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Jugend

Überbelegtes Hotel Mama

Fast 60 Prozent der Südtiroler Jugendlichen zwischen 15 und 34 Jahren wohnen bei ihren Eltern und Politik stößt auf wenig Interesse. Das geht aus einer Umfrage hervor.
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Der 12. August ist der Weltjugendtag.
Anlässlich dieses Termins hat das Landesinstitut für Statistik ASTAT die Lebenswelten der jungen Menschen in Südtirol beleuchtet. Es geht dabei um die 120.000 in Südtirol ansässigen Personen im Alter von 15 bis 34 Jahren.
Das auffallendes Ergebnis: 59,9 Prozent der jungen Südtiroler wohnen noch bei ihren Eltern. Die Frauen erweisen sich dabei als deutlich unabhängiger als die Männer in derselben Altersklasse: Bereits zwischen 25 und 29 Jahren haben fast sechs von zehn jungen Frauen ihre Herkunftsfamilie verlassen, und ab dem Alter 30 leben nur mehr 15,9% unter einem Dach mit den Eltern.
 

Gesundheit & Ernährung

 
Der Großteil der jungen Menschen unter 35 Jahren (94,4%) bewertet ihren Gesundheitszustand als positiv („gut“ bzw. „sehr gut“), außerdem sind 69,4% sehr zufrieden mit dem eigenen Leben (Zufriedenheit entspricht oder ist größer als 8 auf einer Skala von 0 bis 10).
Etwa jeder vierte junge Südtiroler nimmt kein angemessenes Frühstück zu sich: Nur etwas mehr als die Hälfte (54,6%) ißt täglich Blatt- und anderes Gemüse, außerdem essen nur 55,6% jeden Tag Obst. Obwohl bei einem Drittel mindestens einmal in der Woche Fisch auf dem Speiseplan steht, konsumieren zwei Drittel mehrmals wöchentlich Wurstwaren.
Auch Süßspeisen und salzige Snacks sind bei den Jugendlichen sehr beliebt: Über die Hälfte der 15- bis 34-Jährigen verzehren mindestens ein paar Mal pro Woche Torten, Eis und Ähnliches und ungefähr 30% Salzgebäck, Kartoffelchips und ähnliches. Zudem konsumiert einer von vier täglich kohlensäurehaltige Limonaden.
Falsche Essgewohnheiten und Bewegungsmangel können zu Übergewicht führen: Während italienweit aber rund 40% der jungen Menschen übergewichtig sind, liegt hierzulande der Body Mass Index in nur 19,0% der Fälle über der Norm.
13,1% der 15- bis 34-Jährigen trinken mehrmals in der Woche alkoholische Getränke außerhalb der Mahlzeiten. Ein Drittel hat im Zeitraum von 12 Monaten das kritische Maß von sechs Gläsern bei einer einzigen Gelegenheit mindestens einmal überschritten. Weniger als ein Viertel der jungen Menschen raucht: Hier geht die Tendenz deutlich zurück. Vor 10 Jahren war der Prozentsatz noch um rund 8 Punkte höher.
 

Kein Interesse an Politik

 
70,7% der Jugendlichen gehen mindestens einmal im Jahr ins Kino und 65,9% in ein Tanzlokal. Etwa die Hälfte waren bei Sportveranstaltungen oder Konzerten. 45,4% haben im Laufe des vergangenen Jahres ein Museum bzw. eine Ausstellung besucht und 40,6% gingen ins Theater.
 
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Die Hälfte der 15- bis 24-Jährigen und mehr als zwei von drei der 25- bis 34-Jährigen lesen mindestens einmal wöchentlich eine Tageszeitung. Die jungen Männer lesen mehr Zeitungen als die jungen Frauen. Frauen lesen jedoch mehr Bücher.
 
Nur bei 38,7% ist die Politik ein Gesprächsstoff
Auf geringes Interesse stößt die Politik, die nur bei 38,7% für Gesprächsstoff sorgt. Einer von 20 ist in einer Partei eingeschrieben, dafür engagieren sich viele im Vereinswesen: 18,7% sind Mitglied in einer Freiwilligenorganisation und gut 28,4% in einer Kultur- oder Freizeitvereinigung. 
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Kommentare

Bild des Benutzers Oliver H.

Dass Kinder so lange bei ihren Eltern leben hängt meiner Meinung nach auch mit unserem Schulsystem zusammen. Einerseits geht der Trend immer stärker in Richtung lange Ausbildungszeit (was nicht unbedingt mit mehr Qualität einhergeht!) und einem Rückbau von Eigenverantwortung. Eltern machen sich in die Hosen und behüten ihre Kinder über und Lehrer müssen wegen jeder kleinen Verletzung Angst vor einem Gerichtsverfahren haben. Wenn ein Schüler zu ungeschickt zum Klettern ist und sich dann den Unterarm bricht, ist das eben so. Da muss man keine Staatsaffäre draus machen.

So erziehen wir eine Gerneration von Weicheiern, die sich nie selbst um etwas Richtiges kümmern haben müssen. Wenn bisher die größte Herausforderung war, am Ende des Jahres den Stoff eines einzigen Schuljahres (!) für die Matura oder sonst eine Abschlussprüfung zu lernen und einen Kurzvortrag vorzubereiten, braucht man sich nicht wundern, wenn diese Leute nicht im Stande sind, sich eine Wohnung oder eine Arbeit zu suchen. Auch die Wohnungspreise sind dabei keine Ausrede, denn wenn man sich zu dritt eine Drei-Zimmer-Wohnung nimmt und eine WG draus macht, ist man in Südtirol zwar im Vergleich zu Österreich immer noch teuer unterwegs, aber mit einem durchschnittlichen Einkommen sollte das doch finanzierbar sein.

Dass mehr gebaut und noch viel wichtiger die Vermietung durch eine Senkung der Abgaben oder Lockerung des Mieterschutzes attraktiver gestaltet werden muss, kommt noch separat hinzu.

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