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Medienpolemik

Die SVP spricht zum Volk

Ich gebe es gerne zu: Bei der Informationslage der letzten Tage begann auch ich, besorgt mitzuhysterieren. Mangels Info aus erster Hand.
Kolumne von
Bild des Benutzers Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher17.03.2015
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In diversen Kommentaren, hier auf Salto und auch anderswo, habe ich mich öffentlich zu meinem Informationsnotstand bekannt. „Blamiert“ könnte man es auch nennen, aber ich denke, dass aus dieser informativen Hilfslosigkeit Essentielles herauszulesen ist. Bin ich da etwa exemplarisch?

Es wurde uns jahrzehntelang abverlangt, Leute wie Thaler-Ausserhofer, Riz, Durnwalder, Peterlini usw. als unumstößliche Experten für Autonomie und Rompolitik anzuerkennen. Eine Expertise, die auch im Rentenskandal kaum verloren gegangen sein kann, genau so wenig wie der Glauben darin. Geändert hat sich vielmehr die mediale Kommunikation. In Zeiten, in denen Renzi täglich twittert und Grillo über seinen Blog eine Bewegung koordiniert, können unsere politischen Vertreter nicht ernsthaft erwarten, dass freundlich gesinnte Medienhäuser die notwendige Öffentlichkeitsarbeit wunschgemäß erledigen. Offensichtlich haben sich da die „Alten“ wie die „Mittelalten“ irgendwie verschätzt.

Folgerichtig ist in der jüngsten Debatte um Verfassungs- und Autonomiereform ein Informationsvakuum entstanden. Bedauerlich, nervenaufreibend und komplett sinnlos. Zum Glück hat die SVP dann doch noch reagiert und einigermaßen souverän die Flucht nach vorne ergriffen und via Pressekonferenz ein Communiqué veröffentlicht.

Die SVP sprach zum Volk, und plötzlich wusste ich, was ich in den vergangenen Monaten vermisst hatte: Firme, nachlesbare Statements in zusammenhängenden Sätzen, die direkt an die Öffentlichkeit gerichtet waren! Ja, genau daran hatte ich gelitten: Am Wildwuchs von hier und da gestreuten Halbgedanken, die von denjenigen, die sie medial weiterverarbeiteten, selbst genau so wenig verstanden wurden wie von mir.  

Ja, was den SVP Parlamentariern fehlt, ist der direkte Draht zur Bevölkerung. Mit gelegentlichen Tweets oder Facebook-Dreizeilern ist der Job noch nicht gemacht. Selber schuld, wer sich vom Medienhaus abhängig macht. 

Francesco Palermo ist um den direkten Draht sichtlich bemüht. Auf seinem Blog und hier auf Salto. Florian Kronbichler auf seine Weise auch. Herbert Dorfmann lässt aus Brüssel berichten (auch wenn sein Kalender sämtliche Veranstaltungen im Bellunesischen stets hartnäckig verschweigt).

Nur die SVP Parlamentarier und Abgeordneten in Rom haben meines Wissens den direkten Draht noch nicht entdeckt. Unsere Abgeordnete Renate Gebhard sei als löbliche Ausnahme nicht unterschlagen, nur sind Mitteilungen im PR-Stil, die in der dritten Person verfasst sind, noch nicht genau das, was ich meine.

Es bedarf bekanntlich keiner besonderen Computer-Affinität, um ein Wordpress zu schmeißen. Vermeidung von Medienkampagnen und anderen Missverständnissen sollte etwas Zeit und Mühe alleweil wert sein. Und warum eigentlich ist die SVP so gut wie die einzige Partei, die sich (zumindest mit Klartextnamen) dem Dialog mit der Community hier auf Salto komplett verweigert?

Möge das Geschehen der letzten Tage eine Lehre sein: Ein Communiqué ist ein Alltagsjob, darf keine quälende Ausnahme mehr sein. Vorleistung bei der Information ist besser als nachträgliches Krisenmanagement.

SVPler, herunter vom Ross und sprecht zu eurem Volk! Zeitnah. Kontinuierlich. Direkt. Persönlich.

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Kommentare

Bild des Benutzers Gabriele Di Luca
Gabriele Di Luca 18.03.2015, 22:02
Ottimo pezzo, Benno. Purtroppo, come diceva Hölderlin, die Gewohnheit ist die mächtigste Göttin. E la quotidiana ed esclusiva lettura del Dolomiten, purtroppo, è per molti sudtirolesi un'abitudine ancora troppo radicata.
Bild des Benutzers Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher 18.03.2015, 22:43
Visto che ti piace Hölderlin, Gabriele: "Es ist nichts so klein und wenig, woran man sich nicht begeistern könnte." E se sia il pubblico non pagante di salto o diciamo quello online: conviene :-)
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Maximilian Benedikter 20.03.2015, 10:40
Ich wuerde mich als Leser auch freuen, wenn Zeller, Schullian und Gnecchi hin und wieder einen Gastbeitrag aus Rom auf Salto erstellen wuerden. Wir, Suedtiroler, sind mittlerweile reif mit unterschiedlichen Positionen umzugehen. Das sind unsere Parlamentarier, die unser Schicksal bestimmen.
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