Fashion
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Textilbranche

Fast Fashion "Müll"

Auswirkungen der Fast Fashion Mode und was wir anders machen können.
Community-Beitrag von Andreas Ploner14.03.2021
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Um unsere soziale und ökologische Umwelt steht es nicht gut. Oder wie es ein Mädchen aus Schweden ausdrückt: „unser Haus (unsere Welt) brennt“. Die Textilbranche ist nach der Erdölindustrie die „schmutzigste“ Industrie für die Umwelt. Insbesondere die rasant wachsende Fast Fashion Mode (= als „Wegwerfmode-Konsum“ produzierte Kleidung) einiger globaler Handelsketten und Onlinehändler verschärft dieses Problem außerordentlich. Die Herstellung und Weiterverarbeitung der Textilproduktion erfolgt hauptsächlich in Billiglohnländern, meist aus dem südostasiatischen Raum oder aus Afrika, ohne den (mit Europa) vergleichbaren Arbeits- Sozial- und Umweltstandards.

Ziel der Fast-Fashion-Industrie bzw. der großen Handelsketten ist folgendes: möglichst viel Kleidung möglichst schnell an möglichst viele Leute zu verkaufen. Das heißt: möglichst billigst produzierte Massenware muss in immer kürzeren Gebrauchszyklen an möglichst viele zum Konsum angetriebene Abnehmer vermarktet werden. Die Folgen sind ökologische Zerstörung, soziale Ausbeutung und Versklavung, Entmündigung der Konsumenten/Kunden und wirtschaftliche Entgrenzung. Daher ist Fast-Fashion-Bekleidung im Kern in Widerspruch zu nachhaltigem Textilangebot, auch wenn die Marketingflut dies uns anders darstellen möchte. Der Grundsatz „der Preis der Ware sagt wenig über die Qualität der Kleidung aus und viel über den Wert der Marke“, ist bei Fast-Fashion Produkten nicht mehr gültig, da hier nur mehr der Preis zählt.

Welche negativen Auswirkungen hängen mit der Textilproduktion und Vermarktung der Fast-Fashion zusammen?

Umweltfaktoren

Klimawandel

Sowohl die Produktion, der Transport, als auch die Entsorgung (Verbrennung) von Textilien verursachen Treibhausgase. Aktuell ist die Textilindustrie für 8% der Treibhausgasemissionen weltweit verantwortlich (Schätzungen für 2050 sind bei 25%). Beispiel: die Herstellung von 1 kg Jeans verursacht 23 kg Treibhausgas.

Hoher Wasserverbrauch

Durchschnittlich sind für die Erzeugung für 1 Tonne Stoff circa 200 Tonnen Wasser nötig. Die Auswirkungen können wir am folgenden Beispiel erkennen: durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung (hauptsächlich für die Produktion/Erzeugung von Baumwolle) ist einer der größten Seen der Welt, der Aralsee, so gut wie ausgetrocknet. Übrig bleibt eine Salzwüste, die auch die umliegenden Landstriche verwüstet.

Wasserverschmutzung

Diese Industriebranche ist verantwortlich für 20% der weltweiten industriellen Wasserverschmutzung (durch chemische Färbung; Bleichen; usw.). Die Chemikalien verseuchen Flüsse und Trinkwasser mit gravierenden Folgen für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen und Lebewesen.

Plastikmüll

Die Textilindustrie ist der größte Verursacher von Plastikmüll. Mittlerweile sind ca. 70% der Textilfasern aus Plastik, und davon hauptsächlich aus dem billigen Polyester. Durch das Waschen der „Plastikkleidung“ gelangen Unmengen an Mikroplastik (der Abrieb beträgt circa 5% - 20% der Kleidung) in unsere Meere und Felder. Über die Nahrungsaufnahme gelangt dieses Plastik (Weichmacher, „BPA“) in unseren Organismus mit entsprechenden Gesundheitsrisiken. Bildlicher Vergleich/Schätzung der Wissenschaft: die Menge des Plastikmülls in unseren Meeren lässt sich mit einer Insel so groß wie Europa vergleichen.

Verwendungsdauer

Die Verwendung der Textilien/Kleider hat sich in den letzten 15 Jahren halbiert und die Produktion hat sich verdoppelt. Rund 50% aller Fast-Fashion-Bekleidung wird nach maximal einem Jahr wieder entsorgt.

Entsorgung

Das Recycling von Textilfasern ist nur bei reinen Materialien (z.B. 100% Baumwolle) möglich. Mischfasern können nicht bzw. schlecht recycelt werden. Aktuell wird nur 1% der Bekleidung recycelt und daher landet der Großteil des Textilabfalles früher oder später in Deponien oder er wird verbrannt. Aktuell produzieren wir pro Jahr 400 Millionen Tonnen an Textilmüll.

Artensterben

Lebensraumzerstörung, Wasserverschmutzung, Mikroplastik und Klimawandel durch die Textilindustrie tragen zum vermehrten Artensterben bei.

Soziale Faktoren

Kinderarbeit

In zahlreichen Ländern arbeiten Kinder zwischen 5 und 14 Jahre für die Herstellung und das Besticken der Stoffe bis zu 14 Stunden am Tag. Die Arbeitsbedingungen sind miserabel und teilweise sind sie auch gefährlichen Maschinen und Chemikalien ausgesetzt.

Sklavenarbeit

Die Produzent*innen unserer Kleider sind strukturell zu menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen gezwungen. Der Lohn liegt oft unter der Existenzgrundlage. Beispiel: 80 Stunden pro Woche und ein Monatslohn von 80 € in Sri Lanka bzw. 10 € in Bangladesch.

Gesundheits- und Sicherheitsstandards        

Gefährliche Substanzen, schlechte Bedingungen am Arbeitsplatz und keine Absicherungen (Versicherungen) führen zum Ausscheiden aus dem Arbeitsleben aufgrund von Krankheiten und Gesundheitsproblemen schon vor dem dreißigsten Lebensjahr. Aufgrund der fehlenden Sicherheitsstandards stürzte zum Beispiel im Jahr 2013 das Rana-Plaza-Gebäude ein (eine Textilfabrik in Bangladesch), begrub die Näherinnen unter sich und forderte mehr als 1.100 Todesopfer.

Verlust lokaler/traditioneller Arbeitsplätze  

In Sonderverwaltungszonen für den Export werden die Textilien von Subunternehmern der großen Handelsketten hergestellt und diese führen so zum Verlust traditioneller lokaler Arbeitsplätze, die in der lokalen Wirtschaft eingefügt waren.

Fehlende unternehmerische Verantwortung

Die großen Handelsketten, die uns die Waren verkaufen, entziehen sich der Verantwortung für die Produktionsbedingungen, welche von Ihnen indirekt diktiert werden.

Armut

Die dominierende Stellung und die wirtschaftliche Macht der großen globalen Textilfirmen vergrößern die wirtschaftlichen Ungleichheiten und die Armut in der Welt.

Entmündigung und Scheinentzug von Verantwortung

Greenwashing

Die globalen Textilunternehmen versuchen uns auf verschiedenster Art und Weise ihre Produkte als sozial und ökologisch nachhaltig darzustellen, obwohl sie es nicht sind. Der kaufwillige Konsument lässt sich damit aber gern in die Irre führen, damit er ruhigen Gewissens das Schnäppchen machen kann.

Lifestyle

Die Werbung der Textilwaren verkauft uns diese nicht mehr als Produkt mit einem gewissen Zweck und den dazugehörenden Eigenschaften, sondern als Lebensgefühl und Emotionen, mit denen wir uns identifizieren können. Damit wird aber das Bewusstsein für das Produkt und was damit zusammenhängt verloren. Mit dem Kauf eines Produktes tragen wir aber auch einen Teil der Verantwortung.

Onlinekauf

Insbesondere in diesem stark wachsenden Segment ist der Bezug zur Ware nur mehr im geringen Maße vorhanden. In der virtuellen Welt wird gekonnt unser „Belohnungssystem“ im Gehirn für einen Kaufimpuls ausgenutzt, damit wir uns mit den Kleidern ein Selbstbildnis zulegen können, das wir zeigen können, um dazuzugehören. Mit einer Shopping-App (jeder zweite besitzt eine) kann ich, ohne lange darüber nachzudenken, Ware bestellen, die mir innerhalb kürzester Zeit über Paketzusteller geliefert wird. Soziale Ausbeutung der Lieferanten (prekäre Arbeitsplätze mit geringem Lohn) und zusätzliche Umweltbelastung durch die Zustellung (Verkehr, Verpackung, ...usw.) sind weitere negative Faktoren, die mit dem Onlinehandel zusammenhängen.

Informationsflut- bzw. -mangel

In der hektischen und mit ständigen Reizen überfluteten Welt besteht ein (gewollter) Mangel an Informationen über das zu erwerbende Konsumprodukt. Da das Hinterfragen für uns zu aufwendig ist, blenden wir alle Zweifel aus und glauben den Versprechungen der Werbung.

Was können wir als mündige Kunden tun?

Bewusste Kaufentscheidung

Ich hinterfrage meine Bedürfnisse und setze mich mit dem Produkt auseinander. Ich sollte nur etwas kaufen, von dem ich überzeugt bin. Dabei helfen mir ein paar Fragen, die ich mir stellen kann:

  • Wie oft werde ich die Kleidung anziehen?           
    „Billige“ Kleidung wird oft nur deswegen gekauft, weil sie wenig kostet. Diese landet dann womöglich im Kleiderschrank und wird selten getragen. Ein überzeugter Kauf meines „Outfits“, das ich dreimal sooft trage ist schlussendlich günstiger, auch wenn es doppelt so viel kostet.         
     
  • Wie lange wird diese Kleidung halten?           
    Wenn ich auf Qualität achte, dann werde ich länger eine Freude mit meinem Kleidungsstück haben. Es dauert auch länger, bis ich es entsorgen muss und schadet somit weniger der Umwelt. Zur Beurteilung der Qualität begutachte ich das Material, die Nähte, den Geruch der Kleidung und informiere mich womöglich auch über den Hersteller. Kenne ich den Hersteller bzw. habe ich schon gute Erfahrungen mit seinen Produkten?
     
  • Brauche ich das?       
    Handelt es sich um ein dringend benötigtes Kleidungsstück oder um etwas „Extravagantes bzw. Besonderes“, das ich nur für besondere Ereignisse brauche? 
    Ich verschaffe mir einen Überblick über meine Bekleidung und sortiere sie. Eventuell kann ich auch den Inhalt meines Kleiderschrankes auf jene Teile reduzieren, die ich effektiv benutze. Tipp: mit zeitlosen, leicht kombinierbaren Stücken kann ich meinen eigenen persönlichen Stil kreieren.

Reparatur und „Upcycling“

Zur Verlängerung der Nutzungsdauer gehört sowohl die richtige Pflege (schonend waschen bzw. lüften), als auch die Reparatur der „leicht“ beschädigten Garderobe. Mit kleinen Eingriffen können einzelnen Stücke noch lange getragen werden.

Ein neuer Trend ist das sogenannte „Upcycling“. Hier werden alte bzw. nicht mehr verwendete Kleidungsstücke „aufgewertet“. Es werden neue hochwertige Kleidungsstücke kreiert.

„Fair Trade“ und Gütesiegel

Der Fair Trade Handel garantiert den Produzenten einen „gerechten“ Preis. Die „partnerschaftliche“ Beziehung zwischen Erzeugern und Händlern ermöglicht die Einhaltung vorgeschriebener Umwelt- und Sozialstandards. Zusätzlich gibt es in der Textilbranche noch eine Vielzahl von verschiedenen Siegeln, die Qualitäts- und Umweltstandards garantieren wollen. Die Auswahl ist groß, anbei ein zwei Beispiele:    

  • „Naturtextil IVN zertifiziert BEST“ zertifiziert die gesamte Produktionskette mit Einhaltung hoher Umwelt und Sozialstandards, Qualität und Haltbarkeit.
  • GOTS Siegel (Global organic textile standard) mit strengen ökologischen Kriterien.

Konsumverzicht

Nach dem Motto „weniger ist mehr“ verlasse ich das Hamsterrad aus Konsum und Geldverdienen. Ich löse mich vom Zwang, meinen Konsumrausch befriedigen zu müssen, lasse mich nicht von Angeboten unter Druck setzen und erfreue mich an wenigen bewussten Kaufentscheidungen.

Alternativen

Second Hand 

Es muss nicht immer alles neu sein. Heute finde ich vermehrt auch Geschäfte, in denen ich bereits getragene Kleidung im guten Zustand und zu einem günstigen Preis finde.

Kleiderkammern

In unsereren Kleiderkammer kann ich gut erhaltene Kleidungsstücke abgeben bzw. auch mitnehmen.

Tauschen und schenken

Vereinzelt werden heutzutage auch Tauschpartys organisiert, wo man Kleider anprobiert und gegenseitig tauscht. Auch der „alte“ Brauch, wo man gut erhaltene aber nicht mehr genutzte (Kinder)-bekleidung an Bekannte schenkt, die diese noch gebrauchen können, sollte genutzt und ausgebaut werden.

Schlussbemerkung

Abschließen möchte ich mit einer kleinen Bemerkung zum aktuellen Modebegriff der Nachhaltigkeit: Nachhaltig ist nicht das einzelnen (Konsum-) Objekt, sondern der persönliche Lebensstil!

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Kommentare

Bild des Benutzers Georg Lechner
Georg Lechner 15.03.2021, 17:43

Es ist daher wichtig, auf ein (von der Unternehmerseite heftig bekämpftes) Lieferkettengesetz zu drängen.

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