Christine Baumgartner
Maria Lobis
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Zeichen für die Zeit

Die Weltladen-Pionierin Christine Baumgartner über 40 Jahre Fairer Handel in Südtirol und die Herausforderungen heute.
Von
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Maria Lobis17.10.2020
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Die 76-jährige Christine Baumgartner aus Bruneck ist Säuglingsschwester, Psychologin und Psychotherapeutin. Sie war nicht nur Mitbegründerin des italienweit ersten Weltladens in Brixen, sondern vor 30 Jahren auch die erste Vorsitzende der OEW Organisation für eine solidarische Welt. Maßgeblich war sie am Entstehen des Gesetzes für Entwicklungszusammenarbeit in Südtirol beteiligt.

Wie war das Klima in Südtirol vor 40 Jahren, das dem Fairen Handel Kraft gegeben hat?

Christine Baumgartner: Aufgrund der eigenen Geschichte hat Südtirol den Blick über die eigenen Landes- und Staatsgrenzen hinaus erst spät gewagt. Beziehungen zu fremden Völkern und Kulturen waren lange Zeit von Skepsis und Informationsmangel geprägt. Allerdings war die Bevölkerung aufgrund der eigenen Geschichte politischer und kultureller Unterdrückung als Minderheit sensibel für die Nord-Süd-Problematik und Entwicklungszusammenarbeit. In den 1960er-Jahren haben sich zahlreiche afrikanische Staaten die Unabhängigkeit von den Kolonialmächten erkämpft. Die Ausrufung der UN-Entwicklungs- Dekaden hat Laien ermöglicht, beim Aufbau von Eigenständigkeit im Bildungs-, Agrar- und Sanitätsbetrieb tätig zu werden.

Welche Herausforderungen sehen Sie auf die Weltläden zukommen?

Auch in Europa müssen die Produktionsbedingungen in allen Sektoren verstärkt auf Ökologie, Fairness und Nachhaltigkeit umgestellt werden. Das Modell der Weltläden zeigt, dass Alternativen realistisch und machbar sind. Die Weltläden passen sich an. So arbeitet der in Toblach mit der Geschützten Werkstätte Biedenegg zusammen. Auch die Produkte lokaler bäuerlicher Betriebe haben inzwischen Platz in den Regalen. Sie müssen genauso den strengen Faire-Trade-Kriterien entsprechen wie im Globalen Süden, sind zum Teil biologisch und regional. Darin liegt auch für die Südtiroler Produzent*innen eine Chance: sich ernsthaft mit Herstellungsbedingungen und gerechten Preisen auseinanderzusetzen und einen unverzichtbaren Beitrag für Klimaschutz und Biodiversität zu leisten. Es braucht die Zusammenarbeit vieler Gruppierungen, um die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) bis 2030 zu erreichen. Ich hoffe, dass dieser Weg in eine nachhaltige Zukunft mit verstärkter Gemeinwohlökonomie und Solidar-Landwirtschaft führt.

Wer hat in Brixen beim ersten Weltladen Italiens mitgearbeitet?

Brixen hatte eine sehr aktive KWJ-Gruppe (Katholischer Verein der Werktätigen Jugend). Diese Menschen hatten einen offenen Blick auf die Not in den Ländern des Südens. Der direkte Kontakt zu damaligen Entwicklungshelfer*innen in Afrika und Lateinamerika hat sie motiviert, dort Projekte zu finanzieren und in Brixen nach zwei Jahren Vorbereitungsarbeit 1980 den ersten Weltladen Italiens zu eröffnen. Die zehn Gründungsmitglieder waren Paul Brunner, Josef Eder, Elisabeth Lantschner, Agnes Unterhofer Rainer, Rudolf Kiebacher, Reinhold Pitschl, Paul Ploner, Elisabeth Stockner, Josef Unterholzner und ich.

 

Dieser Beitrag stammt aus der aktuellen Oktoberausgabe der Straßenzeitung zebra.

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Kommentare

Bild des Benutzers Karl Trojer
Karl Trojer 18.10.2020, 10:55

" .....Ich hoffe, dass dieser Weg in eine nachhaltige Zukunft mit verstärkter Gemeinwohlökonomie und Solidar-Landwirtschaft führt." ja, das wäre zu wünschen und es würde sich letztlich für Alle lohnen !

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