Feuer, Heiner
Armin Huber
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Gastkommentar

Von der Kunst, es allen recht zu machen

Was Radiomacher mit Künstlern und Gastronomen gemeinsam haben. Und warum es immer besser ist, beide Seiten zu hören. Eine Entgegnung auf Patrick Strobl.
Von
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Heiner Feuer20.11.2020
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Seit bald drei Jahrzehnten bin ich leidenschaftlicher Radiomacher. Unterhaltung, Musik und Nachrichten - in meinem Werdegang ist alles dabei. Ich komme aus der Musik, habe selbst zehn Jahre lang Klavier gespielt. War Moderator, von der Hitparade bis zur Morgensendung. Und als Journalist konnte ich jahrelang die Hörer mit Nachrichten informieren. Heute darf ich kreativ zwischen all diesen Bereichen jonglieren und als Programmchef im Funkhaus Südtirol bei Südtirol 1 und Radio Tirol für das Gesamtprodukt verantwortlich sein. Es ist eine spannende Herausforderung, diese zwei erfolgreichen Programme für unser Land anzubieten und dabei den Geschmack und die Vorlieben der Südtiroler Hörer zu treffen. Das gelingt nur im Team mit über 50 Mitarbeitern aus allen Bereichen. Jeder mit einem eigenen kreativen Zugang, und doch alle mit dem gleichen Ziel: Radio aus Südtirol, für Südtirol zu machen.
Ich verstehe, dass es gerade jetzt für die Kunstbranche ein schwieriger Moment ist. Das rechtfertigt aber nicht die persönlichen und Großteils falschen Anschuldigungen, wie ich sie nun von Patrick Strobl lesen muss.
Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Kunst, es dabei allen recht zu machen! Man kann es versuchen. Aber die Geschmäcker sind eben verschieden, gerade bei der Musik. Daher haben wir im Funkhaus, wenn man so möchte, zwei Menükarten im Angebot. Die beiden Programme unterscheiden sich nicht nur im Moderatorenteam, sondern vor allem in der Musikfarbe. Südtirol 1 ist der jugendlichere Sender mit der moderneren Musik, erreicht damit so viele Hörer*innen wie kein anderes Programm in unserem Land. Und doch gibt es noch viel andere Musik, die wir mit Radio Tirol im Angebot haben. Unser Musikchef, der das Menü immer aufs Neue zusammenstellt, ist ein wahrer Chefkoch: Welche Zutaten passen zusammen, was servieren wir bei Südtirol 1 und was auf Radio Tirol? Und welche heimische Zutat aus Südtirol wird heute als Delikatesse kredenzt?
Ich wähle den Vergleich zur Gastronomie ganz bewusst, denn jeder Produzent versucht, das Beste zu liefern. Aber auch wenn die einzelne Zutat noch so gut schmeckt, kann man nicht immer alles zusammen servieren. Und nicht alles schmeckt jedem. Wenn jemand keine Rote Bete mag oder wenn sie heute nicht zum ersten Gang passt, dann kommt sie nicht aufs Menü. Klar ist: Jeder Musiker liebt seine Musik und möchte sein aktuelles Werk im Radio hören. Und es ist nicht immer leicht zu akzeptieren, wenn daraus nicht gleich ein Hit für alle wird oder es gerade nicht zum Tagesmenü passt. Aber das liegt nicht am Kunstwerk oder gar am Künstler: Auch große, international erfolgreiche Musiker finden im Radio nur bestimmte Plätze, das ist ganz normal und notwendig. Wir spielen zum Beispiel Helene Fischer nicht auf Südtirol 1, die Hörer*innen dort wünschen sich etwas anderes. Sehr wohl aber haben wir sie bei Radio Tirol im Repertoire. Umgekehrt genauso: Egal ob DJ Robin Schulz oder der heimische DJ Maexx, beide können nur auf Südtirol 1 serviert werden. Wobei wir hier den Südtiroler Künstlern in jedem Fall eine Vorzugsschiene einräumen.
Seit vielen Jahren präsentieren wir Musik aus Südtirol in beiden unseren Programmen, wir stellen die Künstler und ihre neuen Alben vor, laden sie zu Interviews ein und bewerben ihre Konzerte. Eine eigene Sendereihe haben wir vor vielen Jahren ins Leben gerufen, um ihnen Woche für Woche zusammen mit „Dolomiten“ und „Stol“ die größte Bühne unseres Landes zu bieten. Hunderte Folgen von „Backstage“ zeigen eindrucksvoll die Bandbreite unserer Musiklandschaft auf. Und nicht wenige Songs entpuppten sich als Hit und sind immer wieder im täglichen Musikprogramm fixer Bestandteil auf dem einen oder eben dem anderen Sender.
Manche Künstler hadern verständlicherweise damit, dass nicht jeder neue Song sofort zum Radiohit wird.
Manche Künstler hadern verständlicherweise damit, dass nicht jeder neue Song sofort zum Radiohit wird. Zuviel Herzblut steckt in ihrem Werk. Aber nur wenige erheben den Anspruch, dass jede neue Veröffentlichung automatisch als Fixstarter in die Radioprogramme aufgenommen werden muss.
 
Fischer, Helene
Helene Fischer: "Spielen wir nicht, da sich die Hörer etwas anderes erwarten."
 
Ich verstehe, dass es gerade jetzt für die Kunstbranche ein schwieriger Moment ist. Das rechtfertigt aber nicht die persönlichen und Großteils falschen Anschuldigungen, wie ich sie nun von Patrick Strobl lesen muss, obwohl gerade er in unserem Programm immer wieder massiv zu hören war, vom Sonntagsfrühstück bis zum Wohnzimmerkonzert. Als Auslöser kann ich nur vermuten, dass Südtirol 1 seine letzte Veröffentlichung im Sommer nicht sofort auf Sendung gebracht hat. Anders ist es nicht zu verstehen.
Fakt ist, dass wir seit Jahren immer wieder Songs von Mainfelt im Programm haben, mal mehr, mal weniger. Und das unabhängig vom Zustandekommen anderer gemeinsamer Programmaktionen, wie Strobl glauben machen möchte. Es ist daher nicht nur journalistisch korrekt, sondern eine Notwendigkeit, beide Seiten zu hören. Daher möchte ich kurz ein paar geschilderte Begebenheiten ins rechte Licht rücken und an dieser Stelle auf die Vorwürfe eingehen.
Ein im Vorfeld klar definiertes Gegengeschäft: Dies jetzt zu beanstanden ist billiges Nachtreten, das im Sport mit einer roten Karte geahndet würde
Aus Rücksicht auf den Menschen Patrick will ich es bei zwei Punkten belassen:
Auch wir leben von den Einnahmen aus unserer Dienstleitung und kreativen Arbeit. Daher können wir bestens nachvollziehen, dass künstlerische Arbeit honoriert werden muss. Es gibt aber auch so etwas wie ein gegenseitiges Geben und Nehmen, und so war es auch in diesem angeführten Beispiel des Dachterrassenkonzertes von Mainfelt. Ein im Vorfeld klar definiertes Gegengeschäft, wir haben die Band zu nichts verpflichtet, schon gar nicht im Nachhinein. Über mehrere Wochen haben wir die Künstler und ihre Werke in einem großen Gewinnspiel präsentiert, unsere Moderatoren haben mit Leidenschaft die Musik von Strobl & Co im Radio gespielt, viel Sendezeit haben wir (gerne!) zur Verfügung gestellt, Hörer*innen aus dem ganzen Land haben sich daran beteiligt und einige konnten am Ende die Teilnahme an einem exklusiven Konzert von Mainfelt gewinnen. Dies jetzt zu beanstanden ist billiges Nachtreten, das im Sport mit einer roten Karte geahndet würde. Und es zeigt, wie verdreht das ganze dargestellt wird.
MAINFELT
Mainfelt (seit 2019 in neuer Besetzung): "Fakt ist, dass wir seit Jahren immer wieder Songs der Band im Programm haben."
 
 
Ebenso wie ein zweiter Vorwurf, es habe an uns gelegen, dass es nicht zu einem gemeinsamen Autokonzert gekommen sei. Tatsächlich haben wir uns mehrfach darüber ausgetauscht, wie wir die Zeit des Lockdowns, in der Konzerte im Freien untersagt waren, überbrücken könnten. Mit viel Aufwand haben wir uns darauf vorbereitet, technisch und organisatorisch, und waren natürlich alles andere als erfreut, als Patrik Strobl sich plötzlich allein als Organisator und Ideengeber präsentierte. In einem Telefonat versicherte er uns, dass dies alles ein Missverständnis sei und dass er in seinem Konzept selbstverständlich viele verschiedene Künstler und auch uns als Partner vorgesehen habe. In Kürze würde er uns das Konzept zukommen lassen, dann sei alles geklärt… Auf dieses Konzept warten wir bis heute.
Ich möchte ohne Vorwürfe zum Schluss kommen, Anfeindungen sind mir fremd. Gerne stelle ich mich fairen Argumenten und möchte auf alle Künstler zugehen. Bei uns werden sie stets offene Türen vorfinden. Ich bitte aber jeden zu verstehen, dass wir in erster Linie unseren Hörer*innen verpflichtet sind! Ihr Wunsch ist unser Auftrag. Und um diesen musikalisch herauszufinden, testen wir regelmäßig, mit hohem finanziellen Aufwand, den Markt. Den einzig wahren Musikgeschmack zu finden ist schwer, aber über zwei Drittel der Südtiroler Bevölkerung entscheiden sich regelmäßig für ein Programmangebot aus unserem Funkhaus. Das ist für uns Ansporn. Und dafür sagen wir Danke.

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Kommentare

Bild des Benutzers Hartmuth Staffler
Hartmuth Staffler 20.11.2020, 21:56

Ich höre weder Südtirol 1 noch Radio Dorf Tirol, die Gruppe Mainfelt interessiert mich nicht, daher sollte mich diese kuriose Diskussion eigentlich unberührt lassen. Ich weiß nur, dass mich Radio Südtirol 1 vor einiger Zeit unglaublich genervt hat, weil man mich wegen einer angeblichen "Umfrage" angerufen hat, die dann eher zu einem Verhör bzw. einer üblen Belästigung wurde, ein Grund mehr für mich, diesen Sender, der mit so aufdringlichen und unsympathischen Methoden arbeitet, nicht einzuschalten.

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Last Samurai 21.11.2020, 00:10

Grenzt an Selbstverherrlichung, geehrter Herr Feuer...

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Florian Hinteregger 21.11.2020, 08:59

Das von Patrick Strobl beschriebene Verhalten und die etwas herablassende und arrogante Stellungnahme von Hrn. Feuer reihen sich nahtlos in das Bild der ebner`schen Wasserträger ein! Die allen bekannten politischen Vertreter, die Redaktion der Dolomiten und offensichtlich auch die Gestalter bei ST1 sind willfährige Dienstboten. Wir haben heute die Möglichkeit Radiosender aus der ganzen Welt zu empfangen. Wie hier im Forum schon erwähnt, ist ST1 eine billige Kopie von Ö3, welcher auch versucht, es allen Recht zu machen und deshalb kein Profil hat. Auf einen drittklassigen Provinzsender kann ich sehr gut verzichten. Wenn man schon von Wien abkupfert, könnte man sich für die Jugend auch an FM4 und für die älteren Hörer an Ö1 orientieren. Allerdings ist Qualität im Medienhaus Athesia dünn gesät.

Bild des Benutzers Martin Hanni
Martin Hanni 21.11.2020, 09:39

Feurige Einladung: Hearing is Believing - Radio(-Programme) als strategisches Propagandainstrument / Virtuelle Konferenz: Wien, 26.-28.11.2020
https://www.univie.ac.at/Geschichte/salon21/wp-content/Tagung-Hearing-is...

Bild des Benutzers Michael Kerschbaumer
Michael Kerschbaumer 21.11.2020, 11:32

Herr Feuer. Sie betreiben und führen einen guten einen kommerziellen Sender der die Interessen und Belange vieler im Lande bedient. Eine provinzielle Kopie von ö3.Sie verdienen mit Werbung, öffentlichen Geldern und ihrem Partner Athesia viel Geld. Das ist das Ziel. Ist das so schlimm bzw. schämen sie sich fur dieses Credo. Aber bitte verschonen sie uns doch mit der moralischen Verpflichtung lokalen Kunstler oder qualitativ hochwertiges Radioprogramm zu machen. Machen Sie ihre Unterhaltung und basta.

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Arne Saknussemm 21.11.2020, 14:16

Herr Feuer, sie möchten diese profillosen Werbeschleudern "Südtirol 1" und "Radio Tirol" zur moralisch-kulturellen Instanz erheben ? .. damit haben wir das Ende der Fahnenstange erreicht, denke ich. Mit diesem Beitrag haben sie sich wahrlich keinen guten Dienst erwiesen!

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