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Geld für alles?

Stiftung sponsert christlichen Fundamentalismus

Folgender Brief wurde als Reaktion auf die Förderung des Vereins für christliche Erziehung und Schule durch die Stiftung Südtiroler Sparkasse an deren Direktor gesendet.
Community-Beitrag von Écrasez l'infâme !12.03.2015
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Sehr geehrter Herr Direktor Dr. Überbacher,

 

es gefällt mir ausgesprochen gut, dass sich eine private Bank so viel Philanthropie leistet. Umso unangenehmer ist es für mich, mich mit einer Kritik an Sie zu wenden. Ich habe den Bericht auf salto.bz über Ihre direkte Förderung der Tätigkeiten des Vereins für Christliche Erziehung und Schule gelesen, auch habe ich Ihre Antwort gelesen, und ich bin nicht sehr glücklich.

Ich bin ein überzeugter Individualist und Pluralist, und gerade weil ich den Pluralismus, die offene, freie Gesellschaft propagiere, weiß ich, dass Pluralismus in seiner absoluten Form nicht existieren kann. Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit! Kein Kompromiss mit den Feinden des Kompromisses! Kein gleiches Recht für die Feinde des gleichen Rechts!, sagt Dolf Sternberger. Eine pluralistische, offene Gesellschaft zu wollen, muss nicht bedeuten, Intoleranz zu tolerieren. Ganz im Gegenteil. Wir brauchen eine wehrhafte Demokratie, einen wehrhaften Pluralismus, da wir nachhaltig eine solche Gesellschaft wollen. Die Werte dieser utopischen Gesellschaft (Pluralismus, Subsidiarität, Freiheit, Self-ownership, Humanismus) müssen daher mutig verteidigt und immer wieder neu erkämpft werden. 

Was ich damit nun in Bezug auf Herrn Dr. Hans Lunger meine: Ich verstehe, dass Sie auch Bewegungen abseits des Mainstreams fördern wollen. Dass Herr Lunger aber kein Galilei ist und auch kein Schönberg, das weiß er wahrscheinlich sogar selber. Wenn Sie interessante neue Ideen und innovative Projekte „abseits des Mainstreams“ fördern, wie Sie das formulieren, da sage ich: Ja! Bravo! Doch wenn Sie einen totalitären Savonarola oder Untote aus dem rotbraunen Sumpf mit Geld Ihrer Stiftung fördern, dann muss ich sagen, dass ich mit Ihrem Pluralismus-Konzept ganz und gar nicht einverstanden bin. Ich kenne Herrn Lunger und seinen sinistren Verein – ich muss hier wohl keine seiner lustigen Aussagen zitieren –, und ich glaube, ich kenne auch einige seiner doch recht nüchternen Motive für seine bemüht provokativen Aktionen.

(Ein Südtiroler Bekannter von mir hegt hingegen den Verdacht, dass Herr Lunger in Wirklichkeit ein Aktionskünstler ist, ein Südtiroler Hermes Phettberg, ein Nitsch, ein Wiener Aktionist, nein, schlimmer, besser noch: Früher oder später wird Herr L. den Schleier lüften und wir alle, die wir auf ihn hereingefallen sind, sind dann im Museum for Contemporary Art Tokyo oder New York ausgestellt, und in einer spektakulären, finalen Aktion vermischt er unsere Briefe mit vor dem Publikum produzierten Kot, überschüttet dies alles nun mit Alkohol, zündet es an, und, während das ganze Gemisch noch brennt, stopft er es sich in den Mund und isst es, und er beginnt von innen zu verbrennen, und, da er sich über eine Ice-Bucket-Challenge-Vorrichtung noch in den letzten Atemzügen mit mehreren Litern hundertprozentiger Salzsäure überschüttet, geht er schlussendlich in Rauch auf – und zurück bleibt: Stille. Leere. Nichts.)

Verehrter Herr Dr. Überbacher, es ist nicht mein Geld, mit dem Sie Herrn Lunger fördern, sondern das Geld Ihrer Stiftung, und Sie dürfen damit machen, was Sie wollen oder was Ihre Stiftung will, doch erlauben Sie mir zu sagen, dass mir Ihre Entscheidung unerklärlich ist, unabhängig davon, ob es sich bei Monsieur L. um einen jenseitsgeilen Savonarola handelt oder um einen ruhmgeilen Aktionisten mit Hang zur Selbstverstümmelung. Lassen wir nicht die Zeit ein Urteil fällen, sondern mischen wir uns – sofern wir die Möglichkeit haben; Sie haben sie, ich habe sie – in die Gesellschaft ein und gestalten sie mit. Verteidigen wir den Pluralismus und die Demokratie, und sagen wir zu Kotkunst auch mal klar und deutlich, dass es sich hier wohl eher um Kot denn um Kunst handelt. 

 

Mit besten Grüßen 

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Kommentare

Bild des Benutzers Écrasez l'infâme !
Écrasez l'infâme ! 12.03.2015, 19:04
Anmerkung 1: Der hier wiedergegebene Brief ist minimal gekürzt. Anmerkung 2: Wer sich für den dubiosen Ein-Mann-Verein bzw. dessen Erfinder interessiert: http://www.tageszeitung.it/2013/02/24/gebremster-sittenwachter/; http://fmkompakt.de/File0240.PDF
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Mensch Ärgerdichnicht 12.03.2015, 21:24
Wer hat den Brief geschrieben, du?
Bild des Benutzers Écrasez l'infâme !
Écrasez l'infâme ! 13.03.2015, 06:58
Gut möglich ;-) Was sagst du dazu?
Bild des Benutzers Mensch Ärgerdichnicht
Mensch Ärgerdichnicht 13.03.2015, 10:36
Mir kam nur der Zweifel weil du geschrieben hast der Brief wurde gekürzt. Ich glaube Meinungsfreiheit steht über alles, außer sie Ruft direkt oder indirekt zur Gewallt, aber ich muss zugeben dass an der Kritik in diesem Fall viel dran ist.
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Sabina Frei 13.03.2015, 08:42
„(Ein Südtiroler Bekannter von mir hegt hingegen den Verdacht, dass Herr Lunger in Wirklichkeit ein Aktionskünstler ist, ein Südtiroler Hermes Phettberg, ein Nitsch, ein Wiener Aktionist, nein, schlimmer, besser noch: Früher oder später wird Herr L. den Schleier lüften und wir alle, die wir auf ihn hereingefallen sind, sind dann im Museum for Contemporary Art Tokyo oder New York ausgestellt, und in einer spektakulären, finalen Aktion vermischt er unsere Briefe mit vor dem Publikum produzierten Kot, überschüttet dies alles nun mit Alkohol, zündet es an, und, während das ganze Gemisch noch brennt, stopft er es sich in den Mund und isst es, und er beginnt von innen zu verbrennen, und, da er sich über eine Ice-Bucket-Challenge-Vorrichtung noch in den letzten Atemzügen mit mehreren Litern hundertprozentiger Salzsäure überschüttet, geht er schlussendlich in Rauch auf – und zurück bleibt: Stille. Leere. Nichts.)“ Was kann einer besseres passieren, als einen anstrengenden Tag in einer anstrengenden Woche eines anstrengenden Monats mit einem lauten Lachen zu beginnen. Merci :-)
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