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Luftverschmutzung

Italien: Emissionsfreie Autos ab 2040?

Nach dem Vorstoß von Frankreich und Großbritannien, Autos mit Verbrennungsmotor ab 2040 zu verbieten, ist dieses Thema nun auch in Italien auf der politischen Agenda.
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Die Luftverschmutzung in vielen italienischen Städten hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, dass die Politik unter Zugzwang steht. Laut Europäischer Umweltagentur ist die Luftverschmutzung und ihre negativen Folgen in keinem Land Europas so extrem wie in Italiens Großstädten und Ballungsräumen. Grund dafür ist die extrem hohe Autodichte. Die stärkste Umweltbelastung gibt es in den Ballungsgebieten und Industriezentren der Poebene von Turin über Mailand bis Venedig. In dieser Region leben circa 15 Millionen Menschen und es gibt fast genauso viele PKWs und Lastwagen. Infolge der hohen Schadstoffemissionen und auch wegen der geographischen Lage und der klimatischen Gegebenheiten (viel Nebel und Inversionswetterlage) ist die Gegend oft wochenlang von einer Smog-Glocke eingehüllt. Die erlaubten Schadstoff-Grenzwerte werden viel zu oft überschritten.

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Die hohe Autodichte führt zu extremer Luftverschmutzung in Italiens Städten und Ballungsräumen

Vergangene Woche hat die Kommission für Umwelt (Commissione Ambiente) und die Kommission für öffentliche Arbeiten (Commissione Lavori Pubblici) im Senat eine Resolution verabschiedet, die vorsieht ab 2040 Neuzulassungen von Verbrennungsmotoren zu verbieten. Eine starke Forderung! Nun ist die Regierung am Zug diesen Antrag zu evaluieren und entsprechende Maßnahmen zu setzen.

Um die ständig zunehmenden Schadstoffemissionen zu verringern, schlägt die Kommission auch weitere, weniger revolutionäre Maßnahmen vor, die bereits kurzfristig umgesetzt werden könnten. So sollen Elektroautos stärker gefördert werden, die Auto-Besteuerung soll entsprechend dem Schadstoffausstoß berechnet werden, die nationale Fahrzeugflotte soll generell verkleinert und mit umweltfreundlicheren oder emissionsfreien Autos erneuert werden. 60% der Italiener fahren mit ihrem privaten Auto zur Arbeit. Diese Situation soll durch diverse Maßnahmen reduziert werden. So soll vor allem der Ausbau des öffentlichen Verkehrs vorangetrieben werden

Kommt es zum Verbot von Neuzulassungen von Verbrennungsmotoren im Jahre 2040, so gibt es bis dahin noch große Herausforderungen zu bewältigen und viele Aufgaben zu lösen. Um den Weg zu einer emissionsfreien Mobilität zu ebnen, müssen nicht nur umweltfreundliche Fahrzeuge, wie Elektroautos und Autos mit Wasserstoffantrieb stärker gefördert werden, sondern die entsprechende Infrastruktur wie Elektrotankstellen muss ausgebaut werden.

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In Italien gibt es derzeit viel zu wenig Ladestationen für Elektroautos

Im Unterschied zu vielen anderen Ländern Europas ist das öffentliche Verkehrsnetz in vielen großen Städten Italiens nur unzureichend. Lediglich Mailand verfügt über ein gutes öffentliches Verkehrsnetz mit einem effizienten U-Bahn-, Straßenbahn- und Autobusnetz. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs ist deshalb dringend notwendig. Zudem müssten die Fahrzeugflotten schrittweise mit umweltfreundlichen Fahrzeugen (Elektrobusse, mit Wasserstoff betriebene Busse) erneuert werden.

Obwohl Italien bei der Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie relativ gut aufgestellt ist, muss auch dieser Sektor noch stark wachsen um genügend sauberen Strom für die Elektroautos bereitstellen zu können. Derzeit liegt der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien in Italien mit über einem Drittel etwas über dem EU Durchschnitt.

Verglichen mit den Konkurrenten aus anderen Ländern hinken die italienischen Autoproduzenten in Sachen Elektromobilität nach. Um diesen Nachholbedarf aufzuholen müssen sowohl die italienische Autoindustrie als auch  die Zulieferbetriebe entsprechende Schritte setzen um den Strukturwandel rechtzeitig zu vollziehen und so auch die negativen Folgen für den Arbeitsmarkt besser abfedern zu können.

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