Fragezeichen
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Eiertreter*in

Die Liste der absoluten Wahrheiten

Ein Leitfaden durch eine Welt, in der man vor lauter Grautönen kein schwarz-weiß mehr auszumachen vermag.
Community-Beitrag von Goggel Totsch20.05.2021
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Alles ist im Fluss, alles in Bewegung. Die unverrückbare Postulate von gestern, sind heute nicht mehr die 10 KByte wert, auf denen sie gespeichert sind. Wir handeln mit Rosinen und Masken und Impfstoffen und natürlich unseren liebgewonnenen Werten - leider gelten die als Währung irgendwie nicht mehr. Merda!
Aber an irgendwas muss man sich doch festhalten können - denken Sie nur an das Erbe der Väter*innen?! Für alle Orientierungslosen im Anflug auf das Heute - in dichtem Nebel bei gleichzeitigem Ausfall der Navigation und ohne Funkkontakt zum Tower - hier nun die Liste der absoluten Wahrheiten:

  • Südtirol ist Italien. Kennen Sie Angela Schirò, Luís Roberto Lorenzato oder Francesco Giacobbe? Das sind die Parlamentari eletti nella circoscrizione Estero, also Abgeordnete und Senatoren, die ihre Brötchen in Karlsruhe, Brasilien oder irgendwo unten in Down Under verdienen, jedoch Sitz und Stimme in Rom haben.
    Dieser fremde Staat verteilt seine Staatsbürgerschaften, ergo Pass, so großzügig, wie der Südtiroler Milchbauer seine Sur. Jeder Walsche, dessen Ururgroßvater einst ein Auswandererschiff bestiegen hat und genauso viel Hintrisch reden kann, wie die Sprösslinge der Südtiroler, die es in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts nach Dreizehnlinden im brasilianischen Dschungel verschlagen hat, Südtiroler Dialekt, muss auch eine Vertretung im Parlament haben. Scheint mir recht und billig … okay, billig ist so ein Senator nie; bei unserem Exemplar aus dem Pustertal würde ich sogar behaupten, es ist die totale Verschwendung von Steuergeld. Man gönnt sich ja sonst nichts: Der Gehaltszettel eines Senators ist genauso kryptisch wie meiner, aber die Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore hat für 2016 errechnet, dass direkt und indirekt 1,3 Millionen Menschen von der walschen Politik leben; zum Schnäppchenpreis von 18,3 Milliarden Euro - da fällt so ein Meinhard nicht ins Gewicht. (Vergessen Sie's, dass ich mir selbst eine Steilvorlage liefere, um einen Seitenhieb auf das politische Gewicht - mit Betonung auf Gewicht - unseres Senators zu platzieren: Ich habe nichts gegen fette Menschen, nur gegen Politiker). Ich schweife ab.

    Dass die Walschen gleichzeitig pikiert sind, wenn unsere Ewiggestrigen einen Doppelpass vom Votalond wollen, ist eine andere Sache. Um ehrlich zu sein, ich hätte auch gerne ein zweites Ausweispapier. Mit einem E drauf - also E wie Europa, keinesfalls wie E-Streich. Bin eben anders gestrickt, als der Auslandssüdtiroler im Schlafsaal am Magnagoplatz: Dort tritt der Sven (Sven ist kein Südtiroler Name) für alle Grenzpendler, Innschpruckkker DiDo-Studenten und sonstige Braindrainer ein, die in Pandemiezeiten nicht ins Land dürfen, um sich beim doigen Gspusi mal wieder ordentlich gesund zu stoßen.
    Was glauben Sie würden die Bayern sagen, wenn so ein Expat aus der Piefkei für drei, vier Tage seinen Schreibtisch bei Eurac, Uni oder dem Beratungsring gegen einen Abgeordnetensessel im bayrischen Landetag vertauschen würde, um der Merkel in Berlin aufzuteitschn, dass der Freistaat nicht Deutschland ist? Was? Die STF hat auch eine lokale Repräsentantin? Wir sind uns doch einig, dass Schenna eine Enklave des Deutschen Reiches ist? Ah, na! Seit '45 muss man statt Gau Bundesland sagen, auch wenn die Gesinnung der strammen Recken die selbe geblieben ist. Also dann: Wenn Mallorca das 17. deutsche Bundesland ist, ist Schenna, Dorf Tirol und weite Teile des Burggrafenamts das Achtzehnte. Das macht die Süd-Tiroler Freiheit zur Partei mit zwei Heimatfernen im Landtag. Consiglieri provinciali eletti al Estero. Südtirol ist Italian. QED - Quod erat demonstrandum!
     

  • Die schönste Blume des Alpenlands ist und bleibt das Edelweis – nachdem man draufgetreten ist. Um Gottes Willen! Tun Sie das ja nicht. Was kann der Buschn dafür, dass er von einer Wirtschafts- und Bauernpartei als Icon missbraucht wird?
     
  • Unsere Landesregierung ist gänzlich ungeeignet diese Pandemie zu händeln. Schuld ist die völliger Verkennung von Land und Leuten. Die Appelle sich - jetzt aber wirklich - an die AHA-Regeln zu halten; dass wir nur unter dem Hashtag #zomholtn oder gar nicht durch diese Krise kommen, sind für die Katz. (Beim Korrekturlesen war ich kurz versucht ein Synonym für Katz zu verwenden, wie Stubentiger, Mieze, Samtpfote oder das schönste von allen: Fellnase). Apropos Nase. Vier Nasenstirger-Tests habe ich jetzt hinter mir. Meine Tochter hat mir sogar gezeigt, was man tun muss, damit auf dem Handy unter dem Haggele ein „Goggel Totsch“ aufscheint (bin nämlich eine Digital Foreigner). Sie könnte mir sogar eine Internetseite zeigen, wo ich den QR-Code für ein positives Ergebnis ganz ohne Testen generieren könnte, hat sie gemeint - da hatte ich aber schon nach Greggn gestochert. Allein, meinen „grünen Pass“ hat keinen Gastwirt interessiert: Weder bei der Reservierung, noch beim Hinsetzen, noch beim Bestellen. Damit nicht genug. An allen Ecken und Enden siehst du Zusammenrottungen von Feierabendbieren, Comitive von fünf und mehr Haushalten auf der Burgenrunde, ... Eine besondere Erwähnung gilt den fünf Vertretern des bildungsfernen Randes der Gesellschaft, die letzten Samstag für ein flüssiges Halbmittag beim Imbissstand kurz vor der Ausfahrt Schabs aus einem Kleinbus plumpsten. In Trumpland hätte man die drei Buabn und zwei Gitschn ohne Umschweife „White Trash“ genannt. Trotz FFP2-Maske meinerseits und Mindestabstand von 3 Meter, war der Alkohol in ihrem Aerosol zu riechen - was mich sofort beruhigte, weil mein Geruchssinn offensichtlich noch nicht Coronageschädigt war. - Schon seltsam, wer hätte vor einem Jahr geahnt, dass man Mundgeruch und Achselschweiß beim Gegenüber zu schätzen lernt, weil man so zwischendurch überprüfen kann, ob man schon Symptome hat.
    Muss schnell eine Klammer aufmachen: Es gibt kein schöneres Beispiel für die qualitative und quantitative Erweiterung auf diesem von Gott verachteten Flecken Erde, als diesen Imbissstand, der genau wie ein in Südtirol geborener ZDF-Moderator heißt. Wer erinnert sich noch an den Gemüse- oder Brot- oder Bauernmarktstand, der dort auf einer Brache Geschäfte machte? Hand hoch! So bauernschlau von 2 auf 1000 m² zu erweitern, wären die Fünf aus dem Kleinbus sicher nicht: Allenfalls ein IQ von 85 - also alle Fünf zusammengerechnet. Spätestens da habe ich kapiert, dass wir „doomed“ sind, wie mein Dad sagen würde, verdammt.
    Ich meine, die Fünf sehen sich auf Gesichtsbuch oder Youtube alles möglich an, aber sicher nicht den Stream der virtuelle Pressekonferenz unseres Landeshäuptlings, wo er seine x-te Verordnungen erklärt. Kurz, die scheren sich einen Dreck darum - und in letzter Konsequenz ist das gut so. „Ihr wählt unsere #Zomholten-Partei und gemeinsam mit euren Verbänden sorgen wir dafür, dass etwas von den Brosamen auch für euch abfällt“, war die Botschaft aus der Brennerstraße in der Post-Silvius-Ära. Und man hatte Gespür dafür, dass wir bis vor zwei, drei Generationen samt und sonders Bauern waren – bettelarm zwar, aber dafür einfältig. Nicht umsonst gibt es die Redensart „Auf der Brennsuppe dahergeschwommen kommen“. Ich erinnere mich gut an die Erzählungen meiner Nandl, dass es Fleisch allenfalls drei, vier Mal im Jahr gab und Kaffee nur am Ostersonntag. Heute ist jeder Besuch - mit „grünem Pass“ - froh, wenn du was Vegetarisches aus dem Wok auf den Tisch stellst.
    Zum Leidwesen des Palais Widmann, kannst du gegen Engstirnigkeit, gegen schiere Dummheit, gegen das Auf-mein-Hof-tua-I-wos-I-will-Virus, das seine DNA über die Jahrhunderte untrennbar mit unserem Genstrang verflochten hat, nicht ein messenger-RNA mit der Botschaft „Iatz-tian-Sui-wos-mir-sogn“ impfen. Der Irrtum der Stadtler und aller die dort arbeitsbedingt mehr Lebenszeit verbringen als zuhause ist, zu glauben, mit dem Einzug von Wohlstand in den Wohnbauzonen draußen im Land, sei ein Mehr an Bildung, Weitsicht, Verständnis, … einhergegangen. Ihr habt echt nichts verstanden.
     
  • „Ich glaube an Gott ...“ ist alles, was man vom Glaubensbekenntnis retten kann - also für die, die so was brauchen. Der Rest und da vor allem die Zeile „Ich glaube an […] die heilige katholische Kirche“ kann - inklusive der alten, weißen Männern am Altar - auf den Müllhaufen der Geschichte. Sagte ich, dass ich den genauen Wortlaut des Gebets googeln musst, weil nur mehr Bruchstücke in meinen Ganglien abrufbar waren? Beruhigend, sehr beruhigend. Entweder mache ich Fortschritte oder es sind erste Anzeichen von Alzheimer. Passt!
    Sie haben sicher gelesen, dass die Kloatzen auf Säben das Handtuch schmeißen. Geht schneller als ich gedacht habe. Gedacht habe ich auch kurz selbst eine Religion zu gründen und – jetzt da der Langezeitmieter auszeiht – dort mein Hauptquartier aufzuschlagen. Unverbaubare Lage, was will frau mehr. Gut die Autobahn müsste noch in den Berg. Auf jeden Fall würden sich meine Jünger „Goggel Totscher“ nennen. Müssen dafür weder getauft, noch gefirmt werden. Zum Eiertreter*in wird der Südtiroler automatisch bei der Geburt.
     
  • Es gibt keinen schlechteren Bauherrn als das Land Südtirol. Gefängnis, Landesbibliothek, Küchelbergtunnel, Einfahrt ins Gadertal ... Ich versteh das nicht! Jeder Häuslbauer wäre längst bankrott, wenn die Fundamente erst gegossen werden können, nachdem durch drei Instanzen prozessiert wurde. Warum ist die Vergabeagentur des Landes nicht im Stand wasserdichte Ausschreibungen zu machen? Diesen nutzlosen Beamtenkropf hätte man nie aus der alten Handelskammer am Bahnhofspark ausquartieren sollen, sondern samt Gebäude in die Benkosche Baugrube baggern. Gut, vielleicht hilft es schon, dass man den Direktor im Januar zum Staatsrat in Rom weggelobt hat. Stichwort Staatsrat: Der Generalsekretär des Landtages ist der Sohn eines vormaligen Staatsrat, der, wenn mich nicht alles täuscht, zuvor SVP-Bürgermeister in Deutschnofen war. Ich liebe dieses Land! Das Organigramm ist so überschaubar.
    Undurchschaubar sind offensichtlich nur die Ausschreibungen des Landes. Ein Vorschlag zur Güte (und um unser kollabiertes Justizsystem zu entlasten): Die klagende Baufirma muss als Kaution ein Drittel der Bausumme hinterlegen. Verliert sie den Prozess, wird die Kohle eingezogen. Dann wollen wir sehen, was von der Klagewut übrig bleibt. Ich vergaß, damit die Varianten des Bauprojektes und damit die Kosten nicht ausufern, wird ab jetzt der Bauleiter nicht anhand der Endsumme bezahlt, sondern alle Mehrkosten prozentuell vom vorher festgelegten Honorar abgezogen. Als flankierende Maßnahme werden alle Jus-Studiengänge für zehn Jahre ausgesetzt. Dieses Land hat zu viele Advokaten. Da behaupte noch einer, es gäbe keine absoluten Wahrheiten mehr.

Fortsetzung folgt.

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Kommentare

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Siegfried Freud 20.05.2021, 09:01

Genial wie immer.
Zum letzten Absatz, der Bürger ist vom Dolo und stol-Lesen derart verblödet, dass er beim Bewundern der neuen Tunnels nicht gemerkt hat, dass dort nicht nur Beton-und-Bagger-Geld drinsteckt, sondern auch satte Anwalts- und Steuerberaterhonorare. Und die Ausschreibungsstelle muss schließlich auch jemand bezahlen. Der doofe Bürger glaubt, "weils in der Zeitung steht" auch daran, dass der Preis für Immobilien steigt, weil die Rohstoffe teurer werden. Stol hat's gesagt!
Das Edelweiß schaut eben auf seine Lieblinge. Die anderen, die glauben Lieblinge zu sein, aber deren Gehalt nur bis zum 25. reicht, sollten unter Berücksichtigung ihrer leeren Brieftasche das nächste Kreuzchen vielleicht woanders anbringen.

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Christian I 25.05.2021, 13:50

"...das nächste Kreuzchen vielleicht woanders anbringen."
Es ist ein sehr interessantes, südtiroler Phänomen das schon viele internationale Wissenschaftler beschäftigt: am Tag der Wahl wird der Südtiroler Bürger von einer sehr schlimmen Demenzattacke getroffen. Mal sehen, ob man dafür einen Heilmittel findet.

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Georg Lechner 26.05.2021, 17:18

Es ist wahrlich nicht nur ein Südtiroler Phänomen, auch im Votalond wohlbekannt. Hier ist bei der täglichen Abstimmung am Kiosk festzustellen, dass das Zentralorgan der Gegenaufklärung seit gut 60 Jahren immer gewinnt. Daher kommt auch bei den politischen Wahlen der Provinzialismus zum Zug. Wie sagte doch die frühere Frauenministerin Johanna Dohnal: "Das gegenwärtige Wiedererstarken männlicher Werthaltungen und traditioneller Rollenbilder geht einher mit Xenophobie, Nationalismus, Sexismus und Sozialabbau, mit dumpfem Populismus und Provinzialismus, mit Militarismus und der Aushöhlung von Rechtsstaatlichkeit."

Bild des Benutzers Georg Lechner
Georg Lechner 20.05.2021, 10:49

"...damit die Varianten des Bauprojektes und damit die Kosten nicht ausufern, wird ab jetzt der Bauleiter nicht anhand der Endsumme bezahlt, sondern alle Mehrkosten prozentuell vom vorher festgelegten Honorar abgezogen." Das wäre nicht nur südlich des Brenners sinnvoll. Eine gute Anregung für die Zukunftskonferenz der EU ... - wenn übrigens jemand mitmachen will: https://futureu.europa.eu/

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