Yen live in Margreid
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Singer/Songwriterin

Yen – Live in Margreid

Es war ihr zweiter Auftritt überhaupt: Die junge Singer/Songwriterin Yen live in Margreid am letzten Freitag.
Von
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Reinhold Giovanett20.09.2021
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Yen live in Margreid
Tolle Stimme, gute Songs: Die Singer/Songwriterin Yen letzten Freitag in Margreid. Foto: rhd

 

Obwohl der Herbst längst ins Land gezogen ist, war es ein fast sommerlicher, warmer Abend. Es ist dies eine der Annehmlichkeiten des Unterlandes, denn es ist immer ein klein wenig wärmer als anderswo, und nur Regen hätte im September einen Strich durch die Rechnung machen können. Aber das Jugendzentrum Westcoast und, in diesem Falle die Bauernjugend Margreid, hatten auch diesbezüglich Glück. Nach dem Auftritt der beiden Metalbands Day-Rim und Slowtorch in Kurtinig vor zehn Tagen, stand auch dieser Termin der Konzertreihe Abendluft” unter einem guten Stern. Nicht nur was das Wetter betraf, sondern auch in musikalischer Hinsicht.

Boogieman Lewis & His Wasted Youth
Hat die Corona-Zeit genutzt, um jede Menge neue Songs zu schreiben: Georg Pomarolli will mit seinem Projekt Bogieman Lewis & His Wasted Youth der Musik aus den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts nachspüren. Foto: rhd

 

Der Dorfplatz von Margreid ist wegen der Neugestaltung eine Baustelle, aber nur zwei Schritte davon entfernt – und also ebenso zentral – liegt Schulhof, der sich bestens für ein Openair-Konzert eignet. Bogieman Lewis & His Wasted Youth hatten die Gelegenheit genutzt, als Opener zu spielen, mit Songs aus den Zwanziger- und Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts, eine unaufgeregte Mischung aus Jazz, Blues und Swing – wenn man möchte, die Keimzelle des Rock'n'Roll: Trompete (Christian Eccli), Kontrabass (Stefano Manca) und Gitarre und Stimme (Georg „Bogieman Lewis” Pomarolli). Gegen 21 Uhr stand dann Yen auf der Bühne, eine junge Rittner Singer/Songwriterin, die hier mit ihrem zweiten Auftritt überhaupt überraschen sollte.  

Yen live in Margreid
Ein neuer Name in der hiesigen Szene: Die junge Rittnerin Yen können wir absolut weiterempfehlen und hoffen, sie erneut live sehen zu können. Foto: rhd

 

Im Vorfeld war nicht allzu viel zu erfahren über Yen: Die junge Rittnerin hat Violine studiert, zuerst am Konservatorium in Bozen, dann in Barcelona, und hat sich dann entschieden akustische Gitarre zu lernen, Songs zu schreiben und sich mit diesen auf den Weg zu machen. Dass sie Talent dazu hat, das hat sie am Freitag gezeigt. Nach dem ersten Song, Nirvana's „Smells Like Teen Spirit”, folgten eine Reihe vornehmlich ruhiger Nummern, die durch ihren bisweilen unvorhersehbaren Aufbau und vor allem durch ihre Stimme zu überzeugen wussten. Yen's Musik ist karg und liegt etwas abseits gewohnter Singer/Songwriter-Muster. Ihre Stimme ist die einer Frau und klingt nicht girliehaft, sie verzichtet nahezu völlig auf den poppigen Zucker, der seit einigen Jahren nahezu unvermeidbar scheint.

Es ist schwer Vergleiche zu finden, uns scheint, dass sich die Songs und die Musik von Yen an den Singer/Songwriterinnen der späten Sechziger/frühen Siebziger orientiert, Namen wie Joan Baez oder Judy Collins. Ein Beleg dafür mag sein, dass sogar das etwas abgegriffene „House Of The Rising Sun”, mit dem sie ihren offiziellen Teil beschlossen hat, gut klang. Sie hatte es geschafft, sich diesen Song so anzueignen, dass man Yen hörte und nicht den Song aus den Sechziger Jahren. Obwohl es erst ihr zweiter Auftritt war, stand hier eine starke musikalische Persönlichkeit auf der Bühne.

Yen live in Margreid
Einige wenige Covers, etwas Lyrik und sehr viele Songs aus eigener Feder: Yen ist definitiv bereit für die Bühnen des Landes. Foto: rhd

 

Zwischen den Songs las Yen immer wieder kurze lyrische Texte vor. Manchmal etwas zu hastig, und so war es nicht immer möglich sich darauf zu fokussieren und den englischen Texten zu folgen. Dennoch, der Text, in dem sie sich wünschte wie eine große Eule zu sein, um mit der Dunkelheit in Verbindung zu stehen, war ebenso einprägsam wie der Schlusssatz, was denn schon das Makabre wäre, im Vergleich zu einem schlechten Sinn für Humor.

Nach etwas mehr als einer Stunde war ihr Auftritt zu Ende. Yen hatte ihren Auftritt mit Nirvana begonnen, und ein Song aus dem Repertoire von Nirvana – „Where Did You Sleep Last Night” – sollte auch die Zugabe sein, mit der sie sich verabschiedete.

Yen hat eine tolle Stimme, eine gute Bühnenpräsenz und sie schreibt gute Songs, die nicht dem Zeitgeist hinterher sind. Das Konzert in Margreid am letzten Freitag war ohne Frage eine sehr schöne Erfahrung. Hier hat alles gepasst!

 

P.S.: Die Reihe „Abendluft” setzt sich mit dem Konzert des Jemm Music Project am Freitag, 24. September 2021, am Dorfplatz von Kurtatsch fort.

Yen live in Margreid
Frei von Zucker und zeitgeistigen Pop-Elementen: Yen schreibt und spielt Songs, die auch im Aufbau nicht unbedingt vorhersehbar sind. Foto: rhd

 

Boogieman Lewis & His Wasted Youth
Bogieman Lewis & His Wasted Youth in der aktuellen Formation (v.l.n.r.): Christian Eccli (Trompete), Georg „Bogieman Lewis” Pomarolli (Gitarre und Stimme) und, erst seit wenigen Monaten an den vier Saiten, Stefano Manca (Kontrabass). Foto: rhd

 

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