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Erneuerbare Energie

Eni stellt sich auf Energiewende ein

Der italienische Energie-Riese Eni will in Zukunft vermehrt in Erneuerbare Energie investieren und strebt eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Energiewende an.
Community-Beitrag von Monika Psenner11.11.2020
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Der Eni-Konzern zählt zu den fünf größten Unternehmen in Italien. Wenn Eni auch nicht mit den ganz großen Öl/Gaskonzernen, wie Exxon/Mobil, Chevron, Shell und BP mithalten kann, so gehört das Unternehmen doch weltweit zu den  Marktführern im Energiebereich. 

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Der Eni-Konzern ist weltweit in 66 Ländern tätig und hatte 2019 31.321 Mitarbeiter, davon waren etwas über ein Drittel im Explorations- und Produktionsbereich tätig. Die weltweite Produktion von Erdöl und Erdgas des Konzerns belief sich 2019 auf 1,87 Millionen Barrels Erdöläquivalent* pro Tag, während die weltweiten Gasverkäufe 73,07 Milliarden Kubikmeter betrugen. Im Bereich der Erneuerbaren Energie verfügt der Eni-Konzern über 700.000 Tonnen Bioraffinerie-Kapazität und über 190 Megawatt Ökostrom-Kapazität.

Wie Eni zu einem weltweit führenden Energiekonzerne wurde

Der Eni-Konzern (Ente Nazionale Idrocarburi) entstand 1953 aus der 1929 gegründeten italienischen staatlichen Ölgesellschaft Agip. Enrico Mattei, der seit 1945 für Agip arbeitete, war maßgeblich für die Umstrukturierung der Agip und 1953 für die Gründung der Eni und für deren Aufstieg zu einem weltweit agierenden Energie-Konzern verantwortlich. Unter Enrico Mattei wurde die Erdöl- und Gasproduktion in Italien ausgeweitet. Auf internationaler Ebene gelang es ihm durch das Angebot von deutlich besseren Konditionen an die Erdöl-Länder, als die großen Ölmultis boten,  Ölförder-Konzessionen in den ölreichen Ländern des Mittleren Ostens zu akquirieren, sowie ein wichtiges Handelsabkommen im Ölgeschäft mit der Sowjetunion abzuschließen. Durch seine Geschäftspraktiken trat er in den Wettbewerb mit den sieben mächtigsten Ölmultis**, die das Ölgeschäft von Mitte der 1940iger Jahre bis Mitte der 1970iger Jahre weltweit dominierten und trug dazu bei ihr Oligopol auf dem Ölmarkt zu brechen. Unter Enrico Mattei wurde der Eni Konzern zu einem international operierenden, erfolgreichen Öl/Gas Unternehmen. 1962 kam Enrico Mattei bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. ***

In den darauffolgenden Jahrzehnten konnte der Konzern weiter expandieren und kaufte Anteile an Firmen oder ganze Firmen, um die Geschäftsbereiche des Konzerns auszuweiten. 1992 wurde der staatliche Konzern Eni in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, mit einer Quote von 30,3 % ist der italienische Staat weiterhin größter Einzelaktionär der Eni. Ende 1995 folgte der Börsengang der Eni S.p.A. Der Konzern ist sowohl an der Mailänder Börse als auch an der New York Stock Exchange (NYSE) notiert, der Haupt-Firmensitz des Eni-Konzerns befindet sich in Rom, ein weiterer wichtiger Firmensitz ist in San Donato Milanese bei Mailand.

Geschäftsbereiche des Eni-Konzerns

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 LNG Tanker von Eni                                                                                                                                                                          Foto: Eni                                                                                                                                                                                                                                

Der Eni- Konzern ist in den Bereichen Erdöl, Erdgas, Petrochemie/Chemie, und im Ingenieurwesen/Services auf Öl- und Gasfeldern, aber auch in der Stromerzeugung tätig. Zu den Tätigkeiten des Unternehmens zählen die Erkundung und Erschließung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten sowie die Gewinnung dieser Rohstoffe. Eni betreibt Raffinerien, petrochemische und chemische Anlagen, wo Erdöl verarbeitet wird und Benzin, Diesel, Kerosin, Heizöl, Schmierstoffe, Bitumen und diverse andere Produkte hergestellt werden, die an Großhändler geliefert, beziehungsweise über das eigene Tankstellennetz oder über Vertriebspartner verkauft werden.  Ein weiterer Tätigkeitsbereich ist der Handel und Transport von Erdgas via Pipeline und von Flüssiggas (LNG) mit LNG-Tankschiffen. Eni baut und betreibt Pipelines sowie Gas-Verflüssigungsanlagen in Gasexportländern und LNG-Terminals in den Gas-Importländern, um Flüssiggas wieder in gasförmigen Zustand zu bringen.

Europa-weit betreibt der Eni-Konzern über 5300 Tankstellen, davon an die 4000 in Italien, womit Eni der größte Tankstellennetz-Betreiber des Landes ist. Bis 2010 wurde an den Tankstellen der Markenname Agip verwendet, seit 2010 wurden die Tankstellen nach dem Konzern Eni benannt, geblieben ist noch der schwarze, Feuer-speiende, sechsbeinige Hund als Marken-Logo.

Eni Power, eine der Tochtergesellschaften der Eni- Gruppe ist für die Stromproduktion und den Stromverkauf zuständig.

Forschung, Aus- und Weiterbildung hat im Eni-Konzern eine lange Tradition und hatte schon in den Gründerjahren zu Zeiten von Enrico Mattei einen hohen Stellenwert. 2001 wurden alle Trainings- und Ausbildungszentren des Konzerns mit der Gründung der Eni Corporate University (ECU) vereint. Die ECU bietet Master-Lehrgänge im Bereich Energie und Umwelt an.

Eni will eine Führungsrolle in der Energiewende einnehmen

Auch die großen Öl- und Gaskonzerne haben erkannt, dass die Welt vor einem großen Wandel im Energiesektor steht. Eni investiert schon seit mehreren Jahren in Erneuerbare Energie-Projekte, sowohl in Italien, als auch im Ausland. Schon 2014 hat der Eni Konzern in Porto Marghera bei Venedig eine Erdöl-verarbeitende Raffinerie in die weltweit erste Bio-Raffinerie umgewandelt****, wo aus pflanzlichen Ölen umweltfreundlichere Brennstoffe, wie Bio-Kerosin, Bio-Diesel etc. hergestellt werden. 2019 wurde in Gela/Sizilien eine zweite Bio-Raffinerie eröffnet. In Italien und auch außerhalb Italiens hat der Eni-Konzern sowohl Photovoltaik-Anlagen (z.B. in Pakistan und Algerien) als auch Windstrom-Anlagen (z.B. in Kasachstan) errichtet. 

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Bio-Raffinerie in Porto Marghera bei Venedig                                                                                                                               Foto: Eni

Anfang 2020 stellte Eni seine zukünftige Geschäftsstrategie bis 2050 vor. Schlüsselelement der Strategie ist eine Kombination von Wachstum, Wertschöpfung und ökologischer Nachhaltigkeit mit dem Ziel die CO2 Emissionen stark zu verringern. Im Juni 2020 präsentierte Eni seine neue Konzern-Struktur, die dazu beitragen soll, die Geschäftstätigkeiten in Richtung Erneuerbare Energie, Energiewende und Dekarbonisierung auszurichten. In der neuen Konzernstruktur gibt es 2 Geschäftsbereiche: Natural Resources und Energy Evolution. Der Konzernbereich Natural Resources wird weiterhin die Tätigkeiten im Erdöl- und Gassektor inkludieren, während der Geschäftsbereich Energy Evolution Projekte im Zusammenhang mit Erneuerbarer Energie und anderen sauberen Energietechnologien umfasst. Laut Konzernchef Claudio Descalzi spiegelt die neue Konzernstruktur die gezielte Ausrichtung auf die Energiewende wider, die den Konzern zu einem globalen Marktführer für saubere Energie-Lösungen machen wird. Ein Schwerpunkt wird die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und aus Biomethan sein. Schon den kommenden Jahren sollen Summen in Milliardenhöhe in erneuerbare Energien investiert werden. Das Geld gehe je zur Hälfte in Ökostrom-Projekte sowie in Forschung und Entwicklung.

Eni folgt mit seiner Strategie anderen Energiekonzernen, wie zum Beispiel dem britischen Ölmulti BP oder dem spanischen Energie-Konzern Repsol, die bereits stark in den Wachstumssektor Erneuerbare Energien investiert haben.

Zukunftsperspektiven

Eni, sowie auch andere weltweit führende Energiekonzerne Konzerne investieren immer mehr in die Wachstumsbranche Erneuerbare Energie, vornehmlich in den Stromsektor. Weltweit steigt der Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor stärker an als der von Kohle, Gas und Öl zusammen. Gründe des Umdenkens der mächtigren Ölmultis sind einerseits die Vorgaben der Pariser Klimakonferenz, und der steigende Druck aus der Öffentlichkeit und Politik, aber auch die zunehmende Abwendung großer Fonds und Groß-Investoren (z. B. der norwegische Staatsfonds, BlackRock etc.) von fossilen Energien und deren Forderung nach nachhaltigen Geschäftsmodellen.  

Vor allem die europäischen Öl-Multis, wie BP, Shell, Total, Eni etc. sehen ihr zukünftiges Unternehmensmodell immer mehr in Erneuerbarer Energie, während die US-amerikanischen Energie-Riesen, wie Exxon/Mobil und Chevron bis jetzt noch stark am Kerngeschäft mit Öl und Gas festhalten. Das könnte sich aber unter der Präsidentschaft des neu gewählten US-Präsidenten ändern. Biden hat bereits angekündigt, dass die USA wieder dem Pariser-Klimaabkommen beitreten werden. Klima- und Umweltschutz nimmt auf Bidens politischer Agenda einen wichtigen Platz ein, die Abhängigkeit der USA von fossilen Brennstoffen soll durch hohe Investitionen in erneuerbare Energie stark verringert werden.

*Erdöläquivalent ist eine im Energiebereich häufig verwendete Maßeinheit, die dazu dient den Energiegehalt verschiedener Energieträger zu vergleichen

** Die 7 größten Ölmultis, auch „Seven Sisters“ genannt, waren mit Ausnahme von Shell (Niederlande) und BP (Großbritannien) amerikanische Ölkonzerne, die es auch jetzt noch gibt, mit zum Teil anderen Namen oder als fusionierte Konzerne (Exxon/Mobil, Chevron). Bis zum ersten Ölpreisschock 1973, im Zuge dessen die Ölländer im Mittleren Osten und in anderen ölreichen Regionen nicht mehr die einseitigen Bedingungen der Ölmultis akzeptierten, kontrollierten die „Seven Sisters“ circa  85 % der weltweiten Erdölreserven. Ab 1973 kam es zu großen Veränderungen im weltweiten Ölmarkt. Die nationalen Ölgesellschaften der OPEC-Länder (z.B. Saudi Aramco) und anderer großer Erdölproduzenten-Länder, wie Russland  wurden immer größer und mächtiger und spielen heutezutage neben den international tätigen Ölmultis auch eine bedeutende Rolle auf dem globalen Ölmarkt.

*** Da Enrico Mattei mächtige Feinde hatte, z.B. die Ölmultis aber auch auf politischer Ebene, weil er die Unabhängigkeitsbestrebungen aus Geschäftskalkül in manchen Erdöl-reichen Ländern unterstützte, verstummten die Vermutungen nie, dass der Flugzeugabsturz ein Sabotageakt war.

**** Aufgrund seiner geographischen Lage war Italien schon seit vielen Jahrzehnten ein wichtiges Raffineriezentrum, wobei ein großer Teil der Raffinerien dem Eni Konzern gehören. Wie in ganz Europa waren auch in Italien infolge von steigenden Raffineriekapazitäten in Asien und in diversen Erdölförderländern die Raffineriekapazitäten nicht ausgelastet und unrentabel.

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