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Ölpreis

Coronavirus: Ölpreis auf Talfahrt

Sinkende Nachfrage wegen des Coronavirus hat dem Ölpreis stark zugesetzt. Gescheiterte Verhandlungen der OPEC und Russlands haben zu noch stärkerem Preisverfall geführt.
Community-Beitrag von Monika Psenner16.03.2020
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Als Folge der Coronavirus-Epidemie ist die Nachfrage nach Öl in China schon seit Jänner so stark gesunken, wie es seit der Finanzkrise 2008/2009 nicht mehr der Fall war. Auch der Ölpreis ist seit Jänner kontinuierlich gefallen. Inzwischen hat sich das Coronavirus weltweit verbreitet und der Ölverbrauch ist in vielen Ländern zurückgegangen. Vor allem im Transportsektor ist die Nachfrage nach Erdölprodukten stark gefallen: der Schiffsverkehr verzeichnet starke Rückgänge, viele Fluggesellschaften haben einen großenTeil ihrer Flüge gestrichen, wegen Restriktionen in vielen Ländern sind weniger Autos auf den Straßen. Aber auch viele andere Wirtschaftsbereiche, wie z.B. die vom Coronavirus stark betroffene Tourismusbranche tragen zum Rückgang des Erdölverbrauchs bei.  Laut Prognose der Internationalen Energie Agentur (IEA) wird es 2020 weltweit zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2008/2009 keine Steigerung, sondern eine Verringerung des Ölverbrauchs geben.

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Von Anfang Jänner bis Anfang März sank der Ölpreis von fast 70 US$ pro Barrel auf circa 45 US$ pro Barrel, das ist ein Rückgang von circa 25%. Die Wirtschaftsprognosen für 2020 wurden wegen der negativen Folgen des Coronavirus auf die Wirtschaft nach unten revidiert. Um den Verfall des Ölpreises zu stoppen trafen sich die großen Ölproduzenten der OPEC und Russland am 5. März 2020, mit dem Ziel durch Fördermengenkürzungen das weltweite Ölangebot zu verknappen. Doch es kam zu keiner Einigung. Russland war nicht bereit seine Ölproduktion zu kürzen. Daraufhin erklärte Saudi-Arabien, dass es seine Ölproduktion um bis zu 2,5 Millionen Barrels pro Tag erhöhen und die Förderkapazität auf bis zu 13 Millionen Barrels pro Tag ausweiten werde. Das bedeutet, dass zur schwachen Nachfrage noch ein zusätzliches Überangebot an Öl hinzukommen wird. Der Markt reagierte umgehend und es kam am 9. März, dem sogenannten schwarzen Montag, zu einem dramatischen Preiseinbruch. Der Ölpreis (Brent*) sank von 45 US/Barrel auf 35 US$/Barrel, ein Rückgang von weit mehr als 20%. Der Ölpreis ist an einem Tag prozentual so stark eingebrochen, wie seit dem Golfkrieg im Jahr 1991 nicht mehr. An den folgenden Tagen erholte sich der Preis leicht, doch dann verkündeten mehrere OPEC Länder, wie Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Irak, dass auch sie ihre Ölproduktion steigern würden, um ihre Marktanteile zu vergrößern. Der Markt reagierte prompt mit einem weiteren Preisrückgang am Donnerstag, erst am Freitag stabilisierte sich der Preis wieder auf einem niedrigen Niveau von 35 US$ pro Barrel. Präsident Trump hat angekündigt, dass die USA zur Stützung der Ölpreise in den kommenden zwei Wochen 77 Millionen Barrel Rohöl auf dem Markt zur Aufstockung der „Strategischen Ölreserven" (SPR) des Landes kaufen werden.

Wenn der Kampf um Marktanteile unter den großen Ölproduzenten weitergeht und das Überangebot am Markt bestehen bleibt, werden die Ölpreise weiterhin auf niedrigem Niveau bleiben.

 

Eine „Schwarze Woche“ für die Börsen

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Am so genannten Schwarzen Montag, dem 9. März, kam es zu massiven Kursverlusten an den Börsen. Der Dow-Jones-Index an der New Yorker Börse verlor über 7,8%, ähnlich hohe Einbußen verzeichneten die anderen wichtigen Börsenindizes, wie der Nikkei in Tokyo, der SCI in Shanghai, der FTSE in London und der deutsche Dax. An den folgenden Tagen erholten sich die Börsen ein wenig, bevor es am Schwarzen Donnerstag, den 12. März zu einem noch massiveren Einbruch kam, dem stärksten Rückgang seit 1987.  Der Dow Jones verlor an einem Tag 10%. Es gibt mehrere Gründe für die Börsentalfahrt. Einerseits verstärkt die immer stärkere Ausbreitung des Coronavirus die Angst vor einem weltweiten, wirtschaftlichen Abschwung und einer Rezession, andererseits wirkt sich der massive Preissturz des Ölpreises negativ auf die Börsen aus. Viele Analysten gehen davon aus, dass es auch in nächster Zukunft unruhige Zeiten an den Börsen geben wird.

Die US -Notenbank (Federal Reserve) hat am Sonntagabend, den 15. März den Leitzinssatz um einen ganzen Prozentpunkt auf einen Korridor von 0 bis 0,25 Prozent gesenkt, um die Wirtschaft anzukurbeln. Trotzdem sind am Montagmorgen an der New Yorker Börse und auch an anderen Börsen die Kurse weiter gefallen.

Der renommierte Ökonom Nouriel Roubini** hat in einem Interview am 27. Februar 2020 mit der deutschen Zeitschrift „Der Spiegel“ gewarnt, dass die Börsen zwischen 30% und 40% einbrechen und dass die Folgen des Coronavirus weltweit zu einem wirtschaftlichen Desaster führen würden. Viele Länder, deren Wirtschaft sich schon vor dem Coronavirus-Ausbruch in einer Krise befand, und die stark überschuldet sind, hätten wenig Spielraum mit finanziellen Hilfspaketen der Wirtschaftskrise entgegenzuwirken.

 

Wer sind die Verlierer/Gewinner von niedrigen Ölpreisen?

Ein niedriger Ölpreis trifft die Ölexport-Länder, vor allem diejenigen, deren Wirtschaft zu einem Großteil von Ölexporten abhängig ist. Die reichen Golfländer können das Preistief durch hohe finanzielle Rücklagen besser und länger verkraften, aber für ärmere und wirtschaftlich schwache Ölexport-Länder ist der niedrige Ölpreis sehr problematisch. In den USA können die kleineren Schieferölproduzenten bei sehr niedrigen Preisen nicht mehr rentabel produzieren. Schon jetzt kämpfen einige ums wirtschaftliche Überleben.  Auch die großen Ölmultis werden in Folge der niedrigen Ölpreise mit Gewinneinbrüchen rechnen müssen.

Für Autofahrer oder Heizölkunden sind niedrige Ölpreise eine gute Nachricht. Der Industrie, z. B. dem Chemiesektor, wo Öl ein zentraler Grundstoff ist, kommen niedrige Ölpreise zugute.

Für die Entwicklung Erneuerbarer Energien sind niedrige Ölpreise keine gute Nachricht. Die günstige Verfügbarkeit von Öl wird die Weiter-Entwicklung und den Einsatz erneuerbarer Energien weltweit verlangsamen. Laut Internationaler Energieagentur wird der niedrige Ölpreis die Nachfrage nach Elektro-Autos bremsen und die Attraktivität von Effizienz-Maßnahmen im Energiebereich verringern. Die Energiewende wird so verzögert werden.

 

Fazit

Wegen der Coronavirus-Pandemie sind die Aussichten für die Weltwirtschaft schlecht und die Nachfrage nach Öl wird entsprechend schwach sein. Sollte es nicht doch noch zu einer Einigung zwischen Saudi-Arabien und Russland und zu einer Ölproduktions-Kürzung kommen, kann man davon ausgehen, dass die Ölpreise noch länger auf niedrigem Niveau bleiben werden.

*Brent ist der Referenz-Rohölpreis für Europa, während WTI (West Texas Intermediate) der Referenzpreis für Rohöl in den USA ist. Der Referenzpreis wird als Bezugsbasis für die Preise anderer Erdölsorten herangezogen. Brent ist eine Nordsee-Erdölsorte, WTI ist eine in den USA/Texas geförderte Erdölsorte. Die beiden Erdölsorten sind qualitätsmäßig ähnlich, die Preise können aber abweichen, da in Europa und den USA häufig unterschiedliche Markt-Bedingungen herrschen.

** Nouriel Roubini ist Professor an der zur New York University gehörenden Stern School of Business und Gründer und Vorsitzender von Roubini Global Economics LLC, einem Anbieter für Kapitalmarkt- und Wirtschaftsinformationen.  Er warnte vor dem Platzen der amerikanischen Immobilienblase 2007 und war einer der wenigen Wirtschaftswissenschaftler, der die Finanzkrise von 2008/2009 vorausgesagt hat. Hoffentlich hat er diesmal mit seiner Prognose nicht Recht! 

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Kommentare

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Georg Lechner 17.03.2020, 20:52

Russland ist zur Finanzierung seiner Ausgaben auf den Export von Öl und Gas angewiesen, einige OPEC-Staaten übrigens auch. Infolge der Corona-bedingten geringeren Nachfrage steigert Russland die Verkäufe und watscht damit die US-Bemühungen ab, gegen North Stream II Druck zu machen, indem es das umweltschädliche Fracking unrentabel macht und so die USA mit kapitalistischen Methoden bekriegt.

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Rufer Peter 23.03.2020, 13:35

Es wird jetzt auch Zeit, sich hier von all den unnützen und schmarotzenden Kostgängern aus aller Welt zu trennen.

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