pd-bandiere.jpg
Adnkronos
Der Wandel kommt - der PD findet seine Ideale wieder
Advertisement
Advertisement
Voltiamo pagina

Er ist zurück

Man hatte nichts mehr von ihm gehört, verschwunden aus dem Alltag. Es schien, als wäre er weg, als hätte man ihn einfach vergessen. Und trotzdem fehlte er den Menschen.
Community-Beitrag von Ivan Gufler10.03.2019
Bild des Benutzers Ivan Gufler
Advertisement
Advertisement

Wer das hier liest könnte meinen, dass dieser Text irgendeinem großen Prominenten gilt, einem Künstler, einem Musiker, einem Wissenschaftler.
Die Rede ist aber von einer Partei, der Demokratischen Partei, dem Partito Democratico, dem PD.

Auch wenn diese Personifikation vielleicht etwas übertrieben scheint, so ist sie dennoch war. Die Partei schien weg, verschwunden, in den Abfragen abgesackt, intern zerstritten, ohne klares Profil und erst recht ohne politischen Kurs.

Ein Jahr schien alles in Schockstarre verharrt zu sein, eingefroren in der Wahlnacht des 4. März 2018 – als eine Welt zusammenbrach, als der rote Balken gerade mal auf knapp 19 Prozent stand. Der Tag an dem das italienische Volk Populisten und Nationalisten wählte, der Tag an dem die Stunde der Partei geschlagen zu haben schien. Der PD war tot. Verschwunden. Weg.

Und die meisten schienen zufrieden zu sein. Er hatte doch eh nur gestört, war politischer Abfall, verbraucht und ideenlos, knapp 5 Jahre nachdem die Partei einen neuen Kurs eingeschlagen hatte, nachdem sie sich zielstrebig der Mitte zugewandt hatte, erlebte sie ihr größtes Tief.

Fast genau ein Jahr nach der schlimmsten Stunde kommt der Befreiungsschlag

Und die Schockstarre kam. Sie wollte nicht mehr verschwinden. Wie war es auch möglich, dass man mit dem neuen frischen hippen jungen Kurs 2014 noch über die 40-Prozent-Marke geklettert war, wie es keine andere Partei mehr seit 1958 getan hatte, und dann über die Hälfte all dieser Stimmen verloren hatte?

Keiner schien etwas sagen zu wollen, die Wahrheit auszusprechen wollte niemand.
Selbst der kleine Parteiflügel der den Kurs kritisiert hatte, der übriggeblieben war nachdem sich bereits der Großteil der Kritiker abgeseilt hatte, rang sich nicht dazu durch, den Mund aufzumachen.

Langsam kam dann aber ein Wind. Ein leiser, schwacher Zug, der aber bestimmt und selbstbewusst an das starre Eis klopfte. Aber siehe da, das Eis bekam tatsächlich Risse, bis die eisige Wand schließlich in sich zusammenbrach -  und zwar am 3. März 2019, beinahe auf den Tag genau der Jahrestag der schlimmsten Stunde des PD. Ein Befreiungsschlag. Der Partei wurde wieder bewusst, was und wer sie ist. Ihr wurde bewusst, dass sie noch gebraucht wird.

Am 3. März hat sie gezeigt, dass sie nicht weg ist. sie hat gezeigt, dass sie noch da ist, dass sie noch lebt. Der Wahlabend von diesem Sonntag war nun das genaue Gegenteil von jenem am 4. März des vorherigen Jahres, diesmal jubelte die Partei, und die die nicht jubeln konnten, gönnten den Anderen ihre Freude. Obwohl sie verloren hatten, fühlten sie sich nicht so. Die Wahl von Nicola Zingaretti ist mehr als rein persönlicher Wahlkampf. Sie ist der Wunsch der Menschen, wieder eine ordentliche soziale und progressive Kraft im land zu haben, eine, die sich für die Belange der einfachen Menschen einsetzt. Über 1,7 Millionen Wähler haben an dieser Entscheidung teilgenommen, über eine Million von ihnen teilt die Ansicht des neuen Vorsitzenden, voltiamo pagina.

Niemand sagt dieser Partei nach, sie hätte keine Fehler gemacht – klar hat sie das. Und was für welche. Vielleicht auch so große, dass ihr ein Großteil der Menschen nicht verzeihen kann.

Für ein Land mit solchen sozialen Widersprüchen dürfte etwas sozialdemokratische Poltik genau das Richtige sein

Aber der PD seine Wurzeln gefunden, er hat zurückgefunden zu dem, wofür er steht. Dass die Partei der Solidarität, der sozialen Gerechtigkeit nicht verschwunden ist, sondern dass sie nur vielleicht vergessen hatte, woher sie kam und wofür sie geschaffen wurde, gleicht einem Wunder, ist aber auch eine riesige Chance. Die Partei ist wieder auf Kurs – dank der Basis. Das ist nicht zuletzt der demokratischen Struktur der Partei zu verdanken, die nicht nur ihren Mitgliedern, sondern allen Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren, die sich irgendwie mit den Werten und Prinzipien des Mitte-Links-Lagers identifizieren können, das Recht zugesteht, bei der politischen Entscheidungsfindung aktiv mitzuwirken. Und zwar mit einem Stimmzettel in einem Wahllokal, nicht über Facebook-Kommentare oder Onlineabstimmungen.

Die Verantwortung für die Partei ist groß, aber sie ist dem gewachsen, muss es ein.
Denn wenn Italien eines gezeigt hat, dann, dass viele in diesem Land keine Lust auf Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit haben, dass dieses so gastfreundliche und offene Volk nicht wieder in einer faschistischen Diktatur aufwachen will.

Es liegt an der größten Partei der linken Mitte, diese Chance zu nutzen, zu zeigen, dass sie es verdient das italienische Volk zu repräsentieren und sich seiner Sorgen annimmt – ohne Populismus und falsche Versprechungen, aber mit Selbstbewusstsein und Vertrauen.

Denn in einer Gesellschaft wie der unseren ist soziale Sicherheit das, was die Menschen brauchen – auch wenn vielleicht viele glauben, der Ausländer sei das Problem in ihrem Land, sind es unterm Strich die 500 Euro, die ihnen fehlen, um über die Runden zu kommen.

Für ein Land mit solchen sozialen Widersprüchen dürfte etwas sozialdemokratische Politik genau das Richtige sein.

Advertisement

Kommentar schreiben

Advertisement
Advertisement
Advertisement