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Wirtschaft

2020: EU-Wirtschaft schrumpft um 6,3%

Laut neuesten Daten ist die Wirtschaft in der EU im Jahr 2020 um -6,3% eingebrochen, Italien lag mit -8,6% deutlich unter dem EU-Durchschnitt.
Community-Beitrag von Monika Psenner22.02.2021
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Die Covid-19-Pandemie hat weltweit die schwerste Rezession seit dem 2. Weltkrieg ausgelöst. Die EU-Kommission veröffentlichte kürzlich für die EU-Länder in einer ersten Schätzung Daten für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für 2020, sowie eine Prognose für 2021 .

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Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der EU im Jahr 2020 um -6,3% schrumpfte, betrug der Rückgang in der Euro-Zone 6,8%. Am meisten betroffen waren Spanien (-11%), Griechenland (-10%), Malta (-9%), Kroatien (-8,9%), Italien (8,8%), Frankreich (8,3%), Portugal (-7,6%) und Österreich (7,4%). In der Wirtschaft all dieser Länder spielt der Tourismus eine wichtige Rolle, der als Folge der Coronakrise massiv eingebrochen ist. Deutschland, die größte Volkswirtschaft der EU, verzeichnete ein Minus von 5%.  Irlands Wirtschaft wuchs trotz Coronakrise um 3% und ist somit das einzige Land in der EU, dessen Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2020 ein Plus erzielt hat. Ein Grund dafür sind hohe Exporte von multinationalen Unternehmen*, die spezialisiert auf medizinische Geräte, Pharmazeutika und Computerservice sind.

Die italienische Wirtschaft in der Covid-19-Krise

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Italien gehört zu den von der Covid-19-Pandemie besonders stark betroffenen Ländern. Von den großen EU-Ländern ist nur Spaniens Wirtschaft im Jahr 2020 noch stärker geschrumpft, als die von Italien. Nach einem katastrophalen ersten Halbjahr erholte sich die Wirtschaft im Sommer, vor allem als Folge des Aufschwungs in der Tourismusbranche. Im 4.Quartal kam es wegen steigender Covid-Infektionszahlen wieder zu Restriktionen und entsprechend negativ wirkte sich das auf die Wirtschaft aus. Diese Situation wird voraussichtlich im 1.Quartal 2021 weiter bestehen bleiben. Allerdings ist die Wirtschaft weniger stark betroffen, als das im Frühling 2020 der Fall war, da der Industrie- und Bausektor, beides wichtige Branchen in Italiens Wirtschaft, nicht von den Restriktionen betroffen sind. Laut Schätzungen der EU wird die italienische Wirtschaft auch Ende 2022 noch nicht das Vor-COVID-Niveau erreichen, allerdings berücksichtigt die jetzige Prognose noch nicht die Hilfsgelder aus dem EU-Wiederaufbaufonds. Ein effizienter Einsatz der finanziellen Mittel, welche Italien aus dem  "Next Generation EU-COVID‑19-Aufbaupaket" bekommen wird, könnte das Wirtschaftswachstum beschleunigen.

Italiens Wirtschaftswachstum lag auch in den vergangenen 20 Jahren immer unter dem EU- und unter dem Eurozone-Durchschnitt und erholte sich auch nach der Finanzkrise 2009 weniger stark als die meisten anderen EU-Länder. Umso schlimmer ist die jetzige Rezession für das hoch-verschuldete Land. Die neue Regierung steht vor großen Herausforderungen. Bleibt zu hoffen, dass die milliardenschweren Zuschüsse und Kredite aus Brüssel effizient verwaltet und eingesetzt werden, um die Wirtschaft aus der  Krise herauszuführen.

Die Inflationsrate** betrug 2020 in Italien -0,1%, für 2021 und 2022 prognostiziert die EU  0,8% und 0,9%. In der Eurozone lag die Inflationsrate 2020 im Durchschnitt bei 0,3%, für 2021 geht die EU von einem Wert von 1,3% und für 2022 von 1.4% aus.

Laut EU-Bericht gingen nach vorläufigen Schätzungen in Italiens Tourismussektor im Jahr 2020 die Nächtigungszahlen um 54% zurück,verglichen mit 2019, bei den Nächtigungszahlen der ausländischen Touristen kam es sogar zu einem Minus von 70%.

Italiens geschätzte Waren-Exporte sanken 2020 um 10% , während Importe einen Rückgang von 13% verzeichneten. Der Handelsbilanzüberschuss betrug 63,6 Milliarden Euro im Jahr 2020 verglichen mit 56,1 Milliarden Euro im Jahr 2019.

Die Aussichten für die Zukunft?

Die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft in den EU-Ländern hängt einerseits vom weiteren Verlauf der Pandemie und andererseits vom Erfolg der Impfkampagnen ab. Laut EU-Prognose wird es im 2.Quartal 2021 zu einem leichten Aufschwung der Wirtschaft kommen, ab 3. Quartal sollte dann die Wirtschaft wieder stärker anziehen. Während manche EU-Länder schon Ende 2021 wieder den Vor-Pandemie-BIP-Level erreichen könnten, wird es für jene Länder, die besonders schwer von der Coronakrise betroffen sind, länger dauern, bis sie zu einer wirtschaftlichen Normalität zurückkehren. Ein effizienter Einsatz der diversen finanziellen Unterstützungsmaßnahmen und Kredite wird auch ausschlaggebend für einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung sein.

*Irland gehört zu den Niedrigsteuerländern in der EU. Wegen der niedrigen Körperschaftssteuer von nur 12.5% haben viele  internationale Unternehmen ihren Firmensitz nach Irland verlegt.

** Die von der EU verwendete Inflationsrate entspricht dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HPIC), der von den nationalen Statistikämtern erhoben und von Eurostat nach EU-weit einheitlichen Regeln berechnet wird und mit welchem in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion das Preisniveau gemessen wird.

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Kommentare

Bild des Benutzers Georg Lechner
Georg Lechner 23.02.2021, 16:44

Der gegenseitige Wettlauf bei den Steuern, Begünstigungen bei Industrieansiedelungen, Bankgeheimnis etc. zwischen den EU-Mitgliedsstaaten führt zu einem insgesamt hohen Ausfall an Steuerleistungen (von Othmar Karas anlässlich des Urteils zugunsten Apple auf 825 Milliarden € jährlich EU-weit geschätzt). Hinzu kommen die Mindereinnahmen infolge Steuerflucht (Briefkastenfirmen) in ähnlicher Höhe.
Es wäre ungleich vernünftiger, strukturschwache Regionen mit Ausgleichszahlungen zu fördern statt den gegenwärtigen Unsinn fortzusetzen, der nur den Kriminellen (Steuerhinterziehern, Bilanzbetrügern und Geldwäschern) und den Großkonzernen zugute kommt.

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