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Landtagswahl 2018

“Nicht um jeden Preis Landesrätin”

Maria Hochgruber Kuenzer (SVP) gibt sich vor den Wahlen bescheiden. Doch nicht nur starker bäuerlicher Rückenwind wirft die Frage auf: Zielt sie auf die Landesregierung?
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salto.bz: Frau Hochgruber Kuenzer, Ihr Parteikollege Helmuth Renzler zählt Sie mit Arno Kompatscher, Philipp Achammer und Waltraud Deeg zu jenen vier SVP-Landtagskandidaten, die nicht um den Einzug in den Landtag bangen müssen. Sind die Landtagswahlen für Sie eine gemähte Wiese?

Maria Hochgruber Kuenzer: (lacht) Nein, ganz sicher nicht. Jeder Kandidat, egal ob er bereits im Landtag war oder nicht, startet bei Null.

Sie haben 2013 über 10.000 Vorzugsstimmen erhalten. Das ist doch nicht Null?

Die Stimmen aller Kandidaten werden bei jeder Wahl wieder auf Null gestellt. Ich kann nicht schon mit einem Stimmenpolster starten muss mich immer wieder von Neuem um das Vertrauen der Menschen bemühen.

Nach den Wahlen ist es nicht mehr mein Auftrag, jeden Tag am Kinderspielplatz zu sein.

Sie kandidieren heuer zum dritten Mal für den Landtag. Mit welchen Themen positioniert sich Maria Hochgruber Kuenzer in diesem Wahlkampf?

Die Themen sind für mich dieses Mal klarer, Politik ist für mich klarer: Ich weiß, wie ich arbeiten muss, was Politik bedeutet, was es bedeutet, Kompromisse zu finden. Eine ganz große Herausforderung ist für mich das Thema Raum und Landschaft. Das neue Gesetz dazu muss erst umgesetzt werden. Da gilt es, dieses schöne, aber an Freiflächen begrenzte Land zu verwalten. Und zwar gut zu verwalten. Die Begehrlichkeiten auf Grund und Boden steigen, aber es ist unsere Verpflichtung, Maß zu halten, damit Freiflächen auch für die nächsten Generationen vorhanden sind.

Bei der Neuschreibung des Gesetzes für Raum und Landschaft habe sich die Bauernlobby zu sehr durchgesetzt, kritisiert die Opposition. Was antworten Sie als Vertreterin der Landwirtschaft und “Spitzenkandidatin” des Bauernbundes diesen Kritikern?

Ich kann nur antworten: Gibt es konkrete Beispiele dafür, wo sich die Bauern “durchgesetzt” haben? Ich bin der Meinung: Nein. Im Zentrum stand immer das Allgemeininteresse. Natürlich haben wir uns dort eingesetzt, was ich bereits angesprochen habe: Die Freiflächen sind zugleich die Grundlage für die Landwirtschaft und die Bäuerinnen und Bauern. Damit sie auch in Zukunft Bäuerinnen und Bauern bleiben können, gilt es, diese Lebensgrundlage zu erhalten. Etwa, wenn Siedlungsgrenzen festgelegt werden. Wir haben das Augenmerk aber auch stark auf andere Themen im Raumordnungsgesetz gelegt: Altbausanierungen, Leerstände auch im Gewerbegebiet nutzen. Diese Themen haben nicht nur mit Landwirtschaft zu tun, sondern sind sicherlich im Interesse der Allgemeinheit.

Sie sind also nicht eine reine Vertreterin der Landwirtschaft?

Am Samstag haben die SVP-Frauen ihre Kandidatinnen vorgestellt. Über mich wurde gesagt, wenn man Maria Hochgruber Kuenzer hört, denkt man sofort an Landwirtschaft. Aber wenn man ihre Arbeit anschaut, setzt sie sich eigentlich für vieles mehr als Landwirtschaft ein: für die Verbesserung von Kollektivverträgen, für eine bessere Absicherung der Frauen, Kleinkindbetreuung, soziale Landwirtschaft als Angebot an die Gesellschaft.

Meine Aussagen sind nicht solche, von denen man meint, dass sie zur Zeit gut gehen und dass sie die Leute gerne hören.

Sind Sie ein politisches Multitalent?

Nein, das möchte ich damit nicht sagen. Sondern: Ich werde mit Landwirtschaft in Verbindung gebracht, aber meine politische Arbeit ist viel mehr.

Bevor die SVP in den Wahlkampf gestartet ist, haben Landeshauptmann und Parteiobmann die Partei immer wieder auf Einigkeit eingeschworen. Es solle in erster Linie mehr um ein starkes Gesamtergebnis als den Einzug einzelner Kandidaten in den Landtag gehen. Sind Sie eine Teamplayerin oder doch mehr Einzelkämpferin in Ihrer Partei?

Grundsätzlich bin ich schon eine Teamplayerin. Doch natürlich muss ich auch Einzelkämpferin sein. Weil es das Wahlsystem aufgrund der Vorzugsstimmen so verlangt. Die zählen am Montag nach der Wahl.

Die Stimmen werden entscheiden, ob sich mir überhaupt Möglichkeiten und Angebote eröffnen.

Im Gegensatz zu anderen buhlen Sie nicht mit Querschüssen um Vorzugsstimmen. Auch aus Ihrer Partei sind schrille Töne zu vernehmen, zuletzt von Reinhard Zublasing mit dem unsäglichen “Parasiten”-Vergleich. Was haben Sie sich gedacht, als Sie den Radiospot bzw. die Meldungen darüber vernommen haben?

Das bin nicht ich. Nein, das bin nicht ich. Ich persönlich halte an dem Frauen-Wahlspruch “Im Zweifel für den Schwächeren” fest. Das ist meine Grundhaltung, meine gelebte Grundhaltung. Ich muss hinter meinen Aussagen stehen und wissen, was ich damit meine. Meine Aussagen sind nicht solche, von denen man meint, dass sie zur Zeit gut gehen und dass sie die Leute gerne hören. Deshalb würde für mich eine Aussage wie die von Herrn Zublasing nie zutreffen.

Sie wollen den Menschen keinen Honig ums Maul schmieren?

Nein.

Als Wahlgeschenk verteilen Sie aber Honiggläser.

(lacht) Als Wahlgeschenk wollte ich ein Südtiroler Produkt, das leicht weitergegeben werden kann. Von der Haltbarkeit und seiner Beliebtheit her eignet sich der Honig dafür. Ich mag ihn selbst gern.

Honig hält in der Regel ewig. Wollen Sie damit vermitteln, dass auch Maria Hochgruber Kuenzer ihr politisches Ablaufdatum noch lange nicht erreicht hat?

Die Politik ist mein Beruf geworden. Wenn ich das Vertrauen bekomme, bin ich absolut bereit, mich weiterhin einzubringen, ja.

Auch in der Landesregierung? Dort werden die Karten neu gemischt: Nach dem Ausscheiden von Martha Stocker wird die SVP  eine Frau für die Regierung brauchen. Sie sind bisher als mögliche Landwirtschaftslandesrätin ins Gespräch gebracht worden. Nun wird aber auch das Ressort von Richard Theiner frei, der für Energie, Umwelt und Ihr jüngstes Herzensanliegen Raumordnung zuständig war. Zielen Sie auf einen Posten als Landesrätin ab?

Zielen Sie darauf ab? (überlegt) Das wäre aus meiner Sicht total vermessen, ich beginne bei Null. Die Stimmen werden entscheiden, ob sich mir überhaupt Möglichkeiten und Angebote eröffnen. Am 22. Oktober wird sich zeigen, wo meine Position unter den Gewählten ist, welche Chancen ich ergreifen kann und in welche Richtung ich mich melden könnte und sagen, ich hätte doch Interesse, Verantwortung zu übernehmen.

Falls Ihnen ein Posten in der Landesregierung angeboten würde, würden Sie den Auftrag annehmen?

Nicht um jeden Preis.

Was heißt das?

Ich schicke voraus, dass ich gerne Neues wage und Unbekanntes annehme. Aber es muss schon ein Bereich sein, den ich mir aufgrund meiner Fähigkeiten und meines Könnens vorstellen könnte. Wenn man sagt, du musst jetzt das und das nehmen, wenn du in die Landesregierung willst, dann würde ich mir natürlich sehr, sehr gut überlegen, wie hoch der Preis ist.
Ich würde überlegen, was es dafür braucht und ob ich die Voraussetzungen dafür mitbringe. Als ehemalige Landesbäuerin kann ich Menschen führen, ich kann überzeugen, ich kann motivieren – Loyalität ist ein wichtiges Stichwort. Aber ich weiß auch, wie Landesräte an Ämtern, die sie übernommen haben, gescheitert sind. In dem Sinne, dass es nicht zu bewältigen ist oder die Erwartungshaltungen zu hoch sind. All das spielt bei der Überlegung eine Rolle.

Ich werde mit Landwirtschaft in Verbindung gebracht, aber meine politische Arbeit ist viel mehr.

Überlegungen, die Sie noch nicht zu Ende gedacht haben?

Nein. Wenn ich ein Angebot bekomme, kann man ins Gespräch kommen. Natürlich stellt der Landeshauptmann die Landesregierung zusammen. Wenn der Landeshauptmann es für gut befindet, mich mit meinen Fähigkeiten in eine Rolle zu versetzen, von der er sagt, da könntest du wirklich gute Dienste leisten und da würden wir dich brauchen, dann ja.

Wie werden Sie die letzten zehn Tage vor den Wahlen verbringen?

Ich bin so gut wie jeden Tag und Abend draußen bei den Menschen und versuche ins Gespräch zu kommen. Natürlich kostet es Energie. Aber ich mag das inzwischen, ich habe noch nie so gerne Wahlkampf gemacht wie dieses Mal.
Vergangene Woche habe ich mich mit Frauen auf einem Kinderspielplatz unterhalten. Danach hat mich jemand darauf angesprochen und gemeint: “Ach, ich habe schon gehört, du warst am Spielplatz. Aber wo bist du nach den Wahlen?”

Was haben Sie geantwortet?

Nach den Wahlen ist es nicht mehr mein Auftrag, jeden Tag am Kinderspielplatz zu sein. Jetzt, in der Wahlkampfzeit, ist es meine Aufgabe, den Menschen die Möglichkeit zu geben, mit mir in Kontakt zu treten. Damit sie in den nächsten fünf Jahren eine Ansprechpartnerin haben.

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