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Neuerscheinung

Das Palais Mamming in Meran

Ein Palais als Brennspiegel der Geschichte einer Stadt. Der Museumsverein Meran dokumentiert die wechselvolle Historie des Palais vom Adelssitz zum Stadtmuseum.
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Textauszug aus der "Der Ansitz Steinachheim - Eine Hausgeschichte" von Eva Gadner

Seine erste Nennung findet das Haus im Urbar der St.-Nikolaus-Kirche des Jahres 1398: „Hanns Weinmesser von seinem Haus gelegen ob dem Freidhof am Platz und von dem Stalle davor gelegen und von dem Stalle davor unter dem Mesen-Haus“.1 Oberhalb des alten Friedhofes, der sich rings um die Pfarrkirche erstreckte, lag demnach ein Gebäude mit Stallungen, das 1398 dem Hans Weinmesser gehörte. 

Das Urbar des Jahres 1424 erwähnt spätere Besitzer des Gebäudes: „Item so zinst Nickel Hirtz von dem Haus das oben stosset an die newen Capellen und von den Ställen daran gelegen das vor gewesen ist Hannsen des weinmessers zinst auf Martini […] 21 lb“. Ein Nachtrag erwähnt zwei spätere Besitzer: „Herr Jochim von Montäni, Ernst Ortwegh“.2 Aus dem Urbar des Jahres 1497 geht hervor, dass das Haus inzwischen dem Oswald
Schulmeister gehörte: „Am ersten aus dem Haus unterm Pataun neben der Schuel zinst man järlich […] darauf haben Oswald Schulmayster und seine Erben […] Losung“.3 Da am oberen Pfarrplatz die städtische Latein-Schule eingerichtet war, bezeichnete man das in unmittelbarer Nähe gelegene Gebäude in den Urbaren der St.-Nikolaus-Kirche als „Haus neben der Schuel“.4

1984 begrüßte Landeskonservator Helmut Stampfer in einem Schreiben an das Stadtmuseum, die Gemeinde Meran und an Frau Angelika Steiner-Lupi die Absicht der Stadt Meran, das Palais anzukaufen, „da auf diese Weise die Zukunft des prächtigen Barockpalais gesichert wäre, die notwendigen Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden können und das Meraner Stadtmuseum einen geeigneten Sitz bekommen würde“.83
Angelika Steiner Witwe Lupi antwortete verärgert, nicht die Absicht zu haben, Kunstwerke ihrer Eltern abzutreten oder auf Räumlichkeiten im Palais zu verzichten.84 Nachdem jedoch das erneuerungsbedürftige Gebäude am Pfarrplatz zur finanziellen Last geworden war, beschloss die Stiftung Desfours zu Beginn des Jahres 1991, es für eine Summe von 850.000.000 Lire an die Gemeinde Meran zu verkaufen.85

Als neuer Eigentümer begann die Gemeinde Meran mit der Sanierung des Gebäudes und gab 1994 die Erarbeitung eines Projektes in Auftrag, um das Palais den Anforderungen eines Museums entsprechend umzugestalten. Das Projekt von Arch. Walter Gadner, Meran, wurde 1996 (inzwischen Planungsbüro Arch. Walter Gadner + Partner) unter einigen Auflagen des Landesdenkmalamtes genehmigt.87 Das Projekt sah vor, das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes zu respektieren und weitgehend zu erhalten, die Anbauten und Terrassengärten zum Küchelberg hin sollten
jedoch einem Zubau weichen, mit dem die Ausstellungsfläche des zukünftigen Museums vergrößert werden konnte. Die durch die verschiedenen Nutzungen des Gebäudes im Laufe der Zeit nachträglich eingebauten Trennwände, sollten wieder entfernt werden. Ansonsten sollten Wände, Decken und Öfen so weit als möglich erhalten bleiben. 88 Im Sommer 2000 wurde mit der Sanierung des Daches begonnen. Im Laufe der Arbeiten
stellte sich heraus, dass der barocke Dachstuhl den statischen Anforderungen nicht standhalten konnte und daher eine Verstärkung der Dachkonstruktion notwendig wurde. Im Spätherbst 2000 kam es infolge der starken Regenfälle und der widerrechtlichen Abnahme des gesamten Dachstuhls zu Schäden an den Deckengemälden des Palais.

Das Palais Mamming ist einer der wenigen frühbarocken Palais in Südtirol. Es steht für den Aufstieg und das Wirken einer adeligen Familie und spiegelt gleichzeitig die bewegte Historie Merans. Kunsthistoriker, Archivare und Historiker erzählen die Geschichte des Hauses und seiner Nutzung und beschreiben seine repräsentativen Fresken und Stuckdekorationen. Die künstlerischen Fotos dokumentieren eindrücklich die Phase des Übergangs von den Restaurierungsarbeiten zur Adaptierung des Palais als Museum der Stadt Meran.

Besitzerfolge
1397 Hans Weinmesser
ab 1423 Nickel Hirtz
Jochim von Montäni
Ernst Ortwegh
1496 Oswald Götz, Schulmeister
vor 1530 Leonhard von Völs
1530–1547 Gaudenz [G7] Mamming
1547–1589 Christof [G8] Mamming
1589–1596 Christof Mammings Witwe Rosina Tändl und Kinder
1597–1617 Hildebrand [G9] Mamming
1617–1620 Christoph Dietrich [G10] Mamming
1620–1653 Benedikt [G10] Mamming
1653–1670 Benedikts Witwe Ursula von Parmatin und Kinder
1671–1706 Benedikt [G11] Mamming
1706–1709 Nikolaus Benedikt [G13] Mamming und Witwe Freiin Colonna
von Völs
1710–1720 Nikolaus Benedikt [G13] Mamming
1720 Josef Johann Benedikt [G13] Mamming und Franz Wenzeslaus
[G13] Mamming
1721–1751 Josef Johann Benedikt [G13] Mamming
1751–1819 Ferdinand Thomas [G14] Mamming
1819–1827 Ferdinand [G15] Mamming und Kaspar [G15] Mamming
1827–1832 Ferdinand [G15] Mamming
1832–1836 Herr von Dordi (Franz/Karl), k. k. Gubernialkanzlist zu Innsbruck
1837–1841 Joseph Mayr, Gutsbesitzer aus Lana
1842 Alois Fischer, k. k. Advokat in Salzburg
1842–1852 Fräulein Adelheid Gräfin von Desfours
1853–1991 Fräulein Adelheid Gräfin von Desfours Stiftung
seit 1991 Gemeinde Meran

Das Palais Mamming, Vom Steinachheim zum Museum, Museumsverein Meran (Hg.), mit Beiträgen von Leo Andergassen, Walter Egger, Eva Gadner, Markus Gamper, Elmar Gobbi und Georg Mamming, Fotografien von Ulrich Egger

Buchvorstellung am Donnerstag 18. Dezember um 20 Uhr in der Stadtbibliothek von Meran

Folio Verlaggebunden 120 Seiten, deutsche Ausgabe 19,90, italienische Ausgabe 18,80 ISBN 978-3-85256-651-1

 

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