Dal Medico & Rösch
KARLHEINZ SOLLBAUER
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Meran

Herzschlagfinale in Untermais

Die vorläufige Endabrechnung. Die Grünen gewinnen zwei Sitze, die SVP verliert einen. Gewinnt Dario Dal Medico die Stichwahl hätte er eine Mehrheit. Update.
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Meran ist nichts für schwache Nerven. Sieben Stunden lang liegt Dario Dal Medico Sonntagnacht bei der Stimmenauszählung der Bürgermeisterstimmen in Front. Je näher aber der Morgen rückt, desto mehr holt Paul Rösch auf. Die Entscheidung fällt dann um 4.15 Uhr bei der Auszählung der letzten Sektion der 28 Meraner Wahlsektionen. In der Wahlsektion „Weingartenstraße/Untermais“ schafft es Rösch erstmals in dieser Nacht seinen Widersacher Dal Medico zu überholen. Es ist eine Entscheidung auf der Zielgeraden. Am Ende ist Paul Rösch mit 33,3 Prozent um genau 87 Stimmen vor Dario Dal Medico (32,7 %).
Das heißt in zwei Wochen wird sich die Stichwahl von 2020 wiederholen. Allerdings unter geänderten Vorzeichen. Damals war Paul Rösch im ersten Wahlgang weit voraus gewesen. Am Ende ging das Ganze dann arschknapp aus. Rösch schaffte den Sieg um wenige Stimmen. Scheiterte dann aber bei der Regierungsbildung am Veto der SVP.
Diesmal dürften die Verhältnisse aber klarer sein. Denn die Wahl am Sonntag hat die Gleichgewichte zwischen den drei großen Meraner Blöcken deutlich verschoben.
Die Wahl am Sonntag hat die Gleichgewichte zwischen den drei großen Meraner Blöcken deutlich verschoben.
 

Gewinne & Verluste

 
Zahlen lügen nicht. Anhand des offiziellen Wahlergebnisses kann man diese Wahl eindeutig zusammenfassen.
Dabei hat bereits die Wahlbeteiligung eine besondere Rolle gespielt. Denn am Sonntag ist nur jeder zweite Wähler und jede zweite Wählerin in der Passerstadt zu Urne geschritten. Meran hat mit 52 Prozent, ein historisch niedrige Wahlbeteiligung erlebt. Bei der letzten Gemeinderatswahl im September 2020 gaben noch 57,3 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihre Stimme an zwei Tagen ab. Am Sonntag waren es genau 1.450 Personen weniger.
Der eindeutige Wahlsieger ist die Nerio Zaccarias „Alleanza per Merano“. Mit 19,3 Prozent hat die Mitte-Rechts-Liste 720 Stimmen oder 6,2 Prozentpunkte mehr bekommen als bei den vorausgegangen Wahlen 2020. Damit hat die italienische Sammelliste fast die SVP (19,4%) eingeholt. Der Abstand beträgt nur mehr 10 Stimmen.
Aber auch Paul Rösch und die Grünen haben bei dieser Wahl noch einmal ordentlich zulegen können. Sie schreiben ein Plus von 4,1 Prozentpunkten an. Das sind 376 Stimmen mehr als 2020. Mit Madeleine Rohrer hat man auch diesmal die meistgewählte Kandidatin auf der Liste. Rohrer erreichte 1.689 Vorzugsstimmen. Zum Vergleich: Stadtrat und SVP-Listenführer Stefan Frötscher kommt nur auf 645 Vorzugsstimmen.
 
Madeleine Rohrer
Grüne Ex-Stadträtin Madeleine Rohrer: Am meisten Stimmen von allen Gemeinderatskandidaten.
 
Ebenso Zugewinne kann Nerio Zaccarias „La civica per Merano“ verzeichnen. 188 Stimmen mehr bedeuten einen Zugewinn von 2 Prozentpunkten.
Alle anderen Parteien haben im Vergleich zu letzten Gemeinderatswahl in Meran deutlich verloren. So hat die SVP 677 Stimmen abgeben müssen. Das ist ein Minus von 2,8 Prozentpunkten und der historische Tiefstand in der Passerstadt. Die Option „der Neuen“ Katharina Zeller ist damit nicht aufgegangen. Sie war auch angetreten, um mehr Frauen auf der SVP-Liste in den Gemeinderat zu bringen. Doch jetzt wird die smarte Anwältin die einzige Gemeinderätin unterm Edelweiß bleiben.
Die SVP hat mit einem weiteren Minus von 2,8 Prozentpunkten ihren historischen Tiefstand in der Passerstadt erreicht.
Eine richtige Watschen bekam hingegen die Lega. Die Salvini-Partei hat am Sonntag zwei Drittel ihrer Wähler verloren und an Dal Medicos Alleanza oder Civica abgegeben. Die Lega hat 1.055 Stimmen weniger als vor 13 Monaten. Das ist ein Minus von 6,7 Prozentpunkten.
Stimmen verloren haben auch Fratelli D’Italia (- 1,7), die Freiheitlichen (-1,2), der M5S (-1), die Ökosoziale Linke (-0,7), die Südtiroler Freiheit (-0,7), der PD (-0,6) und das Team K (-0,1).
Einen Überraschungserfolg hat Josef Unterholzners Enzianliste mit 3,1 Prozent eingefahren. Das dürfte vor allem auf Spitzenkandidatin Susanne Zuber zurückzuführen sein.
 

Der neue Gemeinderat

 
Noch ist nichts fix. Weil die Berechnung der Restmandate äußerst kompliziert ist, gibt es noch keine endgültige Verteilung der Sitze im Gemeinderat.
Dennoch kann man anhand der Zahlen eine klare Prognose wagen. So wird die Liste Rösch/ Grüne zwei Mandate dazugewinnen und von 8 auf 10 Sitze im Gemeinderat kommen. Der PD wird seine zwei Mandate halten. Die Ökosoziale Linke haben ein Restmandat geschafft. Das Wahlbündnis um Paul Rösch kommt so auf 13 Sitze im neuen Gemeinderat.
 
Katharina Zeller
Katharina Zeller: Einzige Frau in der neuen verkleinerten SVP-Fraktion.
 
Die SVP verliert sicher ein Mandat. Sie dürfte auf 6 Vollmandate und ein Restmandat kommen. „Alleanza per Merano“ legt um zwei Sitze von 5 auf 7 zu und auch Giorgio Balzarinis „La civica per Merano“ dürfte ihre 3 Sitzen im Gemeinderat jetzt auf 5 aufstocken. Damit haben diese beiden Listen, die Dal Medico unterstützen, im Vergleich zu den Wahlen 2020 vier Mandate dazugewonnen.
Eine Regierungskoalition von Alleanza, Civica, SVP und Lega würde damit auf eine klare Mehrheit von 20 Sitzen im Gemeinderat kommen. Die Frage aber ist, ob die SVP in Meran mit der Lega koalieren kann. Katharina Zeller hat das im Wahlkampf eher ausgeschlossen.
Jeweils einen Gemeinderat oder eine Gemeinderätin dürften Fratelli D’Italia, die Lega, die neue Enzian-Liste und das Team K stellen. Aus dem Meraner Gemeinderat rausfliegen werden hingegen die deutschen Volkstumsparteien Freiheitliche und Südtiroler Freiheit. Ebenso gehen das Movimento 5 Stelle und die Frauenliste Think Lady Merano leer aus.
Wobei es bei der Sitzverteilung wegen des schwierigen Berechnungsmodus der Restmandate noch zu Verschiebungen kommen könnte.
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