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Salto Afternoon

Im Goldrausch

Der Künstler und Fotograf Petros Efstathiadis zeigt in der Galerie fotoforum verrückte Pop-up Städte, mit denen man in die Zukunft sehen kann.
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„Ich entwerfe Zukunfts-Szenarien, indem ich mich frage: Was wird passieren? Was könnte sich im Dorf verändern?“ meint Petros Efstathiadis. Der Fotokünstler zeigt seine aktuellen Arbeiten unter dem Titel Gold Rush noch bis Ende des Monats in der Galerie fotoforum in Bozen.

Efstathiadis hat ein theatralisches und herrliches Gespür für Fantasie
(Raphaelle Stopin)

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Ausgeliehene Zukunftsszenarien / Foto: Petros Efstathiadis

Efstathiadis kommt aus Liparo, nördlich von Mazedonien, Griechenland. Der Ort war bekannt für Pfirsichanbau, doch die Wirtschaftskrise hat hier, wie fast überall, negative Spuren hinterlassen. "Was nun? Was tun?" dachte sich Efstathiadis.
Das Dorf, in dem er geboren wurde, „ist seit einem Jahrzehnt das Setting für seine Arbeit“ schreibt die Kuratorin und Kunstkritikerin Raphaelle Stopin: „Dort, im Hinterhof seiner Eltern oder Nachbarn und in den umliegenden Feldern, komponiert er sorgfältig minutiöse Mise-en-Scène, gemacht aus Resten und vernachlässigten Waren.“

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Goldrausch im fotoforum in Bozen / Foto: Petros Efstathiadis

Ticket zum Reichtum

Die Ausstellung Gold Rush ist auch die Geschichte eines Mannes, der vor ein paar Monaten in das Dorf kam, in die Häuser eintrat und den Einheimischen ein Ticket zum Reichtum versprach: Diese Gegend war gewählt worden, um eine neue Gaspipeline aus Aserbaidschan zu beherbergen, die Dorfbewohner unterschrieben Verträge, auch der Vater des Fotografen…
„In einer elliptischen Bewegung, bringt Petros Efstathiadis den Boden, die Gebäude und Maschinen aus der Zeit des kalifornischen Goldrauschs zurück. Man kann einige bekannte Figuren erkennen, ikonische Bilder aus einer Ära von großen Erwartungen und betrogenen Hoffnungen – eine Kirche, die an die baufälligen Alabama-Fassaden von Walker Evans erinnert“ erklärt Stopin.

Bei der Arbeit

Efstathiadis bei der Arbeit / Foto: Salto.bz

Efstathiadis bevorzugte Arbeitsweise ist, „sich Gegenstände auszuleihen, sie zu benutzen und dann wieder zurückzugeben.“ Die meisten dieser Gegenstände aber sind nicht wertloser Abfall, „es sind funktionstüchtige Dinge“, die er in Lagerhallen, bei den Nachbarn, bei Freunden und seiner Familie aufstöbert und ausborgt. „Ich sammle alles und gebe es dann auch wieder zurück.“
Auch in Bozen ist Petros Efstathiadis auf Sammeltour gegangen, was er zusammengetragen hat, ist als Installation im Eingangsbereich der Galerie zu sehen. 

Ich werde zum Architekten der das Dorf verändert, entwerfe Brücken, Häuser oder Schwimmbäder.
(Petros Efstathiadis)

Im Untergeschoß zeigt Efstathiadis eine Sammlung an Fotos. Es sind „verrückte Pop-up Städte“ sagt er, „man kann mit ihnen in die Zukunft sehen“.

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Funktionstüchtige Dinge neu arrangiert und fotografiert. / Foto: Claudia Corrent, fotoforum
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