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Bettenstopp?

Neue Betten braucht das Land!

Warum spricht man immer noch von „Bettenstopp“, wenn er nie ernsthaft intendiert war? Ohne vollständige Klima- und Ökobilanz des Tourismus hängt das Konzept in der Luft.
Community-Beitrag von Thomas Benedikter21.06.2022
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hotel_im_pustertal_aufnahme_hans_heiss.jpg, von Hans Heiss

Ende Juli wird der sog. „Bettenstopp“ im Landtag abgesegnet. Nachdem die Lobbys das konkrete Konzept von LR Schuler – immer unter Begrüßung der Grundidee – durchlöchert haben wie einen Schweizer Käse, stimmte gestern auch die SVP zu. In Sachen UaB hat der SBB wieder einmal gezeigt, wer wirklich regiert. Die dem Landtagsbeschluss folgenden Einzelregelungen werden den famosen „Stopp“ weiter aufweichen.

Wenn die touristische Überbelastung für Gemeinden und Interessenverbände kein hinreichender Grund für die Begrenzung des Wachstums war, könnte es vielleicht die Personalnot sein? Die Arbeitskräfte zum Betrieb der vorhandenen Überkapazität werden immer mehr fehlen. Nur noch die Hälfte des Personals stammt aus Südtirol. Auch wenn irgendwo Migrantinnen mobilisiert werden, benötigt man diese nicht weit dringender in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, in Landwirtschaft und Handwerk?

Absehbar ist schon heute, dass mit dieser Art von „Bettenstopp“ der Verbrauch an Flächen, Wasser, Energie, Baustoffen und die Erzeugung von Müll, Verkehrs- und Landschaftsbelastungen weiter steigen werden. Sieht man vom Nachhaltigkeitsgerede und der vegetarischen Frühstücksoption im 5-Sterne-Bau einmal ab, scheint die zwingende Notwendigkeit von Klimaschutz bei der organisierten Hotellerie und Bauernschaft spurlos vorüberzugehen. Am zentralen Interesse an mehr Ankünften, mehr Nächtigungen, mehr Umsatz und Kubatur wird nicht gerüttelt, als sei der Tourismus heute schon klimaneutral. Das Land hat immer noch keine umfassende Ökobilanz dieses Sektors verlangt.

Das Zwischenfazit der „Bettenstopp“-Diskussion ist ernüchternd. Wenn in einigen Jahren in Südtirol mindestens rund 250.000 Betten angeboten werden, die nur zum kleinen Teil mit E-PKW oder öffentlichen Mitteln anreisen, bringt das nur mehr gefahrene Kilometer, verbaute Kubatur, verbrauchten Strom und Wasser. Und damit ganz unvermeidlich mehr Treibhausgasemissionen. Man hat den Eindruck einer nicht ganz ernst genommenen Diät: auf der einen Seite spart das Land eifrig Emissionen ein, auf der anderen Türen auf für neuen Energieverbrauch aller Art.

„Südtirol hat derzeit noch die Chance für einen Wandel“, schreibt Hans Heiss in seinem Essay zu den Grenzen des Wachstums im Tourismus (Klimaland Südtirol? arcaedizioni 2022), „anders als in Nordtirol, wo der Tourismus mit ca. 50 Mio. Nächtigungen eine derart zentrale Rolle einnimmt, dass ein Ausstieg aus allzu starker Abhängigkeit kaum mehr möglich erscheint.“ Nach der Bettenstopp-Debatte scheint definitiv klar: Südtirol vertut sich diese Chance, sofern sie je bestand.

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Kommentare

Bild des Benutzers Josef Fulterer
Josef Fulterer 22.06.2022, 21:53

Schulers Bettenstop wurde großspurig angekündet und hat nun trotz fehlendem Personal, sowie verstopften Straßen und überlasteter Infrastrukturen, in einem kläglichen "w e r - h a t - n o c h - n i c h t, w e r - b r a u c h t - n o c h - m e h r?" geendet.
Für die abnehmenden Aufenthaltstage in den alles eher als Klima-optimierten Hotels, sind noch einige Klimaschäden anzurechnen:
- die An- und Abreise in den Tonnen-schweren Karossen oder gar im Flugzeug,
- die Herscharen von Vertretern und Lieferanten,
- die öffentlchen Verkehrsmittel und Seilbahnen,
- die Bereitstellung von Trinkwasser und die Abwasserbehandlung,
- die Schneeerzeugung im Winter,
- das für die Gäste notwendige Sicherheitspersonal,
- die Abnützung der Straßen,
- die Müllbeseitigung.
Wenn für das Gastgewerbe eine saubere CO2-Rechnung durchgeführt wird, dann kommen ganz andere Zahlen auf den Tisch, als die mikrigen 18 %, die von EURAK-Rechenknechten für den Tourismus ermittelt wurden.

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