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Am 5. August sendete die ARD einen Beitrag über das von Pflanzenschutzmitteln verursachte Bienensterben.

Bienensterben

Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet...

Andreas Platzer, Fachberater für Bienenzucht, über das Bienensterben in den USA, die Pestizidverbote und über bemerkenswert laxe Zulassungsbestimmungen.
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Im vergangenen Winter 2013/14 ist in den USA fast ein Viertel der Bienenvölker gestorben. Die US-amerikanische Regierung hat eine Taskforce eingesetzt, um das Rätsel zu lösen. Denn immerhin stehen Milliardenumsätze in der amerikanischen Landwirtschaft auf dem Spiel. Wie ist das in Europa und in Südtirol?

Herr Platzer, wie geht es den Bienen in Südtirol?
Andreas Platzer: In Südtirol kann momentan von dem massiven Sterben keine Rede sein, das anderswo beobachtet wird. Das Bienensterben durch gewisse Krankheitserreger, welches in den USA und Spanien ein großes Problem ist, ist bei uns absolut nicht zu beobachten.

Im Film "More Than Honey" bekommt man den Eindruck, die Situation in den USA sei wirklich dramatisch…
In den USA läuft in der Tat einiges schief, da wird im Film sogar untertrieben. Ein großes Problem ist dort die genetische Verarmung, infolge derer zahlreiche Bienen sterben. Fünf Bienenzuchtbetriebe züchten die Königinnen für alle US-amerikanischen Imker. Darüber hinaus existiert ein absolutes Importverbot für ausländische Bienen.

Der Bauer kann häufig nichts dafür, er verlässt sich und ist oft verlassen.

Und in Südtirol?
In unserem Land gibt es 120 Züchter, bei etwa 3.000 Imkern. Die genetische Vielfalt ist also vorhanden, wie eigentlich in ganz Europa.

Derzeit wird zunehmend von Pestiziden und anderen chemischen Mitteln berichtet, die den Tod zahlreicher Bienen verursachen.
Auch bei uns gibt es da gewisse Schwierigkeiten. Wir haben öfters Proben genommen und Situationen aufgedeckt, wo Pestizide in der Tat für das Absterben der Bienen verantwortlich waren. Es sind meist die Flugbienen, die durch die giftigen Mittel in ihrer Orientierung gestört werden und nicht mehr zum Stock zurück kehren.

Ein Pestizidverbot ist eine utopische Vorstellung. Solange wir Konsumenten nicht bereit sind, auch mal einen 'etwas weniger schönen' Apfel zu kaufen, ist ein solches Verbot absolut unvorstellbar.

Die Situation ist also nicht bedenklich?
Das Problem existiert und soll auch nicht unter den Tisch gekehrt werden. Die Bienen haben in Südtirol jedoch mehr Ausweichflächen als zum Beispiel in Gegenden, wo massiv Raps angebaut wird. Aber von "ungeklärtem Bienensterben" wie in den USA kann bei uns keine Rede sein. Allerdings ist die Situation für die Imker im Burggrafenamt teilweise dramatisch. Dort wird ganz viel gegen den Besenwuchs gespritzt.

Niemand traut einem Bauer, der nachts Spritzmittel verteilt. Hier braucht es die Hilfe der Medien zur Aufklärung.

Wie geht der Imkerbund mit solchen Interessenskonflikten um?
Klarerweise gibt es Diskussionen mit den Obstbauern und wir sind uns alle der Schwierigkeiten bewusst. Aber die Probleme müssen gelöst werden, sonst wird es gefährlich werden. Wir müssen sofort Lösungen finden.

Wäre ein absolutes Pestizidverbot Ihrer Meinung nach eine solche Lösung?
Ein Pestizidverbot ist eine utopische Vorstellung. Solange wir Konsumenten nicht bereit sind, auch mal einen 'etwas weniger schönen' Apfel zu kaufen, ist ein solches Verbot absolut unvorstellbar.

Was wäre ein realitätsnäherer Ansatz?
Die Ausbringungstechnik etwa, da könnte sehr wohl etwas gemacht werden. Wenn die Spritzungen zum Beispiel nachts erfolgen, dann sind die Apfelblüten geschlossen und somit wird die Kontaminationsfläche verringert. Um 80 bis 90 Prozent. Außerdem ist das Präparat, sobald es getrocknet ist, nicht mehr toxisch.

Es muss also ein Kompromiss gefunden werden?
Richtig, ein Verbot käme einer Mauer gleich. Wir hingegen suchen den Dialog. Der Schutz der Apfelanlagen soll ja gewährleistet werden. Und kein Bauer spritzt Pestizide mit der Absicht, die Bienen zu töten.

Aus welchen Gründen ist ein solcher Kompromiss bisher nicht zustande gekommen?
Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das größte Problem die Akzeptanz der Bevölkerung ist. Niemand traut einem Bauer, der nachts Spritzmittel verteilt. Hier braucht es die Hilfe der Medien zur Aufklärung der Menschen.

Das Problem existiert und soll auch nicht unter den Tisch gekehrt werden.

Sind Bedenken bezüglich der Auswirkungen von Pestiziden unangebracht?
So ist es nicht. Das von der EU verhängte Verbot gewisser sehr bedenklicher Pestizide gilt nur für bestimmte Anbaukulturen, in Raumkulturen etwa sind sie immer noch zugelassen. Zudem werden den Bauern auch Präparate untergejubelt, die nur anscheinend Bienen-verträglich sind. Da sind die Zulassungsbestimmungen auch teilweise sehr kurios. Da wird den Bienen ein gewisses Mittel verabreicht und beobachtet, was in den nächsten 48 Stunden passiert. Passiert "nichts bis wenig", wird das Präparat als "ungefährlich" deklariert und darf in den Handel kommen. Passiert "viel", ist das Präparat "gefährlich". Sterben nun aber in der 49. Stunde alle Bienen, ist das Mittel trotzdem "ungefährlich".

Die Schuld ist also bei der Industrielobby und den laxen Zulassungsbestimmungen zu suchen?
Der Bauer kann häufig nichts dafür, er verlässt sich und ist oft verlassen.

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Kommentare

Bild des Benutzers Oskar Egger
Das Schlimme ist der verbreitete Satz "des tuatn nicht"..
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