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Ein Wirtschaftsberater aus Cles übernimmt die beiden Fernsehsender SDF und Video 33. Wer steckt aber wirklich hinter dem Kauf?
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Man kann fragen, wen man will. Die Antwort lautet immer wieder gleich: „Wir wissen es nicht“. Selbst in den beiden Redaktionen von „Video 33“ und „SDF“ weiß man kaum etwas. Die 17 Mitarbeiter stehen selbst vor einem Rätsel.
Tatsache ist, dass die beiden Südtiroler Fernsehsender plötzlich einen neuen Besitzer haben. Offiziell kommt dieser aus der Nachbarregion. Unter dem Kaufvertrag steht nur ein Name: Albino Leonardi.
Der Wirtschaftsberater aus Cles ist im Trentino kein Unbekannter. Leonardi sitzt als Verwaltungs- und Aufsichtsrat in mehreren Unternehmen. So ist er Präsident des Aufsichtsrates des Obsterzeugerkonsortiums „Melinda“, zweier Tochtergesellschaften der Trentiner Landesenergiegesellschaft „Dolomiti Energia“ und er sitzt im Aufsichtsrat der Garantiegenossenschaft „Confidi Trentino Imprese“.
Von 1999 bis 2009 war Leonardi an der Uni Trient Lektor für Steuerrecht und von 2005 bis 2010 unterrichtete er an der staatlichen „Scuola Superiore di Economia e delle finanze Ezio Vanoni“ in Mailand. Albino Leonardi arbeitet nebenher aber auch als Publizist. Er schreibt vor allem zu Steuerthemen und zum Gesellschaftsrecht. Unter anderem auch für den „sole24ore“.
 
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Wirtschaftsberater Albino Leonardi: Neuer Besitzer von zwei Fernsehsendern.

Seit zwei Wochen ist der Nonstaler Wirtschaftsberater auch Besitzer von zwei Südtiroler Fernsehsender. Denn Leonardi hat „Video Bolzano 33“ und SDF, die bisher einem Unternehmen des Innichner Speckkönigs Franz Senfter gehörten, übernommen. Es dürfte auch das Ende eines ehrgeizigen Südtiroler Projekts sein.
 

Verdorrter Rosengarten

 
Am 3. Oktober 2003 wird in Bozen die „Euregio Finance AG“ gegründet. In der Aktiengesellschaft findet sich das Who is Who der Südtiroler Unternehmerwelt wieder. Das Unternehmen ist ein direkte Folgeerscheinung des Engagements einer honorigen Unternehmergruppe, die eine Südtiroler Fluggesellschaft auf die Beine stellen und den Bozner Flughafen zum Funktionieren bringen wollten. Von Franz Senfter, über Hans Krapf bis zu Franz Staffler sind knapp 30 Unternehmer an dem Projekt beteiligt. Im Verwaltungs- und Aufsichtsrat sitzen Größen wie Norbert Plattner und Gerhard Brandstätter.
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Suedtirol Foto/Helmuth Rier

Unternehmer Franz Senfter: Jahrelang Geld in das Fernsehprojekt gesteckt.

Ziel der „Euregio Finance“ ist es am Jahrtausendprojekt Brennerbasistunnel mitzumischen und auch sonst Großprojekte in und um Südtirol zu finanzieren. Am Ende wird aber nicht viel daraus. Heute gibt es die „Euregio Finance“ nicht mehr. Sie wurde inzwischen mit der deutlich erfolgreicheren „Bozen Invest AG“ fusioniert.
Zwei Jahr nach dem Start gründet die Euregio Finance Ag im Oktober 2005 zwei Tochtergesellschaften: Die Rosengarten AG und der Raetia SGR AG.
Das Abenteuer Raetia endet in einem Millionengrab. Vor allem für die Südtiroler Sparkasse. Aber auch die Rosengarten AG war kein Lichtblick.
Ursprünglich gegründet um sich „mit der Förderung und Entwicklung von Aktivitäten bezüglich der Ausführung des Brennerbasistunnels zu befassen“ engagiert sich das Unternehmen schon bald in einem ganzen anderen Bereich.

 

Das Fernsehprojekt

 
 
2008 kauft die Rosengarten AG den Sender „Video Bolzano 33“ vom ehemaligen Landtagspräsidenten und Fernsehpionier Rolando Boesso. Fast gleichzeitig bringt man mit dem „Südtiroler Digital Fernsehen“ (sdf) einen deutschsprachigen privaten Fernsehsender an den Start.
Obwohl man viel Arbeit und noch mehr Geld in das Fernsehprojekt steckt, ist das ganze wirtschaftlich alles andere als ein Erfolg. In der Rosengarten AG wechseln nicht nur die Geschäftsführer, sondern in den Sendern auch das Personal. Vor allem aber verabschieden sich nach und nach auch die eigenen Gesellschafter.
Als man die beiden Fernsehsender kauft ist noch die Euregio Finance AG mit 61 Prozent Hauptaktionär der Rosengarten AG. 21 Prozent hält die Senfter Holding, weitere sieben Prozent die Alps Finance GmbH, die ebenfalls zum Firmenimperium des Innichner Speckkönigs gehört. Sieben Prozent hält die Forst AG, zwei Prozent die Neue Südtiroler Wirtschaftsverlag GmbH (Wirtschaftszeitung) und je ein Prozent Alfred Guariello und Michele Salerno.
 
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Diskussionssendung Klartext auf SDFAderlass der Miteigner.

Doch nach und nach steigen Senfters Mitstreiter aus. Am Ende bleibt nur die Unternehmensgruppe Senfter übrig und die Aktiengesellschaft wird schließlich in einem GmbH umgewandelt. Der Innichner Unternehmer hat dabei in den vergangenen Jahren die beiden Sender immer wieder mit Finanzspritzen aus der eigenen Tasche am Leben gehalten.
Jetzt scheint damit aber Schluss zu sein. Franz Senfter hat die Rosengarten GmbH verkauft und damit auch die beiden Fernsehsender. Nach Informationen von salto.bz erfolgte der Verkauf an Albino Leonardi um einen (symbolischen) Euro. Der Grund: Das Unternehmen hat rund 2 Millionen an Ausständen angehäuft.
 

Die Hintermänner

 
Dass sich Journalistengewerkschaft Trentino Südtirol am Montag in einer Aussendung kritisch mit dem Verkauf der beiden Sender auseinandergesetzt hat, liegt daran, dass der Besitzerwechsel nicht unbedingt transparent und unter Miteinbeziehung des gesamten Personals erfolgt ist.
Denn bis heute weiß man nicht, wer hinter dem neuen Besitzer Albino Leonardi steht. Für salto.bz war der der Nonstaler Wirtschaftsberater in seinem Büro in Revo am Dienstag nicht zu sprechen. Zuerst anwesend, war er plötzlich in einer Verwaltungsratssitzung. Das zeigt, dass Albino Leonardi über die Operation nicht reden will. „Ich bin glücklich, dass wir den Kauf abgeschlossen haben“, sagt der Wirtschaftsberater gegenüber dem Corriere dell´Alto Adige, „aber über meine Partner möchte ich nichts sagen.
Offiziell steht hinter der Übernahme der beiden Südtiroler Fernsehsender eine Gruppe von Unternehmern aus dem Trentino. Der einzige Name der durchsickerte - offiziell als Berater - ist jene von Graziano Angeli. Der Trentiner Fernsehunternehmer (TCA) soll einer der Mitstreiter Leonardis sein. Weiß man aber, dass Angeli seit längerem am finanziellen Status seiner eigenen Sender hart zu beißen hat, dürfte er wohl kaum die treibende Kraft sein.
Wie immer wenn es um Übernahmen im Medienbereich geht, kommt damit der mächtige Athesia-Konzern in Frage. Was Michl und Toni Ebner in ihrem Portefeuille noch fehlt ist ein Fernsehsender. Zudem hielt die Athesia lange Zeit über die Euregio Finance eine kleine Beteiligung an der Rosengarten AG. „Wir haben mit dieser Übernahme nichts zu tun“, dementierte aber Athesia-Sprecher Elmar Pichler-Rolle in RAI Südtirol diese Spekulationen durchaus glaubwürdig.
Interessant ist auch der Zeitpunkt der Übernahme. 2018 wird ein Superwahljahr mit Parlaments- und Landtagswahlen. In solchen Jahren sind Medien besonders begehrt.
Nicht nur im Nonstal.
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