aussage die Studie der Gesellschaft Iconsulting, welche durch eine Analyse von Postings in sozialen Medien ergeben hat, dass die Politiker jene Gruppe sind, welche am stärksten zur Verbreitung von Fake News beiträgt.

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Kommentare

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Georg Lechner 08.07.2021, 17:23

Von einer Herdenimmunität ist auch Ö. noch einigermaßen weit weg, aber mit einer 7-Tage-Inzidenz unter 10 und einer zumindest teilweisen Immunisierung von mehr als der Hälfte der Bevölkerung dürfte ein erneuter Shutdown unwahrscheinlich sein. Risikofaktor Nummer eins bleibt in nächster Zeit die Rückreise von der Fußball-EM. Wenn sich da in den nächsten zwei Wochen keine größeren Cluster unter den Impfunwilligen bilden, rechne ich mit keiner kritischen Situation auf den Intensivstationen mehr.

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Manfred Klotz 31.07.2021, 08:38

Leider geht aus der Studie nicht hervor aus welcher Ecke diese Politiker kommen. Aber dazu braucht es im Prinzip auch gar keine Studie, da es ein offenes Geheimnis ist.

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