Kirche Meraner Altstadt
Hannes Prousch
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Meran

Wenn das Glas bricht?

Noch hat der Bau der Kavernengarage nicht begonnen. Um eventuelle Schäden an der denkmalgeschützten Pfarrkirche festzustellen, soll ein Monitoring durchgeführt werden.
Von
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Anna Luther21.11.2022
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Beim Großbauprojekt Kavernengarage in Meran schaltet sich nun auch die Landesdenkmalpflege ein. In Zusammenarbeit mit der Stadtpfarre St. Nikolaus soll ein Monitoring durchgeführt werden, um eventuelle Schäden an der denkmalgeschützten Pfarrkirche während der Bauarbeiten feststellen zu können. Bisher seien durch den Bau des Küchelbergtunnels keine Beschädigungen entstanden. Die Kavernengarage soll ein großes im Felsen eingebautes Autoparkhaus mit knapp 600 Stellplätzen werden, das direkt an den Küchelbergtunnel angebunden wird.
„Uns sind bisher keine Schäden bekannt. Für den Bau der Kavernengarage wird an der Pfarrkirche nun eine kleine Glasscheibe angebracht, um die weitere Entwicklung zu beobachten“, erklärt die Direktorin der Landesabteilung Denkmalpflege, Karin Dalla Torre. Letzte Woche hat bereits ein erster Lokalaugenschein mit Ingenieur Daniel Hartmann stattgefunden.
 

Höhere Kosten

 
Wie salto.bz vorige Woche berichtete, werden sich die Baukosten aufgrund von Inflation und schwierigen Bohrungen um einige Millionen Euro erhöhen. Da das Projekt nicht wie angenommen 27 Mio. Euro, sondern deutlich mehr kosten soll, wollen die Investorengruppe der Meran Centrum Parking AG und die Gemeinde Meran den PPP-Vertrag nochmals aufrollen und neu verhandeln. Obwohl die Verhandlungen sich über mehrere Monate hinziehen werden, soll der mehrmals verschobene Baubeginn Anfang nächsten Jahres stattfinden.
Die Bürgerinitiative SOS Kavernengarage steht dem gesamten Bauvorhaben weiterhin sehr skeptisch gegenüber. Sie kritisiert, dass durch die Planung des PPP-Projekts der Küchelbergtunnel zur Nordwestumfahrung näher in den Stadtkern gerückt worden ist.
 
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Pfarrkirche St. Nikolaus: Sie ist nicht das einzige Gebäude in der Altstadt, das während der Bauarbeiten Risse abbekommen könnte. (Foto: Creative Commons / Carlo Pelagalli)
 
Laut dem Bürgerzusammenschluss sei das geologische Risiko beim Bauprojekt bisher weder von der Investorengruppe noch von der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz angesprochen worden. Die Landesagentur hat sich beim Bauprojekt gegen eine Umweltverträglichkeitsprüfung entschieden. Der Präsident der Meran Centrum Parking AG, Georg Oberrauch, betonte hingegen kürzlich, dass beim Bau die Sicherheitsstandards, zu denen auch das geologische Risiko gehört, erhöht wurden, um auch auf ein Worst Case-Szenario vorbereitet zu sein. Die Sicherungsarbeiten für das geologische Risiko muss laut aktuellem PPP-Vertrag allerdings die Gemeinde zahlen, laut Bürgermeister Dario Dal Medico sind das rund 3,7 Millionen Euro.
„Vor über einem Jahr an zwei Punkten (S1 und S2, letzterer nur wenige Meter von einem Privathaus entfernt) mit Hubschraubereinsatz entnommene Gesteinsproben haben mittlerweile ergeben, dass das Gestein im Aushubbereich mit Einschlüssen (Einschlüsse sind im Felsinneren eingeschlossene Fremdkörper wie Flüssigkeiten oder Gase, Anmerkung d. R.) versehen ist, die schon beim Bohren den Halt verlieren können. Es braucht besondere und teure Abdeck- und Verschalmethoden. Und es soll mindestens 700 Sprengungen geben“, teilt die Bürgerinitiative SOS Kavernengarage mit. Der Bürgerzusammenschluss fürchtet Lärmbelastung für Anrainer:innen und Gastbetriebe.
 
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Kommentare

Bild des Benutzers △rtim post
△rtim post 21.11.2022, 21:13

Immerhin. Um die Glasscheibe der Pfarrkirche ist man beim Denkmalamt besorgt.
Wen interessiert hingegen das Recht auf Leben, Gesundheit und Heim der Bewohner dort auf fragilem Gestein im über 150 Jahre alten Sanatorium Fürstenstein im Abstand von nur 30 m oder in den Berglauben mit jahrelangen tagtäglich 24-Stunden-Beeinträchtigtungen im unmittelbaren Wohnbereich durch krankmachenden Lärm, durch 24-Stunden-Schlafentzug, durch über 700 Sprengungen, den Vibrationen, durch Frequenzspektren schwerer hydraulischer Drehschlagbohrhämmer auf Bohrwägen...
Welche Maßnahmen, welches Monitoring durch zertifizierte kontinuierliche Messungen von Lärmfrequenzspektren umweltmedizinische Überwachung werden zum Schutz der Gesundheit Betroffenen hingegen ergriffen?
Die Antwort ist bekannt: keine!

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Josef Fulterer 22.11.2022, 05:47

Die in Südtirol überaus beliebte Verrohrung des rollenden Verkehrs und der unter-irdischen Auto-Parkplätze, erfordern sehr aufwändige technische Anlagen die betrieben, aber auch gewartet werden müssen und "an den Abluft-Stellen den ganzen Dreck vom unterirdischen Treiben frei-setzen." Bei der Verbrennung von 1 Liter Treibstoff, wird aus dem Sauerstoff von 15 m3 Luft das für die "Klima-Krisen-Leugner unbedenkliche CO2," das "als das GASPEDAL der KLIMA-KRISE gesehen werden muss."
Zur Zeit wird von der Menschheit in 1 Jahr soviel fossiler Brennstoff verfahren und verbrannt, wie zu Urzeiten in 1.000.000 Jahre, hauptsächlich durch das Absinken der Algen im Meer endstanden ist.
Der NEO-LIBERALE-TRAUM vom "weiter so bisher, mit den passenden WACHSTUMS-%, auf Kosten der Menschen die mit den Händen und mit dem Kopf den Alltag beweltigen," wird weder von diesen und noch weniger von der geschundenen Natur geduldet werden!

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△rtim post 22.11.2022, 11:00

Es fehlt, parteiübergreifend, ein ökologisches Bewusstsein, dass es auch im inneren der Erde ein Ökosystem hat: https://www.arte.tv/de/videos/101941-001-A/koennen-wir-uns-durch-die-erd...
Nur mit ganz anderen Zeitspannen.
Wieso dieses Ökosystem hingegen nicht schützenswert ist, haben auch die Liste Rösch/die Grünen nie erklärt. Ebenso: Wieso das Verstärken, Verlagern des Problems, das Abstellen von PKWs auf einer blauen Parkzone eine schlechtere Ökobilanz haben soll, als gerade das (exklusiv mögliche) Parken bei Centrum Parking AG, deren Garage naturzerstörend und klimaschädigend erst errichtet werden — ohne jemals (alle) externe Ewigkeitskosten... ausreichend bedacht und transparent gemacht zu haben.
Wollen die Hügel- und Meraner Altstadtbewohner-innen und ihre Kinder überhaupt eine Auto- und Abgasstadt, einen massentouristischen Lauben-Shopping-Erlebnispark, eine Rummel-Partymeile ...?

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