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Wahlkampf

Der Wahlkampf hat begonnen

Obwohl der Termin für Neuwahlen nicht feststeht, hat in der zerstrittenen Linken der Wahlkampf schon begonnen.
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Ein Termin für die Parlamentswahlen ist noch nicht in Sicht. Auch der Zeitpunkt der Auflösung des Parlaments im kommenden Jahr ist noch unbekannt. Der Wahlkampf aber ist bereits voll im Gang. Vor allem im zerrissenen linken Lager. Die dabei auftretenden Anomalien lassen nichts Gutes erahnen. So entdeckt Senatspräsident Pietro Grasso erst gegen Ende der Legislatur, dass er sich von der Partei, die ihn ins zweithöchste Staatsamt gehievt hat, nicht mehr vertreten fühlt und kehrt ihr den Rücken: "Il PD era quello di Bersani." Laura Boldrini, Vertreterin des dritthöchsten Staatsamtes, eilt ihm flugs zu Hife und wirft sich mit Verve in den Wahlkampf: "Non ci sono le condizioni per un'alleanza con il PD."

Die zerstrittene Front der linken Puritaner übt sich in täglicher Abgrenzungsstrategie, während der langjährige Parteichef Walter Veltroni vor "divisioni irresponsabili" warnt: "Se si apre una guerra a sinistra saremo tutti più deboli. Dividersi è da irresponsabile e apre un'autostrada per la vittoria del centrodestra."

Auf der Versammlung der geplanten neuen europafreundlichen Linkspartei Campo Progressista scheitert Giuliano Pisapia bei seinem Versuch einer Einigung der Linken: "L'idea di un'autosufficienza rischia di essere un suicidio." 

Die Wortführer der "authentischen Linken" – von Fratoianni über Speranza bis hin zu Pippo Civati und seiner Ein-Prozent-Partei Possiamo sind in allen Punkten uneins und um Abgrenzung bemüht. Was sie zusammenschweißt, ist allein die tiefe Abneigung gegen Parteichef Renzi. Dafür nehmen sie auch das Risiko in Kauf, das Aldo Cazzullo im Corriere beschwört: "I mille coriandoli in cui si è frammentata la sinistra rischiano di essere dispersi al vento."

Die eindringlichen Appelle von Veltroni und Prodi verhallen ungehört. Bleibt die in anderen Ländern kaum vorstellbare Anomalie, dass die zur Überparteilichkeit verpflichteten Präsidenten von Kammer und Senat den Wahlkampf für einen Urnengang eröffnen, dessen Termin gar nicht bekannt ist.

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