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Green washing

FERCAM: Nachhaltig mit Biodiesel?

​​​​​​​FERCAM hat die erste Betriebszapfsäule mit HVO-Biodiesel in Bozen in Betrieb genommen. Reicht das, um den ausufernden Güterverkehr auf der Straße gesundzubeten?
Community-Beitrag von Thomas Benedikter21.12.2021
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FERCAM hat die erste Betriebszapfsäule mit HVO-Biodiesel in Bozen in Betrieb genommen, also Treibstoff aus Pflanzen und hydriertem Altöl, wie in Medien verlautete. Langfristig mögen Brennstoffe aus erneuerbaren Quellen eine Rolle spielen. Die Klimabilanz solcher „Öko-Diesel“ mit hohem Stromverbrauch bei der Herstellung ist jedoch nicht umwerfend gut, weshalb Deutschland sie nicht zugelassen hat. Um 1 KWh E-Kerosin herzustellen, werden 3 KWh grüner Strom benötigt. Zu Recht verzichtet man immer mehr auf Raps und Palmöl als Rohstoff dafür, weil dadurch Lebensmittelproduktion verdrängt und Waldzerstörung gefördert wird. Schließlich bleiben die Motoren Verbrenner mit geringem Wirkungsgrad. Schon mit Biomethan betriebene Motoren sorgen für eine stärkere Reduzierung des Verbrauchs und der Schadstoffbelastung mit 90 % weniger NO2, 95 % weniger PM und 95 % weniger CO2 als bei vergleichbaren Dieselversionen, wie heute schon von Gruber Logistics in Sterzing eingesetzt. Noch zielführender hinsichtlich Klimaschutz wäre die Elektrifizierung des LKW-Verkehrs zumindest auf vielbefahrenen Abschnitten.

Noch zielführender wären aber echte Kostenwahrheit und Mengenreduzierung: Studien gehen nämlich davon aus, dass der Güterverkehr in Europa bis 2035 noch um ein Drittel wachsen wird. Zwei Millionen LKW jährlich auf der Brennerroute, ein Drittel davon Umwegverkehr, 30% der CO2eq-Emissionen in der EU aus dem Verkehr. Da nützt kein Biodiesel, sondern nur Kostenwahrheit. Nur wenn Treibstoff und Straßennutzung und nachfolgend die Transportkosten verteuert werden, werden unrentable, klimaschädliche Transporte aufhören. Heute geschieht das Gegenteil: Diesel wird vom italienischen Staat massiv subventioniert (fast 5 Mrd Euro im Jahr), Frächter werden von der Mineralölakzise zusätzlich entlastet (1,25 Mrd Euro). Die italienische Frächterlobby unter der Führung von FERCAM-Chef Baumgartner stemmt sich sogar mit Klagen gegen die EU-Kommission wegen Untätigkeit gegenüber Nordtirol dagegen, den LKW-Transit einzuschränken und den Umwegtransit abzubauen, gleich ob durch Umweltmaut, Subventionsabbau, Dieselpreiserhöhung, CO2-Steuer oder Blockabfertigung. In diesem Licht gesehen wirken einige HVO-Diesel-betriebene FERCAM-LKW nur wie das übliche Green-washing.

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Kommentare

Bild des Benutzers Georg Lechner
Georg Lechner 24.12.2021, 18:02

Biodiesel hat seine Bedeutung bei Arbeiten in Quellschutzgebieten, weil er ungleich schneller und damit besser biologisch abbaubar ist als Kohlenwasserstoffe.
Rapsöl kann relativ energiesparend zu Biodiesel umgewandelt werden (Umsetzung bei milden Temperaturen über festem Kaliumhydroxid (Junek- Mittelbach-Silberberg-Verfahren, Anfang der 90er in Ö. entwickelt), der hauptsächliche Energiebedarf resultiert aus dem Abdestillieren des Biodiesels vom Rückstand (hauptsächlich Glycerin).
Generell ist die Bereitschaft zur Verringerung des Schwerverkehrs / Verlagerung auf die Schiene sträflich unterentwickelt. Der von der öst. Infrastrukturministerin Gewessler verfügte Stopp einiger Straßenbauprojekte (wie Lobautunnel) wird mit Hinweis auf den Schwerverkehr massiv bekämpft.

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