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Hannah-Arendt-Zitat drüber und fertig?

"Entschärfung" des Piffrader-Reliefs am Gebäude des Finanzamtes

Die Medien widmen der Überblendung der Bildbotschaften des faschistischen Regimes am Piffrader-Relief mehr Aufmerksamkeit als der Historisierung.
Community-Beitrag von Karl Gudauner17.09.2016
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Deren Kern liegt jedoch in der Information. Im Januar 2011 unterzeichneten Historiker und Historikerinnen einen Appell, in dem sie sich für die Historisierung des Siegesdenkmals und des Piffrader-Frieses am Gebäude des Finanzamtes aussprachen. In der Erklärung heißt es:

Historisierung bedeutet, dass das Siegesdenkmal und das Piffrader-Fries endlich als Zeugnisse ihrer Epoche kenntlich gemacht werden. Ihr totalitärer, auch menschenverachtender Charakter sollte durch eingehende Information erklärt werden: Einheimische und Gäste, vor allem aber Jugendliche sollten vor Ort erkennen, lernen und erfahren können, dass diese Denkmäler von einem Regime stammen, das Krieg, Rassismus und Gewalt als Herrschaftsformen gebilligt hat und diese Monumente zur Verherrlichung dieser Ziele errichten ließ.

Zentral für die Historisierung ist also, dass an den entsprechenden Orten dauerhaft eine umfassende und klare Information bereitgestellt wird. Daran ist sicher schon intensiv gearbeitet worden und darauf sollte sich das Interesse der Medien konzentrieren. Die Projektion eines Hannah-Arendt-Zitats kann in diesem Zusammenhang als eine kreativ-künstlerische Form der Gestaltung der Information betrachtet werden. Sie ist aber letztlich mehr durch den gestalterischen Eingriff und die aktuell sehr häufig genutzten medialen künstlerischen Ausdrucksmittel konnotiert als durch den Informationsgehalt. Ihre spielerische Note ist angesichts des ernstenThemas zulässig, weil sie in einem doppelten Sinne Distanz ausdrückt, zeitlich wie inhaltlich. Durch die Überblendung der massiven Bildbotschaft des Frieses wird eine Distanzierung von den Fakten und den Intentionen des damaligen Regimes erkenntlich gemacht. Ironie ist gewiss ein wirksames Instrument der Dekonstruktion totalitärer Macht- und Denkstrukturen, doch ein solches Gestaltungselement verliert mit der Zeit aufgrund ihres performativen Zuschnitts an Wirksamkeit.

Eine sinnvolle Verbindung zwischen Historisierung und kreativ-künstlerischer Distanzierung des Frieses liegt darin, diese beiden Elemente jeweils getrennt voneinander zur Geltung zu bringen. Die mehrsprachige Information ist in einem nüchternen Rahmen gut sichtbar und daurhaft zugänglich zu machen. Die Projektion des Hannah-Arendt-Zitats könnte auf einen bestimmten Zeitraum beschränkt werden, in dem die gesamte Thematik auf verschiedenen Ebenen aufgearbeitet wird, nicht zuletzt auch mit Bezügen zum heutigen Zeitgeist.

Der kreative Impuls dieser Aktion könnte als Auftakt für eine Reihe von unregelmäßigen, aber wiederkehrenden Initiativen dienen, die die aktive Auseinandersetzung mit der Zeit des Faschismus und seinen Geisteshaltungen in den Mittelpunkt stellen, damit diese nicht allein als einer historischen Epoche zurechenbare Phänomene wahrgenommen werden.

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