podcast
Ivan Bocchio
Advertisement
Advertisement
Salto Podcast

Raumplanung in Südtirol

Wird sich die Planungskultur Südtirols infolge des Coronavirus grundlegend verändern? Ein Gespräch mit Benno Agreiter über eine mögliche Entwicklung des Städtebaus.
Von
Bild des Benutzers Ivan Bocchio
Ivan Bocchio20.05.2020
Advertisement

Google-City – Der 8. Mai 2020 wird wohl in die Geschichte der Stadt und der Digitalmoderne als bedeutendes Datum eingehen. Als Modell der Zukunft angepriesen, nach jahrelangen Planungen, wurde sie letzte Woche einfach auf Eis gelegt: Die digitale Smart-City von Toronto wird nicht mehr gebaut werden. Seit Jahren schon wollte Google eine Idealstadt des digitalen Zeitalters bauen, in der Häuser, Geräte und Autos „smart“, also miteinander vernetzt wären. Es sollte keine Unfälle mehr geben, weil Roboterfahrzeuge und intelligente Fahrräder einander erkennen. Smart-Citys stehen auf Effizienz, Fahrpläne, Routen Berechnungen und sogar die Koordination des Mülls. Grundsätzlich soll alles berechnet werden. Neben finanziellen und ökologischen Standpunkten spielen hier auch soziale Aspekte eine große Rolle.
 

 

benno.jpg
Benno Agreiter (MSc ETH Arch) ist Architekt und Städtebauer. Er ist beruflich in der Schweiz und in Südtirol tätig. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Wohnungsbau, Ortskernentwicklungen und städtebauliche Planungsaufgaben an komplexer Lage. Er war am Lehrstuhl für Architektur und Städtebau von Prof. Kees Christiaanse an der ETH Zürich als wissenschaftlicher Assistent tätig.


Obwohl keiner so richtig über die Beweggründe dieser Absage weiss, sickerte aus Silicon Valley hindurch, dass der Hauptgrund mit Problematiken der generierten Daten (Datenschutz) zu tun hat, denn wem sollten die von den Bewohnern dieser Smart-City generierten Daten gehören? Den Bürgern? Google? Der Stadt?

spanische_grippe.jpeg
Zukunftsprojektion: Eine Darstellung des Lebens im Jahr 2022 in einer italienischen Zeitschrift, die erstmals 1962 veröffentlicht wurde, zeigte Fußgänger, die motorisierte Kapseln benutzen, anstatt zu gehen, was sich angesichts der aktuellen Ängste vor dem Coronavirus als ziemlich zutreffend erweisen könnte. Das Bild wurde von Walter Molino, einem italienischen Comic-Künstler und Illustrator, gezeichnet. Es wurde auf der Titelseite einer 1962 erschienenen Ausgabe von La Domenica del Corriere publiziert.

Die Materialien der Stadtplanung sind: die Sonne, der Raum, die Bäume, der Stahl und der Zement; in dieser Reihenfolge und in dieser Hierarchie.
(Arch. Le Corbuiser bei einem Kongress in Athen, 1933)

ba1.jpg
Arbeiten und Wohnen in der Innenstadt von Google-City, Toronto. / Quelle: Financial Times, 24.6.2019


Gibt es aber neue Aspekte, über die Google nicht genug oder erst jetzt nachgedacht hat? Zum Beispiel, wie begegnen wir uns in den Städten? Beziehungsweise- wie begegnen wir uns dann nicht? Solche Städte hätten natürlich sehr dicht bebaut werden sollen. Die letzten Jahre waren weltweit von der innerlichen Verdichtung geprägt. Hiermit stellt sich die große Frage, wie funktioniert in Zukunft überhaupt die Gesellschaft im Stadtraum? Und, ist es gerade jetzt ein Zufall, dass die "innovativste" Stadt der Zukunft von Google nicht mehr realisiert wird.

ba2.jpg
Ein Ausschnitt der Google-City; vorgeschlagener Entwurf für die Fussgängerzone am Lake Ontario. / Quelle: Le Temps, 10.5.2020

Wir von salto.bz arbeiten auch in der aktuellen Krise voll weiter, um Informationen und Analysen zu liefern sowie Hintergründe zu beleuchten – unabhängig und kritisch. Unterstützen Sie uns dabei und holen Sie sich jetzt ein Abo, um salto.bz langfristig zu sichern!

Advertisement

Weitere Artikel zum Thema...

villaundseuche
Ivan Bocchio
a_immo
Salto.bz
salto_arch.jpg
Salto.bz
Architecture Academy

Architektur und Corona

Advertisement

Kommentar schreiben

Advertisement
Advertisement
Advertisement