Troi Pajan
Martin Ruepp
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Mystische Orte

Der Troi Pajan

Der Troi Pajan, der urgeschichtliche Weg, der sich aus dem Eisacktal direkt in das Herz der Dolomiten zieht, ist von vielen Rätseln umgeben.
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Auf den Spuren mystischer Orte - Teil 6

 

Sein Alter, sein genauer Verlauf und seine Zweckbestimmung lassen sich vielfach nur mehr erahnen. Sein Flair einer fernen Vergangenheit aber macht ihn zu etwas Besonderen.

Der Name Troi Pajan wurde ursprünglich als Heidensteig verstanden, als eine der wichtigen alten Verbindungen, die bereits lange vor der Christianisierung als Fernwege über die Berge zu den Siedlungsplätzen aber auch zu den Heiligtümern führten. Heute wird der Troi Pajan eher als Pfad der Landbevölkerung oder als wilder, unwegsamer Steig übersetzt, was für einige seiner Abschnitte sehr zutreffend ist. Der Weg selbst entstand irgendwann nach dem Ende der letzten Eiszeit, als sich vor ca. 15.000 Jahren die Gletscher zurückgezogen hatten, die Vegetation langsam wieder Land eroberte und Wild als auch Mensch sich Pfade durch die Bergwelt bahnten.

Auf der Hauptroute, die sich wie ein Halbring durchs Grödental zog, bildeten sich mehrere Abzweigungen, vergleichbar einem ausgedehnten Straßennetz, das die Erreichbarkeit in alle wichtigen Richtungen ermöglichte. So entstand ein Verbindungsweg ins Villnößtal, zum Pic und zum Lech Sant, über das Langen- oder das Chedultal nach Kolfuschg ins Gadertal oder vom Sellajoch ins Fassatal. Als Teil eines uralten Wegenetzes durch die Alpen verband der Troi Pajan auch das südliche und das nördliche Alpenvorland miteinander.

Wenn vieles aus heutiger Sicht auch im Bereich der Spekulation liegt, ist doch sicher, dass der Troi Pajan schon deshalb sehr früh von Bedeutung war, weil man auf ihm vor allem die hochgelegenen Gebiete erreichen konnte. In einer Sage finden wir Hinweise auf alte Siedlungen, Wege und Straßen, welche mit erheblichem Aufwand angelegt und teilweise auch gepflastert gewesen sein müssen, und vielleicht sogar auf den Troi Pajan.

Dort, wo die mittelsteinzeitlichen Jäger vorbeikamen, hinterließen sie Spuren ihres wichtigsten Rohstoffs: Silex. Aus diesem glasartigen, von weither gebrachten Stein fertigten sie rasiermesserscharfe Werkzeuge und Waffenspitzen, welche sie für die Jagd und für handwerkliche Arbeiten brauchten. In früherer Zeit verwendeten sie nur winzige Schneiden und Spitzen, sogenannte Mikrolithen, welche sie in Feinarbeit und mit unglaublichem Geschick mit Birkenpech auf einen Hartholzstab klebten.

Die Schmalheit des Troi Pajan von weniger als einem Meter schloss einen Warentransport mit Zugtieren und Karren aus und war aufgrund der für Tiere unüberwindbaren Barrieren als Saum- oder Viehweg oder gar für militärische Zwecke ungeeignet. Dazu wurde wohl der ebenfalls alte und parallel in Talnähe verlaufende Poststeig genommen, der die Siedlungen auf angenehm breiter Straße miteinander verband. Im Gegensatz dazu blieb der Troi Pajan auf immer derselben Niveaulinie von etwa 1.800 Metern und nahm sogar Umwege in Kauf, um diese Höhe halten zu können. Vielleicht hing dies mit der ursprünglich tiefer liegenden Waldgrenze zusammen, die erst ab dem 11. Jahrtausend v. Chr., als die Temperaturen auf ein wärmeres Klimaniveau anstiegen, höher kletterte?

Der Troi Pajan war jedenfalls die schnellstmögliche Verbindung vom mittleren Eisacktal zu einigen alten Heiligtümern. Dies legt nahe, dass die Kultorte auch Menschen aus anderen Tälern bekannt waren und vermutlich irgendwann eine überregionale Bedeutung hatten. Darin könnte ein wichtiger Grund für seinen rätselhaften Verlauf liegen.

Heute noch charakterisieren fantastische Ausblicke auf die Felsentürme der Dolomiten, unberührte Waldlandschaften, gewaltige Steinstürze und bezaubernde Almwiesen diesen vorzeitlichen Höhenweg und begleiten uns auf eine Reise weit zurück in die Steinzeit, als erste Menschen sich in ein neues Gebiet wagten, um es für sich und jene, die ihnen nachfolgen sollten, zu erschließen.

 

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