Werbung
Pädagogischer Impuls

Jedes Kind kann mitfühlen

Mama liegt stark erkältet und mit Fieber auf dem Divan. Niemand ist da, der ihr ihre lebhaften Buben abnehmen kann.
Werbung

Also bittet sie die Drei- und Fünfjährigen, heute ganz besonders leise zu spielen. Und tatsächlich, das klappt. Sie spielen vertieft und ohne Streit und Lärm. Ab und zu kommt einer und streichelt die Mama, gibt ein Bussi und bringt ihr sein Lieblingskuscheltier.

 

In jedem Kind schlummert das Talent mitzufühlen.

Sie spüren, wie es dem anderen geht und reagieren entsprechend darauf, ist die erfahrene Autorin von Elternratgebern Christiane Kutik überzeugt. Dies wird bewirkt durch die sogenannten Spiegelneuronen im Gehirn. Wie sich zeigt, ist es allerdings notwendig, diese zu trainieren und zu verstärken. Denn obwohl alle mit dieser Fähigkeit auf die Welt kommen, kann die natürliche Fähigkeit zum Mitfühlen auch abhanden kommen. Landauf, landab berichten Lehrer, wie auf den Schulhöfen selbst dann noch auf den Gegner eingeprügelt wird, wenn dieser längst am Boden liegt. „Die haben heute kein Mitgefühl mehr“, sagt ein erfahrener Pädagoge.

 

Wie kann das Mitgefühl gepflegt, gestärkt und trainiert werden?

Die wichtigsten Vermittler sind auch hier alle nahestehenden Erwachsenen, die sich mitfühlend verhalten, Schmerz und Freude spiegeln können – denn Kinder beobachten sehr genau. Kinder brauchen die Resonanz von Erwachsenen, um selbst ein Gefühl für Situationen zu bekommen.

Was ist, wenn es vor der Spritze beim Arzt Angst hat und die Erwachsenen sagen: „Das ist doch gar nicht so schlimm“, das Kind aber eine gegenteilige Erfahrung macht? Was ist, wenn der beste Freund wegzieht und die Erwachsenen beschwichtigend meinen: „Es gibt ja noch so viele andere nette Kinder“? Was ist, wenn das Meerschweinchen sein Leben ausgehaucht hat und Eltern sagen: „Ach, das macht nichts, wir kaufen dir einfach ein neues?“

Ihr Mitgefühl reift dann, wenn Erwachsene das Kind trösten, wenn es traurig ist. Es einfach in den Arm nehmen und mitfühlen: „Ja, das piekst jetzt und tut weh. Ich halte dich ganz fest.“ – „Ja, ich kann mir gut vorstellen, dass du jetzt traurig bist, wenn dein bester Freund jetzt weit wegzieht.“ – „Ja, das war wirklich ein besonderes Meerschweinchen. Komm, wir machen ihm jetzt ein Grab und verabschieden uns von ihm.“ Erlebtes Mitgefühl stärkt beim Kind die Fähigkeit, selbst mitzufühlen und auf andere einzugehen.

 

Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen helfen, aus Situationen etwas zu lernen.

Wie ist es, wenn das eigene Kind ein anderes verletzt? So wie dieser Siebenjährige, der am Badesee einen Stein nimmt und ihn in eine andere Familie wirft. „Hey!“ ruft der Familienvater dem Jungen zu. Der eigene Vater bleibt auf dem Rücken liegen und sagt: „Geh rüber und entschuldige dich.“ Der Junge geht hinüber und leiert teilnahmslos die Floskel herunter. Gelernt für den Erwerb von Mitgefühl hat er nichts.

Wichtig wäre, wenn der Vater des Jungen nun sofort seine Komfortzone verlässt und am besten mit dem Jungen zur Familie geht und sich gemeinsam mit dem Jungen entschuldigt, aufrichtig und ehrlich – ohne jedoch den eigenen Sohn bloßzustellen oder lächerlich zu machen. Weiters wäre es wichtig, wenn anschließend der Vater unter vier Augen den Jungen auffordert, die Perspektive zu wechseln: „Wie würdest du dich fühlen, wenn einfach jemand einen Stein auf dich werfen würde?“ Am besten: dranbleiben, wirklich im Gespräch bleiben!

 

Mitfühlen, was der andere fühlt, ist eine wesentliche Erziehungsaufgabe.

Kinder brauchen die Resonanz der Erwachsenen, um selbst ein Gefühl für Situationen zu bekommen. Denn Mitgefühl ist ein zentraler Wert, der das Miteinander überhaupt erst lebenswert macht. Es zählt das, was in jeder Familie, in jeder Gemeinschaft vorgelebt wird. Denn Kinder ahmen alles nach.

 

von: Elisabeth Kußtatscher & Astrid Egger

„Genießt euch und eure Kinder!“

Alle Artikel und viele mehr sind im Buch „Genießt euch und eure Kinder!“ von Elisabeth Kußtatscher & Astrid Egger enthalten.
Verlag: editon + plus
Im Handel erhältlich.

www.familie.it
treff.familie@kinderdorf.it

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Werbung
Werbung