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Eine stille Kraft

Durch Wissen und Kultur jeden Tag ein bisschen die Welt verbessern wollen, im positiven Sinn natürlich. Die optimistische Botschaft der Grünen in Bayern.
Community-Beitrag von Michil Costa18.10.2018
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katharina_schulze.jpg, per tagesspiegel.de

Eine stille Kraft macht sich im Herzen Europas bemerkbar, und diese Kraft ist grün. Es handelt sich um ein anderes Grün als das Grün gewisser Subjekte gleich auf der anderen Seite der Alpen, die mit Begriffen wie Luft- oder Wasserqualität, Landfraß und gegenseitigem Respekt überhaupt nichts anzufangen wissen.

Eine stille Kraft, angeführt von einer gerade mal 33jährigen Frau namens Katharina Schulze, die mehrere Sprachen spricht, die in den USA Politik à la Obama studiert hat, die Wissen und Kultur mitbringt und sich gerade deshalb niemandem überlegen fühlt. Allenfalls tritt sie denjenigen entschlossen entgegen, die Ignoranz zeigen, deren Ideologie „Mir doch egal“ heißt oder die Menschen mit echtem Wissen verhöhnen, nur weil sie sich unterlegen und der Situation nicht gewachsen fühlen.

Eine stille Kraft, die in dem traditionell und historisch so katholischen und konservativen Bundesland Bayern in nur vier Jahren um zehn Prozent zulegt und damit fast 18% im neuen Landtag erreicht, weil sie Themen wie nachhaltige Landwirtschaft, garantierte Mindestrenten, kontrollierten Land-, Wasser- und Luftschutz vorangetrieben hat und weil sie daran glaubt, dass Immigration geführt und nicht einfach verwaltet werden muss. Themen, zu denen einst die linken Parteien mehr dozierten als wirklich handelten, weshalb sie auch aus diesem Grund praktisch von der politischen Bildfläche verschwunden sind.

Eine stille Kraft, die sagt „wir wollen jeden Tag ein bisschen die Welt verbessern“ und die mich an diese Figur in Emir Kusturicas wunderbarem erstem langen Spielfilm erinnert, „Erinnerst du dich an Dolly Bell?“, in dem das Kind von dem Spiegel steht und zu sich selber sagt: „Jeden Tag mache ich in jeder Hinsicht immer weiter Fortschritte.“

Eine stille Kraft, die pro-europäisch ist und nicht für Bayern oder für „Deutschland über alles“, und die findet, dass die Mutter aller Probleme nicht die Einwanderung ist, wie zehn Jahre lang der frühere bayerische Ministerpräsident und amtierende deutsche Innenminister Horst Seehofer befand.

Eine stille Kraft, die glaubt, dass Hass zu nichts führt. Das ist eine Botschaft der Toleranz, die in klarem Gegensatz zum fremdenfeindlichen, unmenschlichen und rassistischen Souveränismus steht, der bei uns herrscht. Und die zeigt, dass diejenigen, die sich am liebsten in den tausend Verästelungen des bürokratischen Iters verlieren, Parteigänger, die nie richtig Position beziehen, die vorsichtig taktieren, die auf Zeit setzen, denen der Mut fehlt – dass die bestraft werden. Ein Beweis, dass die fortschrittlich Denkenden schon sehr viel weiter sind als die im Niedergang befindlichen linken Parteien.

Eine stille Kraft, die in den Mittelpunkt ihrer Argumentation die Erde stellt, unsere gute, alte, so misshandelte, verbrauchte und vergewaltigte Erde. Die den Konsumwahn als aktuell herrschende Ekstase zur Diskussion stellt, weil sie genau weiß, dass wir keine unbegrenzten Ressourcen haben, im Gegenteil – sie neigen sich dem Ende zu. Und weil sie genau weiß, dass der Landfraß direkt in die Hölle führt. In Italien und auch in unserem Südtirol erleben wir jeden Tag aufs Neue, dass außer anfänglichem Wirbel und ein paar Floskeln nie etwas passiert, obwohl jeder weiß, dass das echte Thema, mit dem wir uns jeden Tag auseinandersetzen sollten, für uns alle die Erde ist. Denn wenn wir nichts unternehmen, zur Freude aller Erdenbürger, denn wird unser Planet selbst die Dinge in die Hand nehmen und nicht diejenigen, die Rassismus und Fremdenfeindlichkeit predigen und die Realität leugnen, nur um Stimmen zu bekommen.

Eine stille Kraft, die mich heute optimistischer als sonst in die Zukunft blicken lässt und von der ich hoffe, dass sie auch unsere lokalen und nationalen Politiker wachrütteln wird. Wir haben lange genug nur den eigenen Bauchnabel betrachtet, jetzt ist der Moment gekommen, den Blick in Richtung Unendlichkeit zu heben.  Wie Carl Gustav Jung in seinen „Erinnerungen“ schreibt: „Nur, wenn wir wissen, dass das Essentielle ohne Grenzen ist, können wir verhindern, dass sich unser Interesse auf nutzlose Dinge verlegt. Nur wenn wir verstehen und spüren, dass wir bereits in diesem Leben eine Verbindung mit dem Unendlichen haben, verändern sich unsere Wünsche und Einstellungen.“ Im positiven Sinne, versteht sich.

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Kommentare

Bild des Benutzers Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher 18.10.2018, 21:56

Genau. Unbeirrter Glaube, dass die Grundsätze, die uns vor zehn Jahren wichtig waren, auch heute noch unverändert in den Vordergrund gehören , dass die von den Mutlosen herbeigeredete Krise eben jene herbeigeredete der Mutlosen ist, nur um den Blick auf die wesentlichen, nächsten Schritte zu versperren, dieser unbeirrte Glaube lässt auch in Zeiten wie diesen, Politik des konstruktiven Optimismus mit unbeschwerter Fröhlichkeit betreiben. Unwiderstehlich!

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