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Kommentar

Ausgeschaltete Kommentarfunktion

salto schaltet auch bei Artikel die Kommentarfunktion ab. Unter anderem bei dem Artikel "Achtung - Auch die Rechten haben Gefühle" von Maria C. Hilber. Ist das sinnvoll?
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Während der club.night werden wohl auch poetry slammer auftreten. Ich mag diese Kleinkunstart - im Gegensatz zur der kaum davon zu unterscheidenden philosophy slamm - das ich als mislungen und prätentiös halte und dazu auch noch unnötig, hat doch poetry slamm genug philosophische Anklänge ohne aber sich als Philosophie gebähren zu wollen. - Aber das wäre eigentlich ein anderes Thema.

 

Nun wird es heute abend, wie schon gesagt habe eine poetry slamm Veranstaltung geben mit einem politischen Statement. Finde ich auch legitim. Poetry slamm kann gerne auch politisch sein. Doch was ich hier erstaunlich finde ist, dass hier auf salto der Text im vorab publiziert wird, aber die Kommentarfunktion ausgeschaltet wird. Am Ende des heute zur Performation vorgesehen Textes wird eine Erklärtafel dazu eingeblendet, Ziel sei es den Text nach dem Vortrag vor Ort zu kommentieren. 

In der Erklärtafel am Ende steht unter anderem:

Dieser Artikel spiegelt die Meinung der Autorin wider und engagiert sich darum, einen offenen, gewaltfreien, ehrlichen und kultivierten gesellschaftlichen Diskurs zu fördern. Gewalt – auch verbale – ist nie eine Lösung und genau dies soll aufgezeigt werden.

Doch liegt nicht gereade hier schon der Hund begraben? Ist nicht der Text schon eine Pauschalisierung? Im Titel wird von den Gefühlen der Rechten gesprochen. Doch was die Rechten sein sollen ist am Ende blau oder braun. Ist braun und blau das Gleiche? Ist es zumindest so nahe beieinander es in einem Zug nennen zu können? Ich tue mir da schwer. Ich finde das weder ehrlich noch kultiviert, weil dies dann auch differenzierend sein soll. Doch die Frage ist, was ist ein Rechter? Wird hier unter dem Begriff Rechter nicht ein Teil zu einem ganzen gemacht? Sind nicht einige Flügel der SVP rechts? Die ÖVP, die CSU und CDU? Sollen die auch unter dem Mantel der Rechten fallen? Oder sind es gar keine Rechten, doch was sind sie dann? Hier wird pars pro toto gemacht. Schlecht mit Worten gespielt.

Die Problematik die mit dem Titel zusammenhängt, endet auch nicht damit. So wird auch von den Gefühlen der Rechten gesprochen. Wer damit glaubt dass Rechte in ihrem Menschsein anerkannt werden, wird schnell entäuscht sein. So heisst es doch gleich im ersten Absatz:

Na aufgepasst - wo genau schießt sie hin, diese Ihre Missachtung? Wen will sie vergiften? Ein Mensch? Wie Menschen sein können?
Alles was wir hassen! Und wie sich dabei die Nüstern blähen. Diese Verachtung: Bräunlich ist sie, mit blauen AderAln und riecht faul wie das abgestandene Wasser aus der Blumenvase. Braune grausliche Verachtung.

 Also Rechte haben Gefühle, doch diese sind welche die sie zu Unmenschen machen sollen. Rechte werden als Menschen reduziert die Verachten. Doch im nächsten Absatz entlarft sich die Autorin selbst:

Jemandem die Achtung absprechen. Eine wirksame Waffe, um geschwächte Gegenüber zu erzeugen und was sonst soll man auch tun, mit dem Feind, der weder bis A noch bis Z denken kann. Verachtungswürdig! Das rechte Rechte ist achtungslos zu missachten.

 

Hier passt gut der Spruch Nietzsches: "Wer zu lange gegen Drachen kämpft, wird selbst zum Drachen." Oder gar weiter gedacht: "Gegen ein Zerrbild seiner vermeintlichen Gegner kämpft wird diesem immer ähnlicher." Also werden jene die vermeintliche Missachtung gegen Menschen anprangen, selbst zu jenen die zur Missachtung auffordern und anstacheln.

Der Dialog wird abgelehnt gegen Rechten und als fauler Kompromiss dargestellt. Als ob man nicht mit rechten Reden und Diskutieren kann und falsche Positionen kritisieren kann und sie, wenn es der Fall ist, auch noch über ihre eigenen Rassismen fest macht und argumentativ sie dann über diese der Lächerlichkeit preis gibt. Das habe ich auch schon getan. Doch den Dialog abbrechen bedeutet ein Stück weit demokratische Kultur aufzugeben. Eine lebendige Demokratie ist partizipativ und deliberativ vor allem und zuallererst im Alltag der Menschen und später in den Institutionen. Den Dialog ablehnen und Argumentieren mit (hoffentlich) verbaler geballter Faust kliegt für mich im besten Fall nach stumpfen Parolen. Diesmal von links.

Ja zu spaßen ist mit niemandem, der lieber im Mob auftaucht, als sich alleine der Diskussion zu stellen. Sich trauen. Einander in die Augen sehen. Die Eier haben und das Gruppenmarketing verlassen sozusagen.

Ja Gruppenmarketing wird doch auch hier betrieben. Diese Veranstaltung wird wohl hauptsächich dem Text wohlgesinnte anlocken. Horden von Rechte wird es wahrscheinlch nicht geben. Vieleicht wird sich vereinzelt nach der Performance auch eine kritische Stimme melden. Doch was wird dann passieren? Nachdem dieser Text die Menge aufgestachelt hat, wird es kaum möglich sein sachlich und differenziert zu diskutieren. Auf so einen Text zu antworten braucht Zeit ihn zu entflechten und zu entschlüsseln. Doch das ist dort nicht möglich. Hier hat sich doch wohl auch ein potentieller Mob versammelt. Die Veranstalter haben sich durch ihren "guten Vorsatz" abgesichert, doch ob es nur Buh-Rufe geben wird oder die geballte Faust nicht auch noch non-verbal sein wird, kann am Ende keiner garantieren.

Am Ende wird sich wohl keiner Melden. Und jene die sich an diesem Abend als Horde versammelt haben, werden sich feiern und sagen, dass rechte keine Eier haben. Doch ich sage euch - mit Bezug auf dem letzten Absatz: Das faule Spiel das betreibt ihr!

 

 

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Kommentare

Bild des Benutzers Christoph Franceschini

Herr (oder Frau) Gorgias,
einer, der nicht einmal den Mut hat unter seinem richtigen Namen zu schreiben, sollte sich eine solche Predigt ersparen. Da Sie ja so besonders schlau sind, können Sie heute Abend ins Stadttheater kommen & ihren Kommentar dort live abgeben.
Aber dazu - um bei ihrer Diktion zu bleiben - haben Sie wahrscheinlich "nicht die Eier".
Es gibt hier nur einen, der ein "faules Spiel" treibt. Oder Gorgias?

Bild des Benutzers gorgias

Warum ich es nicht sinnvoll halte an dieser Verstaltung teilzunehmen, wurde doch plausibel erklärt. Was die Diktion angeht ist es nicht meine. Dieses Sprachbild wird im Vortragstext ergiebig breitgetreten.

Auch ist es als Kommentator bei dieser Veranstaltung bei so einem Setting "besonders schlau zu sein" kein Vorteil. Ich bevorzuge es wenn schon an Diskussionen teilzunehmen und nicht für einen kurzen Kommentar nachdem das Publikum durch so eine Performance aufgebauscht wurde, als Blitzableiter für deren Entladung zu dienen. Ich halte den Text als Impulsgeber für eine offene Diskussion nicht fördernd und werde mich sicher nicht den dort vorhanden Gruppendynamiken aussetzen, die von der Horde der gleichgesinnten Befürworter dieses Textes ausgehen.

Von Ihrer Antwort muss man im Grunde ausgehen, dass Sie ihn nicht wirklich verstehen wollen. IDer Kommentar dient nur zu Polemisieren.

Bild des Benutzers Oliver H.

warum so aggressiv? Die Kritik von gorgias ist durchaus berechtigt und sie ist auch in keiner Weise destruktiv. Es ist schon ein hartes Stück, wenn Stammleser wie gorgias von einem Redaktionsmitglied derartig angepöbelt werden....

+1-11
Bild des Benutzers Michi Hitthaler

Wer pöbelt, muß es auch aushalten selbst angepöbelt zu werden!

Bild des Benutzers Basso Meno

"nicht einmal den Mut hat unter seinem richtigen Namen zu schreiben"

Das Recht mit einem Pseudonym zu schreiben, räumen Sie von Salto den Usern doch ein.

Warum beschweren Sie sich dann, dass Gorgias (oder auch ich) von diesem Recht Gebrauch machen?

Bild des Benutzers Arno Dejaco

Liebe*r Herr/Frau Gorgias,
jeder Beitrag der aufbauen will ist wertvoll. Es gibt noch zwei weniger polemisierende Texte. Sie können diese auch sehr gerne heute Abend kommentieren. Live, auf einer kleinen Bühne, direkt vor Menschen.

+1-11
Bild des Benutzers Andreas gugger

Arme Kleine giorgina

Bild des Benutzers maria c. hilber

Liebe/r Frau/Herr Gorgias, ich habe Ihren Kommentar nun mehrmals gelesen und freue mich darüber, dass Sie so viele, dem Text innewohnende Überlegungen erspürt haben. Nun hatte dieser Text eine Funktion. Er wurde in einem öffentlichen Forum und Setting geteilt. Er sollte tatsächlich als Blitzableiter dienen. Entladungen zulassen und die Freiräume dahinter freizuschütten. Ein Angebot. Ein Versuch für mehr Diskurs abseits, oder zumindest in Verschränkung zwischen digitalem und analogem Raum. Einige Grundüberlegungen: Das Gefühl der Verachtung vereint uns. Vorsicht davor. Wie den Dialog suchen. Wie die geschützten Räume verlassen.

" Ich halte den Text als Impulsgeber für eine offene Diskussion nicht fördernd " - Wie wär`s, wenn Sie mir/uns denken helfen? Oder anders: Wie wär`s, wenn wir gemeinsam denken und uns überlegen, wie wir den stärker werdenden Tendenzen der Trennung, des Parolenschwingens, des "Sich-hinter-Nicknames und Avataren-versteckens" begegnen?

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