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Arbeitslosigkeit

Akademische Strassenkehrer

In Neapel bewerben sich 26.000 Personen um 500 Posten bei der Müllabfuhr. Der Rekord-Wettbewerb wird in den riesigen Messehallen der Mostra d’Oltremare abgewickelt
Kolumne von
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Gerhard Mumelter22.09.2022
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Es ist ein in jeder Hinsicht rekordverdächtiger Stellenwettbewerb, den die Stadt Neapel für 500 Posten bei der Müllabfuhr ausgeschrieben hat. Gemeldet hat sich dazu eine Rekordzahl von 26.114 Bewerbern. Über 1200 davon haben einen Doktortitel in der Tasche, 10.445 verfügen ein Maturadiplom, der Rest über den geforderten Abschluss der Pflichtschule. Jeder hält die gelbe Tasche in der Hand, in denen persönliche Gegenstände verstaut werden müssen - vom Buch bis zum handy. In den Hallen der weitläufigen Mostra d´oltremare wartet eine Unzahl kleiner Einzeltische auf die Bewerber. Eine Konkurrentin schüttelt etwas ratlos den Kopf: "Tante domande per andare a scopare ?"
Schon in Kürze steht der nächste Rekordwettbewerb an: er betrifft 120.000 Ansuchen für 1394 Posten bei der Stadtpolizei der Hauptstadt Kampaniens.
Zehn Prozent der Bewerber sind über 50. In drei Turnussen pro Tag soll der gigantische concorsone abgewickelt werden. Denn schon in Kürze steht der nächste Rekordwettbewerb an: er betrifft 120.000 Ansuchen für 1394 Posten bei der Stadtpolizei der Hauptstadt Kampaniens.

 

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Messegelände Oltremare in Neapel: Warteschlange vor Eingang zum Wettbewerb.

 

5413 potentielle Fragen sind auf einer Datenbank einsehbar - einige beanstandete Fehler wurden umgehend korrigiert. Absurd genug: als würde es in Neapel nicht genug Arbeitslose geben, kommen 77 Bewerber  aus der Lombardei, 61 aus Emilien und 37 aus Sizilien. Erstaunlich: sogar Anwälte scheinen unter den unter den Bewerbern auf: eine von ihnen, Nunzia, erklärt das so: "Ho un figlio disabile e fare l´avvocato non mi consente di dedicargli il tempo necessario". Viele der Bewerber sind bereits ergraut - insgesamt 3000 sind  50 oder älter. Der letzthin promovierte Sinologe Daniele Atterrano ist ein Experte für chinesische Literatur. Warum er zu diesem Wettbewerb  antritt ? "La situazione la conosciamo tutti. Io provo a fare tutto. Poi vediamo. So che con il mio titolo di studio le aspettative sarebbero diverse. Gli amici mi dicono di salire al nord, ma trasferirsi non è certo una cosa semplice. Auch Enzo Baldi ist jung: "Ovviamente fare lo scopatore non è il mio sogno. Ma questa era una cosa da fare. Poi si vedrà."

 

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Großer Saal in der Mostra oltremare: Warten auf die Zehntausend Bewerber und Bewerberinnen.

 

Die Tageszeitung La repubblica wertet die Rekordzahl von Teilnehmern als Beweis dafür, "che la fame di lavoro in città esiste, e come. Tant'è che più del 10 per cento dei concorrenti, 2731 iscritti, ha un età superiore a 50 anni. Sono 200 i posti che l'azienda ha già deciso di riservare ai contratti di apprendistato- quindi tra 18 e 29 anni - a prescindere dalla posizione in graduatoria."
Drei Voraussetzungen sind für die Teilnahme unerlässlich: "Serve essere maggiorenni, la licenza media e una patente di guida." Das Tagblatt Il Mattino erwähnt eine weitere Bedingung: "C`è un piccolo argine alla fiumana delle domande: il pagamento di un contributo d'iscrizione pari a 15 euro  tramite PagoPa.
Natürlich versuchen auch die emsigen agenzie tuttofare der Hafenstadt , am Grossereignis mitzuverdienen: "Venite da noi per sbrigare la pratica per una ventina di euro, a cui si aggiungono i 15 euro del contributo di selezione. Buona fortuna."
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Kommentare

Bild des Benutzers Manfred Gasser
Manfred Gasser 22.09.2022, 15:37

Mich würde sehr interessieren, wie das weitergeht, wenn die 500 Auserwählten ihren Job haben, ihren "contratto a tempo indeterminato". Wäre toll, wenn Sie uns da in einigen Monaten auf den neuesten Stand bringen könnten, Herr Mumelter.

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Dietmar Nußbaumer 22.09.2022, 20:16

Bella Italia, eines der schönsten Urlaubsländer, nur wirklich darin leben ist nicht so toll. Und für uns heißt es mitgehangen, mitgefangen.

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Dietmar Nußbaumer 22.09.2022, 20:19

Wen wundert's, dass die ausgebildete Jugend auswandert, so ähnlich wie in Russland. Das haben die Politiker ja toll hingekriegt.

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